Bamberg
70er-Jahre-Serie

DJK Don Bosco: Emanzipation unterm Basketball-Korb

Der 1. FC Bamberg hatte es vorgemacht, Don Bosco zog nach: Junge Frauen wollten nicht länger nur zuschauen beim Basketball.
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18  Jahre alt war Juliette ("Lu") Kemmer, die Kapitänin der Gründungsmannschaft, auf diesem Foto. "Die 13 war vom Anfang bis zum  Schluss meine Trikotnummer."  Foto: privat
18 Jahre alt war Juliette ("Lu") Kemmer, die Kapitänin der Gründungsmannschaft, auf diesem Foto. "Die 13 war vom Anfang bis zum Schluss meine Trikotnummer." Foto: privat
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Sie waren es leid, immer nur zuschauen zu müssen. Die Freundinnen der Bamberger Don Bosco Basketballer wollten eine eigene Mannschaft.

So kam es, dass 1971 ein Kommilitone den Sportstudenten Georg Zenk fragte, ob er sich vorstellen könnte, ein Damenteam zu trainieren. Der hatte zwar als Schüler an mehreren Mannschaftswettbewerben teilgenommen, war jedoch, was die Coach-Qualifikationen anging, ein Neuling.

"Gut, habe ich mir damals gedacht, das ist eine ideale Möglichkeit, das, was ich im Studium gelernt habe, umzusetzen. Gewissermaßen auf einem Versuchsfeld für den späteren Lehrerberuf."


"Prägende Jahre"

Die 70er-Jahre seien für den Frauensport prägende Jahre gewesen, merkt der jetzt pensionierte Pädagoge an. "Bis 1970 hat der Deutsche Fußballverband am Verbot des Frauenfußballs festgehalten. Und bis zu den Olympischen Spielen 1972 waren deutsche Frauen nur in sehr wenigen Sportarten bei diesem Wettbewerb vertreten.

Zur Zeit des Nationalsozialismus hatte der Frauensport sehr gelitten. Er war mit der damals propagierten Rolle der Frau kaum vereinbar. Frauen waren im Sport lange das fünfte Rad am Wagen."


Auswärtsspiel im Tanzsaal

Im bereits damals in Bamberg sehr populären Basketball wollten das die jungen Frauen ändern. Beim 1. FC gab es schon ein weibliches Team. Auch hier hatten die Frauen/Freundinnen von Funktionären des Herrenspielbetriebs selbst den Ball in die Hand nehmen und nicht nur zuschauen wollen.
Georg Zenk: "Auch so etwas war ein wichtiger Schritt in der Emanzipation".

Die Don-Bosco-Damen traten in der Saison 1971/1972 auch gleich zum Spielbetrieb in der Bezirksliga an. Der erste Aufstieg gelang 1978. "Die kurioseste Spielstätte, an die ich mich erinnere, war der Tanzsaal einer Gaststätte in Ludwigsstadt", sagt Georg Zenk, der als Trainer einige Jahre später von einem Bundesligaspieler abgelöst wurde.


Mehrere Schwangerschaften gleichzeitig im Team

Für die Mannschaftskapitänin der ersten Stunde, Juliette Kemmer, wäre auch nichts anderes in Frage gekommen, als Basketball. "An Fußball war damals noch nicht zu denken - und es hätte mich auch nicht interessiert."

Auch sie war zu der Zeit mit einem Spieler liiert. Bis 1985 war "die Lu", wie sie von allen heute noch genannt wird, aktiv. "Mitte der 80er-Jahre musste das Team mit Spielerinnen aus Lichteneiche aufgefüllt werden - denn gleich mehrere von uns wurden Mütter.

Bei meiner ersten Schwangerschaft habe ich im fünften Monat noch ein Spiel bestritten - sonst hätten wir nicht antreten können. Später war mein Sohn dann dabei und ich habe ihn in der Umkleidekabine gestillt.

Wenn man so will, waren wir, die Jahrgänge '52 bis '56, die Mütter der jetzigen Bundesligamannschaft."


Einmal im Jahr gab's Pizza

Von der Unterstützung, die heute geleistet wird, konnten Trainer und Spielerinnen nur träumen. Lu Kemmer: "Die Trikots gab's und einmal im Jahr Pizza. Alles andere war Eigeninitiative. Die Vereine hätten es sich zu der Zeit aber auch nichts anderes leisten können.

Mein Mann und der Mann einer anderen Spielerin hatten Autos. Meiner hat - oftmals für beide - das Benzin bezahlt. Sonst wären wir gar nicht zu den Spielen gekommen."


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