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Uhr umstellen

Zeitumstellung auf Winterzeit - Wird die Uhr das letzte Mal umgestellt?

Am Wochenende bricht wieder eine neue Zeit an: In der Nacht vom Samstag, 27. Oktober, auf Sonntag, den 28. Oktober, ist Zeitumstellung auf Winterzeit. Wie muss die Uhr umgestellt werden? Und wie oft müssen wir die Uhr noch umstellen?
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Wer hat an der Uhr gedreht? Muss die Uhr für die Umstellung auf die Winterzeit vor- oder zurückgestellt werden? Das fragen sich jedes Jahr viele Menschen in Deutschland. Foto: Daniel Naupold, dpa
Wer hat an der Uhr gedreht? Muss die Uhr für die Umstellung auf die Winterzeit vor- oder zurückgestellt werden? Das fragen sich jedes Jahr viele Menschen in Deutschland. Foto: Daniel Naupold, dpa

Eigentlich mag sie keiner mehr: Die Zeitumstellung. Bei der Umfrag der EU-Kommission hat sich eine Mehrheit dafür ausgesprochen künftig auf die Zeitumstellung zu verzichten, doch bis es soweit ist, wird in Deutschland vorerst weiter an der Uhr gedreht.

EU-weit wird intensiv über die Abschaffung der Zeitumstellung diskutiert - dabei droht aber einiges Chaos. Doch der Reihe nach. Im September hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, das Drehen an der Uhr abzuschaffen. Jeder Staat soll stattdessen ab kommendem Jahr selbst entscheiden können, ob er dauerhaft Sommer- oder Winterzeit will. Für die Brüsseler Behörde und ihren Chef Jean-Claude Juncker könnte dies eines der letzten großen Vorhaben werden. Die Amtszeit endet 2019.

Das letzte Mal Winderzeit?

Die Kommission, der in der Vergangenheit bisweilen bürgerferne Regulierungswut nachgesagt wurde, gab sich dabei vermeintlich volksnah. In einer EU-weiten Online-Umfrage sprachen sich 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Die meisten plädierten für eine dauerhafte Sommerzeit. 4,6 Millionen Antworten gingen bei der EU-Kommission ein - ein Rekord für diese Art von Befragungen, aber immer noch weniger als ein Prozent der EU-Bürger. Und: Allein drei Millionen Teilnehmer kamen aus Deutschland.

Zur Überraschung so mancher Staaten verkündete Juncker daraufhin aber kurzerhand: "Die Leute wollen das, also machen wir das." Möglichst bis zur Europawahl im kommenden Frühjahr sollten Fakten geschaffen werden. Bis April sollen die Staaten sich überlegen, welche Zeit sie dauerhaft behalten wollen.

Für den Gesetzgebungsprozess der EU, in dem manche Vorhaben teils jahrelang ausverhandelt werden, wäre dies ein enormes Tempo. Doch vor allem unter den EU-Staaten, die - wie auch das Europaparlament - mehrheitlich zustimmen müssten, gibt es noch viele Fragezeichen.

So heißt es, im Moment werde auf Arbeitsgruppenebene noch durchexerziert, was die Umstellung nicht nur für die Menschen, sondern auch für eine ganze Reihe von Branchen bedeutet. Wie könnte sie sich auf den EU-Binnenmarkt, den Warenhandel, Bahn- oder Flugverkehr auswirken? Viele Staaten haben deshalb noch keine endgültige Position bezogen.

Das bisherige Meinungsbild ist durchaus gespalten. Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, die Mitteleuropa eine Stunde voraus sind, haben sich etwa für eine Abschaffung der Zeitumstellung und dauerhafte Sommerzeit ausgesprochen. Die Slowakei will permanente Winterzeit. Portugals Premierminister Antonio Costa spricht sich hingegen dafür aus, den halbjährigen Wechsel beizubehalten. Mündet das ganze also in einen Flickenteppich?

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten gilt dieselbe Zeit. Acht Länder - unter ihnen Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland und Zypern - sind eine Stunde voraus. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien.

Österreich, das derzeit den Vorsitz unter den EU-Staaten innehat, möchte Schlimmeres verhindern. Das Land hat sich bereits für eine ganzjährige Sommerzeit ausgesprochen. Allerdings will die Regierung in Wien sich mit den Nachbarländern für eine einheitliche Zeitzone in Mitteleuropa absprechen. Auch die Benelux-Staaten - Belgien, die Niederlande, Luxemburg - kündigten an, sich

zu beraten.

Deutschland neigt zu ewiger Sommerzeit

Deutschland neigt ebenfalls zu ewiger Sommerzeit. "Die große Mehrheit der Menschen will nicht mehr alle sechs Monate an den Uhren drehen und die meisten wünschen sich eine dauerhafte Sommerzeit", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nun. "Die Menschen möchten auch im Winter, Herbst und Frühjahr nach harter Arbeit und Schule noch freie Zeit bei Tageslicht haben. Wir werden die anstehenden Treffen auf EU-Ebene nutzen, um hierüber möglichst schnell Einigkeit zu erzielen."

Doch jetzt heißt es erst einmal noch mal: Am letzten Oktoberwochenende 2018 endet die Sommerzeit und die Uhren werden auf die Winterzeit umgestellt. Doch für alle Langschläfer sind das sehr gute Nachrichten: Sie gewinnen eine Stunde Schlaf.

Wie müssen die Uhren umgestellt werden und warum?

Dann fragen sich viele Menschen, wie die Uhren denn umgestellt werden. Muss ich die Uhr vor- oder zurückstellen? Und warum gibt es die Zeitumstellung überhaupt? Was bringt sie der Gesellschaft? Warum ist sie umstritten? Ist sie sogar schädlich? Wie weit sind die Abschaffungs-Pläne der Zeitumstellung? inFranken.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Zeitumstellung.

Die Zeitumstellung soll 2019 endgültig abgeschafft werden: Wie weit ist der Plan vorangeschritten?

Im März eine Stunde vor, im Oktober eine Stunde zurück - seit Jahrzehnten wird in der Europäischen Union zwei Mal im Jahr die Zeit umgestellt. Doch nun scheint das Ende dieser seit Jahren umstrittenen Regelung absehbar. In einer EU-weiten Umfrage hat sich eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. EU-Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker favorisiert die dauerhafte Sommerzeit.

Zeitumstellung: Wann werden 2018 die Uhren auf Winterzeit gestellt?

Jedes Jahr im Herbst, genauer gesagt am letzten Sonntag im Oktober, werden die Uhren auf Winterzeit umgestellt. 2018 fällt der Termin auf die Nacht von Samstag, 27. Oktober auf Sonntag, 28. Oktober. Damit hat dieser Tag 25 statt 24 Stunden.

Die Uhr wird in der Nacht auf Sonntag, um 3 Uhr auf 2 Uhr umgestellt. Das heißt, wir gewinnen eine Stunde. Langschläfer können sich also freuen, sie dürfen eine Stunde länger ruhen am Sonntag.

Warum ist die Zeitumstellung immer am Wochenende?

Damit die Umgewöhnung für die Arbeitnehmer einfacher wird, ist der Termin immer am Wochenende. Wer am Sonntag arbeiten muss, muss dennoch in den sauren Apfel beißen. Allerdings bekommen Beschäftigte zur Winterzeit ja ohnehin eine Stunde geschenkt.

Winterzeit: Muss die Uhr vor- oder zurückgestellt werden?

Die Uhr wird also bei der Winterzeit eine Stunde zurückgestellt. Der Zeiger der Uhr dreht sich bildlich gesprochen rückwärts. Im Gegensatz zur Sommerzeit, bei der die Uhr vorgestellt wird und die Deutschen eine Stunde verlieren, weil sie eine Stunde früher aufstehen müssen, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Vorteil ist, dass es morgens, früher hell wird. Nachteil ist, dass es bereits um 16 Uhr dunkel ist.

Zeitumstellung: Eselsbrücke

Eine beliebte Eselsbrücke, um sich zu merken, wie die Uhren verstellt werden müssen, ist folgende: "Im Frühling stellt man die Gartenmöbel vor die Türe, im Herbst räumt man sie wieder zurück in den Schuppen."

Stellen sich Smartphones selbst um?

Wer seinem Gerät die Erlaubnis dazu gegeben hat, der muss sich bei der Umstellung um nichts kümmern, denn dann hat man am nächsten Morgen automatisch die richtige Zeit auf dem Handy. Bei Android geht man dazu in Einstellungen zu "Datum & Uhrzeit" und wählt die Funktion "Autom. Datum/Uhrzeit" aus. Beim iPhone kommt man über den Unterordner "Allgemein" zu "Datum & Uhrzeit", wo man "Automatisch einstellen" eingeben muss. Auch wenn man diese Funktionen aktiviert hat, sollte man dennoch checken, ob die Uhrzeit stimmt.

Welche Zeit ist die richtige Zeit?

Die eigentlich echte Zeit ist die Winterzeit, so dass man sie auch Normalzeit nennt. Die Sommerzeit, die jedes Jahr Ende März startet, ist ein künstliches Produkt. Eingeführt wurde die Sommerzeit, um in den Sommermonaten Strom zu sparen. Der Gedanke dahinter: Es ist eine Stunde länger hell, so dass man erst später elektrisches Licht nutzen muss.

MESZ, MEZ und UTC: Was bedeuten diese Abkürzungen?

Mit MESZ ist die Mitteleuropäische Sommerzeit gemeint. MEZ ist die Mitteleuropäische Zeit, damit wird auf die Normalzeit, also auf die Winterzeit, hingewiesen. UTC (Coordinated Universal Time im Englischen oder Temps uinversel coordonne), ist die koordinierte Weltzeit. Gemeint ist mit UTC die heute geltende Weltzeit, die 1972 eingeführt wurde. Sie wird benutzt, wo eine allgemein gültige Weltzeit gebraucht wird, zum Beispiel in der Luft- und Seefahrt oder auf der Internationalen Raumstation, aber auch für internationale Projekte, die sich über mehrere Zeitzonen ausweiten. In Relation zur UTC rechnet man für die MEZ eine Stunde dazu, für die MESZ zwei Stunden.

Ist die Zeitumstellung gesundheitsschädlich?

Auf jeden Fall braucht der Körper Zeit, um sich an die Zeitumstellung zu gewönnen. Mediziner vergleichen die Veränderung mit einem Mini-Jetlag. Müdigkeit, Einschlafstörungen, Gereiztheit und Verdauungsprobleme können die Folge sein. Das komme davon, dass die innere Uhr gestört werde. Allerdings leiden nicht alle Menschen darunter. Ärzte raten dennoch dazu auf Schlafmittel wie Tabletten zu verzichten, besser sei ein Schlaftee, ein heißes Bad oder tagsüber Bewegung an der frischen Luft.

Wer leidet unter der Zeitumstellung?

Frühaufsteher haben meist die größten Probleme mit der Umstellung, was auch kein Wunder ist. Denn wenn Menschen um 6 Uhr aufstehen, weckt ihre innere Uhr sie nun schon um 5 Uhr. Wem das Probleme bereitet, dem empfiehlt Schlafforscher Hans-Günter Weeß, im Bett zu bleiben und entspannt an schöne Dinge zu denken. Auf keinen Fall sollte man aufstehen: "Das würde die Gewöhnung an den neuen Rhythmus stören", so das Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Doch Prof. Martha Merrow von der LMU München wiegelt ab, denn davon sind nur ganz wenige Menschen betroffen. Sie sieht Frühaufsteher dann auch eher in einer "Luxussituation". Früh aufzuwachen hält sie für ein Geschenk und nicht für ein Problem. "Es ist freie Zeit. " Wobei das wohl nicht alle Menschen so sehen, die früh aufwachen. Wollen sich Frühaufsteher dennoch anpassen, dem rät Merrow, am Morgen Licht aus dem Schlafzimmer fernzuhalten und am Nachmittag hingegen noch mal extra Licht zu tanken, zum Beispiel mit einem Spaziergang. Generell gilt aber: Die Umstellung auf die Winterzeit macht den meisten Menschen weniger Probleme als bei der Sommerzeit im Frühjahr.

Babys und Kleinkindern macht die Zeitumstellung zu schaffen

Während sich Erwachsene oft über die Umstellung freuen, da sie eine geschenkte Stunde Schlaf bekommen, macht Babys und Kleinkindern die Veränderung zu schaffen. Denn bei den Kleinen ändert sich abrupt ihr gewohnter Schlaf-Wach-Rhythmus. Umso jünger die Kinder sind, umso schlimmer ist es, erklärt Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Wenn sich zeitliche Abläufe ändern, haben vor allem Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten Probleme. Sie sind möglicherweise quengeliger als sonst. Es kann bis zu einer Woche dauern, bis sich Babys an die Zeitumstellung gewöhnt haben.

Frauen leiden stärker unter der Umstellung

Im Vergleich Männer und Frauen, sind Frauen auf jeden Fall stärker beeinträchtigt durch die Zeitumstellung. Das ergab eine Umfrage der KKH-Krankenkasse. Demnach fällt es jeder vierten Frau schwer, an den folgenden Tagen aufzusehen. Zudem seien sie häufiger gereizt und müde. Männer jedoch verkraften die Veränderung besser. 74 Prozent merken davon angeblich gar nichts.

Sonnenstunden im Winter in Deutschland

Im Winter leiden viele Menschen grundsätzlich unter der Dunkelheit. Einige haben gar das Gefühl, überhaupt kein Tageslicht mehr abzubekommen und in ewiger Nacht zu leben. Und tatsächlich ist es im Dezember nur etwa 8 Stunden hell. Kurz vor der Wintersonnenwende geht die Sonne um circa 8.15 Uhr auf und verabschiedet sich bereits um kurz vor 16 Uhr wieder. Viele Berufstätige erleben Helligkeit so nur noch, wenn sie in der Arbeit sind. Manchen Menschen schlägt der Lichtentzug aufs Gemüt. Dazu kommt, dass sich die Sonne in dieser Zeit auch oft gar nicht blicken lässt. Das Wetter ist oft kalt, nass und grau. Dieses Phänomen nennt man Winterblues oder Winterdepression.

Was hilft gegen Winterblues und Lichtentzug?

Wenn möglich, sollte man sich so oft es geht, tagsüber draußen aufhalten und sich bewegen, zum Beispiel können Berufstätige in der Mittagspause einen kurzen Spaziergang nach dem Essen einplanen. Dem ein oder anderen hilft auch ein Besuch im Solarium. Andere schwören auf die Sauna. Zwar ist es dort nicht hell, aber vielen tut die Wärme gut. Auch Infrarotlampen können helfen. Das Licht und die Farbe der Rotlichtlampe strahlt Wärme aus, die ähnlich wie Sonnenstrahlen wirken.

Wem das alles nicht hilft, sollte über einen Winterurlaub im Süden nachdenken. Wer nach Rom fährt, gewinnt bereits eine Stunde pro Tag Licht. Zudem ist das Wetter sehr viel milder als in Deutschland. Ein Urlaub in Skandinavien ist Winterdepressiven allerdings nicht zu empfehlen. Die Norweger haben Ende Dezember nicht einmal mal mehr sechs Stunden Helligkeit pro Tag.

Winterzeit abschaffen

Neben Bestrebungen, die erfundene Sommerzeit abzuschaffen, gibt es auch Überlegungen, die Uhren nicht mehr auf Winterzeit umzustellen. Dann wäre es in den Wintermonaten länger hell. Laut einer aktuellen Umfrage der Krankenkasse DAK würde eine Mehrheit der Deutschen die Umstellung gerne abschaffen. Drei von vier Befragten finden den Wechsel für sinnlos.

Die Zeitumstellung wurde in Deutschland 1980 eingeführt, um Energie zu sparen. Fast 80 Prozent fühlen sich wegen der Umstellung schlapp und müde. Jeder Fünfte ist laut der Umfrage schon einmal wegen der Zeitumstellung zu spät zur Arbeit gekommen.



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