Nennen wir ihn Karl Kilowatt: Sein alter Kühlschrank ist fast leer - produziert Kälte nur für die Eiszapfen im Tiefkühlfach. Außerdem ist die Türdichtung defekt. Das Heizöl ist längst verbraucht. Karl Kilowatt hat sich deshalb einen Heizlüfter zugelegt. Ein günstiges Angebot - denkt er. Doch weit gefehlt: "Es gibt keine teurere Art zu heizen, als mit Strom", erklärt Werner Lorenz vom Caritasverband Forchheim, wo ein kostenloser Stromspar-Check angeboten wird - speziell für Hartz-IV-Bezieher.
Die Aktion ist ein Teil des Caritas-Konzeptes zur Entlastung einkommensschwacher Haushalte. Am Beispiel von Karl Kilowatt zeigt Werner Lorenz auf, was die drei Stromsparhelfer, die jetzt in der kalten Jahreszeit Tag für Tag in den Haushalten unterwegs sind, so alles erleben. Alleine in diesem Jahr haben sie schon 146 Wohnungen durchgecheckt nach unnötigen Energiefressern. Dazu kommen die Berater zwei Mal in den Haushalt. Zunächst wird das alltägliche Verbraucherverhalten abgeklopft. Da wird Karl Kilowatt sogar gefragt, wie oft er duscht. Seine Kühlschranktemperatur wird gemessen und der Energiefluss der sonstigen Verbraucher untersucht - vom Verbrauch der Glühlampen bis zum Elektroheizgerät.

Spezielles Analyseprogramm

Die Stromsparhelfer bedienen sich eines speziellen Softwareprogramms, das die aktuellen Verbrauchsdaten gezielt für den jeweiligen Haushalt auswertet. Man erhält damit nicht nur den tatsächlichen Verbrauch. Der Clou: Man erhält auch den Differenzbetrag in Euro, den man sparen würde bei Anwendung der Tipps zur Energiereduzierung. In einem zweiten Hausbesuch besprechen die Stromsparhelfer die Ergebnisse ihrer Analyse mit den Bewohnern. Sie arbeiten einen persönlichen Stromsparplan aus mit vielen Hinweisen, wie auch ein Herr Kilowatt in Zukunft weniger Energie verbraucht und bares Geld sparen kann.

Bis zu 200 Euro gespart

"Durchschnittlich ergibt sich pro Haushalt ein Einsparpotenzial von 140 bis 200 Euro im Jahr", weiß Werner Lorenz aus Erfahrung. Und ganz nebenbei werde ein ganz wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz geleistet. "Beim CO2 -Ausstoß ergeben sich Einsparungen zwischen 330 und 400 Kilogramm Kohlendioxid pro Haushalt und Jahr", betont Lorenz. Wer sich beraten lässt wird auch belohnt. Die Stromsparhelfer überreichen in jedem Haushalt als Geschenk ein Energiesparpäckchen. Enthalten sind Spargeräte im Wert von rund 70 Euro: hochwertige Energiesparlampen, schaltbare Steckdosenleisten, Wasserperlatoren und vieles mehr.

Stromschulden steigen

Roland Dauer, der Leiter der Hartz-IV-Bezugsstelle (Arge), macht kein Hehl aus der Situation dieser Menschen: "Viele Leute bauen Stromschulden auf." Deshalb hält er die Stromsparaktion auch für sehr wichtig. Auch was die Berater betrifft: Denn die waren selbst Langzeit-Arbeitslose, die sich durch eine entsprechende Schulung qualifizieren konnten.
15 Menschen seien bisher so ausgebildet worden, berichtet Werner Lorenz. Eine doppelter Gewinn - für die Berater und für Strom-Verbraucher, wie Karl Kilowatt .