Coburg
Konsum

Die neue Lust am Einkaufen in Coburg

In den 70er Jahren entstehen mit Kaufhof und Kaufhaus Mohren gleich zwei Großkaufhäuser. Geschäfte erweitern und die Prominenz ist dabei.
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Die "Spit" Ende der 70er Jahre: Der Verkehr läuft noch durch die Innenstadt. Die Geschäfte, teilweise seit Jahrzehnten hier angesiedelt, renovieren, vergrößern, modernisieren. Besuchermagnet: Das Kaufhaus Mohren.CT-Archiv
Die "Spit" Ende der 70er Jahre: Der Verkehr läuft noch durch die Innenstadt. Die Geschäfte, teilweise seit Jahrzehnten hier angesiedelt, renovieren, vergrößern, modernisieren. Besuchermagnet: Das Kaufhaus Mohren.CT-Archiv
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Wenn man heute die jüngeren Coburger fragt, ob sie das EZO kennen, erntet man meist verwundertes Kopfschütteln. Bei der Generation 40plus sieht das schon anders aus. Kaum jemand, der in den 70ern nicht im Einkaufszentrum Oberfranken - kurz EZO - in Niederfüllbach eingekauft hat. Der Name ist nun schon seit Jahrzehnten ein anderer, trotzdem gehen Nostalgiker auch heute noch zum Einkaufen "ins EZO".
Mit dem EZO startete Anfang der 70er Jahre auch in Coburg der Trend, seinen Wocheneinkauf in großen Märkten vor den Toren der Stadt zu erledigen und nicht mehr für jedes Pfund Zucker oder den Liter Milch in den Tante-Emma-Laden nebenan zu pilgern.
Wobei die Innenstadt-Bewohner gar nicht weit fahren oder laufen mussten: Das Kaufhaus Mohren hatte schon 1958 in der Spitalgasse im Erdgeschoss des Gasthauses "Zum Bären" eröffnet. Allerdings waren die 450 Quadratmeter schon bald zu klein. 1963 wurde erstmals erweitert, das Erd- und Obergeschoss des denkmalgeschützten "Bären" ausgebaut. Weil auch das auf Dauer nicht ausreichte, wurde es 1975 für einen Neubau ganz abgerissen.
Eröffnet wurde das neue Großkaufhaus am 15. September 1976. Im Untergeschoss bot der Alberti-Bittner-Markt Lebensmittel und Feinkost an - allein 78 Sorten Sherry und Portwein, 348 Sorten Weiß- und Rotweine, wie dem Tageblatt-Bericht von der Eröffnung zu entnehmen ist. Insgesamt wurden um die 62 000 Artikel auf 5000 Quadratmetern verkauft.
Das größte Kaufhaus im Stadtgebiet war das "Mohren" damit aber nicht. Der Kaufhof, knapp drei Jahre zuvor eröffnet, hatte noch mehr zu bieten: 5500 Quadratmeter und 88 000 Artikel, darunter ein besonders großes Angebot an Damen-Bekleidung.
Das reine Einkaufserlebnis fanden die Coburger toll, an der olivgrünen Fassadenverkleidung allerdings schieden sich die Geister: "Bunker" (wegen der fehlenden Fenster) und "fragwürdige Schönheit" waren noch die etwas netteren Bezeichnungen.
Der damalige Stadtbaudirektor Hans-Harro Stitz aber verteidigte den 70er-Jahre-Schick: "Es ist die beste Kaufhof-Fassade, die es gibt!", sagte er in einer Tageblatt-Umfrage zur Eröffnung. Fenster brauche es doch gar nicht, "man stapelt in einem vollklimatisierten Gebäude Waren, um sie zu verkaufen". Allerdings hatte Stitz immer für eine rostrote Fassade gekämpft, was aber mit den Hausfarben des Kaufhofs - Weiß und Grün - nicht zusammen passte.
Der neue Kauhof erwies sich tatsächlich als Kundenmagnet. Das zeigte eine Untersuchung 1974. Was sich zum Glück nicht bewahrheitete, war die wohl kurioseste Befürchtung der Coburger, dass die Großstadt-Filialen des Kaufhofs ihre Ladenhüter im Provinz-Kaufhaus in Coburg "an die Dummen bringen", wie das Tageblatt zur Eröffnung schrieb.

Prominenz und Parkplatzprobleme

Die Eröffnung neuer Geschäfte wird zum Spektakel: Schon Wochen vor dem Termin im März 1975 hatte Filmstar Maria Schell von Plakaten heruntergelächelt, dann war sie endlich selbst in Coburg. Das "Seelchen" der 50er Jahre kam mit ihrer Tochter Marie-Theres und ihrem Sohn Oliver nach Coburg und eröffnete das neue Hettlage-petit Modehaus in der Spitalgasse. Zielgruppe waren "die Muttis und ihre Babys, Kinder, Teens und Girls". 25 Verkäufer und Verkäuferinnen berieten die Kunden.
Am Tag der Eröffnung warteten schon Hunderte von Schaulustigen vor dem Geschäft. Die Polizei musste eingreifen und wurde der Horde kaum Herr.

Mit dem "Konsumrausch" in den 70ern geht auch die Zunahme des Verkehrs in der Coburger Innenstadt einher. Wer einkaufen will, fährt mit dem Auto. 1973 wird die Goethestraße auf vier Fahrspuren verbreitert, wofür einige der schönen Villen am Ernstplatz abgerissen werden. Außerdem soll ein Parkhaus her. Nach jahrelangem Hin und Her, wo denn der passende Platz für einen solchen Bau sein könnte, wird es schließlich auf der Mauer gebaut und 1977 eröffnet.

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