Seit 1. Mai gelten neue Regeln für die energetischen Anforderungen an Wohngebäude. Die Vorschriften für neu errichtete und bestehende Wohnhäuser in der novellierten Energieeinsparverordnung EnEV 2014 wurden in vielen Punkten verschärft. Bei Altbauten - über zwei Drittel von insgesamt 18 Millionen Häusern hierzulande - gibt es vor allem drei Änderungen. "Bis Ende des Jahres müssen viele Heizkessel außer Betrieb genommen werden, die vor 1985 installiert wurden", sagt Petra Hegen vom Landesprogramm Zukunft Altbau des Umweltministeriums Baden-Württemberg.
Die bereits bestehende, nachträgliche Dämmpflicht von obersten Geschossdecken werde zudem klarer definiert: Ein U-Wert von 0,24 Watt pro Quadratmeter/Kelvin sei künftig einzuhalten Eine weitere Änderung: Bei Verkauf oder Vermietung von Bestandbauten muss den Interessenten künftig der Energieausweis ohne Aufforderung vorgelegt werden.
Neutrale Informationen zur EnEV 2014 gibt es kostenfrei über das Beratungstelefon von Zukunft Altbau 08000 12 33 33 oder unter www.zukunftaltbau.de.
Hausbesitzer müssen alte Heizkessel künftig schneller ausmustern. Wurde eine Heizung vor 1985 installiert, darf sie nur noch bis Ende des Jahres betrieben werden. Der Grund: Die Oldtimer im Heizungsbereich verschwenden durch miserable Wirkungsgrade wertvolle Heizenergie. Auf bis zu 30 Prozent summieren sich die Oberflächen- und Abgasverluste. Das macht das Heizen besonders in unsanierten Altbauten zu einem teuren Vergnügen.
"Ausnahmen gelten für effizientere Niedertemperatur- und Brennwertkessel", erklärt Ulrich König vom Energieberatungszentrum Stuttgart (EBZ). "Der Stichtag 31. Dezember 2014 gilt für sie nicht." Auch Hausbesitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die schon vor 2002 in ihrem Domizil wohnten, können ihre Uralt-Heizungen weiter betreiben. Ökonomisch und ökologisch sei das aber unsinnig, warnt König: "Wegen des niedrigeren Verbrauchs neuer Anlagen rechnet sich die Investition in vielen Fällen bereits nach wenigen Jahren."

Energieausweis modernisiert

Seit 2009 benötigen alle Wohnhausbesitzer einen Energieausweis für ihre Immobilien. Dieser wurde jetzt inhaltlich und optisch modernisiert. Die Ausweise klassifizieren die Heizkosten von Gebäuden auf einer Skala von grün bis rot. Dieser sogenannte Bandtacho reicht nun nur noch bis 250 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter; vorher endete er bei 400. Er ist außerdem, vergleichbar zu Elektrogeräten, in Energieeffizienzklassen von A+ bis H eingeteilt. Hinzu kommt eine Stärkung der energetischen Sanierungsempfehlungen.
Das Transparenzdokument musste bislang Kauf- oder Mietinteressenten erst auf Verlangen ausgehändigt werden. Damit ist künftig Schluss: Nun müssen Hausbesitzer die Energieausweise ohne jegliche Aufforderung vorlegen. "Die Herausgabe muss sogar bereits bei der ersten Besichtigung erfolgen und nicht erst bei der Verkaufsverhandlung", so Petra Hegen.
Eine weitere Änderung betrifft oberste ungedämmte Geschossdecken unterhalb unbeheizter Dachräume. Sie müssen nun einheitlich gedämmt werden. Bislang gab es hier keine normierte Regelung; so wurden etwa "irgendwie gedämmte" Decken von der Pflicht ausgenommen, was zu vielen Unsicherheiten, Fragen und Kritik führte. Künftig gilt der U-Wert von 0,24 Watt pro Quadratmeter und Kelvin. Auch hier ist vorgesehen: Für Besitzer, die vor 2002 in ihr Ein- oder Zweifamilienhaus gezogen sind, gilt die Regelung nicht.
Wer einen Neubau in Angriff nimmt, muss sich entscheiden, ob er schon die neuen Standards der EnEV 2014 zugrunde legt oder noch etwas preiswerter nach den alten Richtlinien baut. Denn die energetischen Anforderungen an Neubauten verschärfen sich erst ab dem 1. Januar 2016. Der bislang zulässige Primärenergiebedarf pro Jahr muss dann durchschnittlich 25 Prozent niedriger und die Wärmedämmung der Gebäudehülle um im Durchschnitt 20 Prozent besser sein. "Wir raten Bauherren, unbedingt jetzt schon nach den neuen Standards zu bauen", sagt Jürgen Friedrichs vom Bauherren-Schutzbund (BSB). Das sei nur unwesentlich teurer, aber eine Investition in die Zukunft. dpa-mag/Zukunft Altbau