• Ein Forscher erklärt, warum Genetik einen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Menschen hat
  • Intelligenz: Dieses Wissen kann weitere positive Effekte haben
  • Krankheiten könnten schon präventiv behandelt werden

Es ist eine uralte Überzeugung: Die Erziehung und die Umwelt formen den Charakter. Geht es nach dem Psychologen und Verhaltensforscher Robert Plomin, 71, spielen diese Einflüsse bei der Entwicklung eines Menschen nur eine untergeordnete Rolle. Viel bestimmender seien die Gene. Plomin, der unter anderem das Buch „Blueprint – How DNA makes us who we are“ verfasst hat und schon jahrelang am King‘s College in London forscht, erklärt seine Überzeugung so: "Wir wissen heute, dass mindestens 50 Prozent jeder Eigenschaft schon bei Geburt in unseren Genen liegt.“ Seiner Meinung nach seien Intelligenz, Interessen und Charaktereigenschaften das Ergebnis der genetischen Veranlagung.

Genetische Intelligenz: Die DNA bestimmt bereits 70 Prozent des Lebens, meint Plomin

Eine Erziehung mit viel Liebe, Fürsorge und Unterstützung sei dagegen lediglich das Eröffnen von „Möglichkeiten“. „Ob man diese Möglichkeiten jedoch auch wahrnimmt, das bestimmen wiederum die Gene, schildert der Psychologe in einem Interview mit dem Magazin GEO. Diese Erkenntnis hält der Verhaltensforscher für einen Durchbruch und eine regelrechte Entlastung der Eltern.

"Es kann Eltern zerstören, wenn sie glauben für den Charakter oder sogar psychische Krankheiten ihres Kindes verantwortlich zu sein. Heute glauben etwa viele Menschen, Eltern wären dafür verantwortlich, wenn ihr Kind zu dick ist. Dabei ist der Body-Mass-Index zu etwa 70 Prozent erblich“, führt Plomin weiter aus. "Ob wir mutig sind oder musikalisch, witzig, emphatisch oder introvertiert –  mindestens 50 Prozent davon liegt schon bei Geburt in unseren Genen", erklärt der Wissenschaftler.

Eine weitere Annahme des Forschers: Intelligente Eltern haben im Durchschnitt weniger intelligente Kinder. Weniger intelligente Eltern dafür intelligentere Kinder. „Manchmal schlägt das Pendel sogar ins Gegenteil aus. Das können Sie bei Wunderkindern beobachten: Die haben oft nur durchschnittlich intelligente Eltern. Das ist eine wichtige Botschaft: Es gibt keine genetischen Kasten“.

"Genforschung macht das Leben besser", sagt der Verhaltensforscher Plomin

Auf die Frage, warum denn bislang nur rund elf Prozent des schulischen Erfolgs mithilfe der Erkenntnisse des Forschers erklärbar seien, entgegnete er, dass die Forschenden bislang „eben nur einen Bruchteil von Genkombinationen gefunden haben, die für Charaktereigenschaften verantwortlich sind“. Das widerlege aber nicht seine Annahme. Auch die Vorwürfe seiner Kritiker, sein Buch erinnere stark an rassistische Vererbungslehren, wie beispielsweise die „Rassenlehre“ aus dem „Dritten Reich“, hält Plomin für aus der Luft gegriffen. „Das sind die klassischen Vorwürfe von Journalisten oder von Akademikern, bei denen die Kritik zum guten Ton dazugehört. Ein schlechter Mensch braucht nicht meine Erkenntnisse, um ein totalitäres System aufzubauen.“ 

Buchtipp: Die große Ernährungsbibel - Bestseller jetzt bei Amazon anschauen

Generell sei sein Buch für Menschen verfasst, die sich fragen, was sie zu dem Menschen macht, der sie sind. Es gebe etwa „Menschen, die jahrelang zur Psychotherapie gegangen sind und in ihrer Vergangenheit nach Ursachen für ihre Depressionen gesucht haben“, obwohl diese Krankheit genetisch bestimmt sei. Dadurch wüssten Psychotherapeuten das der Blick nach vorne viel wichtiger sei, als der Blick in die Vergangenheit. 

Robert Plomin argumentiert, dass Menschen mit Schwächen durch die Genforschung mit mehr Respekt behandelt werden würden, dass „wir wissen, dass sie vielleicht nichts dafürkönnen. Die Welt wird besser durch Genforschung, nicht schlechter.“ Trotzdem sei die Argumentation mit der Genetik kein Freibrief für rechtswidrige Handlungen. Der Mensch sei ja schließlich nach wie vor der Herr seiner eigenen Taten.

"Das wissen, dass ich genetisch zu Übergewicht neige, hat mich zu gesunder Ernährung motiviert", erklärt der Forscher

Wer zur Alkoholsucht neige und trotzdem betrunken Auto fahre, gehöre empfindlich bestraft. Dass man aus Wissen um seine erblichen Anlagen auch positiven Nutzen ziehen kann, zeigt der Experte an einem eigenen Beispiel. "Ich neige beispielsweise genetisch zu Übergewicht. Das hat mich motiviert besonders auf meine Ernährung zu achten", sagt Plomin.  Auch deshalb sieht der Forscher einen überwiegend positiven Einfluss seiner Forschung: „Ich glaube, dass wir sogar Straftaten mithilfe von Genforschung verhindern können. Nicht, indem wir diese Menschen aussortieren, sondern indem wir ihnen rechtzeitig Hilfe anbieten.“

Artikel enthält Affiliate Links
*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.