• Ozon: Experten warnen vor hoher Belastung durch das Gas
  • Erhöhte Werte können schädlich für die Gesundheit sein
  • Wetterexperte Jörg Kachelmann betont: Risikogruppen sollten Anstrengung vermeiden
  • Auswirkungen von Ozon auf den Körper: Diese Symptome können auftreten

Schon im Juli warnte der EU-Klimawandeldienst Copernicus angesichts der aktuellen Hitzewelle vor einer gesundheitsschädlich hohen Ozonbelastung in großen Teilen Europas. An extrem heißen Tagen könne es auch im Nordwesten zu Werten kommen, die als gefährlich für die Gesundheit gelten, wurde in einer Mitteilung des Monitoringdienstes für die Erdatmosphäre gewarnt. Doch was ist Ozon eigentlich und wie bedenklich ist die Belastung für uns?

Grenzwerte und Überwachung: Was ist Ozon?

Ozon ist ein farbloses und giftiges Gas, das aus drei Sauerstoffatomen besteht. In der Stratosphäre erfüllt es eine wichtige Aufgabe: Denn die sogenannte Ozonschicht schützt vor UV-Strahlung. Bei hohen Temperaturen und großer Hitze kann sich Ozon jedoch auch in Bodennähe bilden - und damit der Gesundheit schaden.

Der Ozonwert gibt an, wie hoch die Konzentration von Ozon auf einem Kubikmeter Luft im Mittel ist. Gemessen wird dabei in Mikrogramm. Gefährlich wird es ab 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, man spricht dabei vom sogenannten "Informationsschwellenwert". Wird dieser im Ein-Stunden-Mittel erreicht oder sogar überschritten, "werden über die Medien Verhaltensempfehlungen an die Bevölkerung gegeben", schreibt das Umweltbundesamt.

Dafür ist in Franken und in ganz Bayern das Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg zuständig. Das LfU informiert permanent über die aktuellen Ozonwerte und ist für die Überwachung der Zahlen zuständig. Wichtig sind dabei zwei Schwellenwerte: "Bei 180 Mikrogramm pro Kubikmeter im Stundenmittel müssen die Behörden über den Wert informieren, bei 240 Mikrogramm pro Kubikmeter wird die Alarmschwelle überschritten", erklärt der Bayerische Rundfunk.

So schädlich sind hohe Ozonwerte für Risikogruppen

Tatsächlich führt ein zu hoher Ozonwert schnell zu gesundheitlichen Beschwerden. Neben Babys, Kleinkindern und Älteren gehören auch Menschen mit Lungenproblemen zu den Risikogruppen - beispielsweise Asthmatiker oder Personen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Diese Personen sollten ab dem Schwellenwert von 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft im Stundenmittel ungewohnte oder schwere Anstrengungen im Freien vermeiden.

Vor allem in südeuropäischen Ländern wie Portugal, Spanien und Italien seien bereits Werte von mehr als 200 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen worden. Das gilt als deutlich zu hoch für die Bevölkerung und Natur. Dem Umweltbundesamt zufolge kann eine zu hohe Ozonkonzentration etwa zu Kopfschmerzen, Husten oder Tränenreiz führen. Bei körperlicher Anstrengung kann das Ozon auch tief in die Lunge vordringen und dort Gewebe schädigen und Entzündungen hervorrufen.

In Franken ermittelten die Messstellen in Aschaffenburg und Kleinwallstadt zuletzt einen Wert von mindestens 180 Mikrogramm/m³ im Stundenmittel, die Höchstwerte lagen bei 223 (Stand vom 20. Juli 2022). "Die möglichen Auswirkungen einer sehr hohen Ozonbelastung auf die menschliche Gesundheit kann sowohl im Blick auf Atemwegs- als auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen beträchtlich sein", betont Mark Parrington vom Copernicus-Monitoring-Dienst.

Ozon-Gefahr für Kinder und Jugendliche: Wetterexperte Kachelmann warnt

Auch der Wetterexperte Jörg Kachelmann warnte bereits mehrfach vor den Risiken einer zu hohen Ozonkonzentration: "Kinder und Jugendliche sollten sich in den Sonne- und Hitzegebieten keinesfalls draußen anstrengen", schrieb er beispielsweise am 19. Juli auf Twitter. Dazu lieferte er die Begründung, dass die hohen Ozonwerte bleibende Lungenschäden hervorrufen können.

Aber auch Erwachsene sollten bei extremen Ozonwerten körperliche Anstrengungen an der frischen Luft vermeiden: "Heute draußen Joggen ist wie eine Stange Zigaretten rauchen an einem Tag", so Kachelmann, der wenig später anfügte: "Bei den aktuellen Ozonwerten von an die 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gibt es teils irreversible Schäden vor allem für Asthmatiker, Kinder/Heranwachsende und alte Menschen." Es war nicht das erste Mal, dass sich Kachelmann kritisch zur aktuellen Wetterlage äußert: Vor kurzem bezeichnete er medial verbreitete Handlungsempfehlungen für heiße Sommerperioden als "aktive Sterbehilfe".

Zu den typischen Symptomen bei hoher Ozonkonzentration gehören tränende Augen, Husten und auch Kopfschmerzen. Zudem nimmt die Leistungsfähigkeit ab, was an der eingeschränkten Lungenfunktion liegt. Aus diesem Grund sollten an solchen Tagen sportliche Aktivitäten oder schwere körperliche Arbeit auf die frühen Morgenstunden verlegt werden - zu dieser Tageszeit sind die Ozonwerte am niedrigsten. Sobald die Belastung abnimmt, verschwinden die Symptome im Normalfall wieder.

Die höchsten Ozonwerte werden übrigens meist nicht etwa in Innenstädten gemessen, sondern am Stadtrand: Zwar fördern Autoabgase die Entstehung von Ozon, gleichzeitig baut das aus den Autos ausgestoßene Stickstoffmonoxid dieses auch wieder ab.

Weniger Extremwerte, aber ansteigender Trend: Forscher warnen vor Waldbränden

Daten des LfU zeigen, dass die mittlere Ozonbelastung zunehmend steigt - auch in Bayern und besonders in den vergangenen zehn Jahren. Auffällig daran ist, dass dieser Trend an drei ganz unterschiedlichen Orten besonders ausgeprägt ist: am Rand der Stadt Kelheim, am Münchner Stachus sowie an der Messstation Tiefenbach/Altenschneeberg.

Selbstkühlende Sommerdecke für heiße Tage bei Amazon ansehen

Problematisch daran ist, dass die hohe Ozonbelastung sowohl Menschen als auch Tieren und der Natur schadet. So warnen die Copernicus-Forscher vor weiteren Waldbränden, wie sie in vielen Ländern Südeuropas bereits enormen Schaden angerichtet haben. In großen Teilen Westeuropas sehe man eine "extreme", in einigen Teilen sogar eine "sehr extreme Brandgefahr". Tatsächlich ist Hitze an sich nie ein Auslöser für Waldbrände. Aber: Lang anhaltende Hitze kann laut Wissenschaftlern die Verdunstung von Wasser fördern und in Verbindung mit ausgedehnten Trockenperioden die Entstehung und Ausbreitung von Bränden begünstigen.

Immerhin: Extrem hohe Ozonwerte kamen zuletzt seltener vor, 2021 wurde die Informationsschwelle von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter kein einziges Mal überschritten. Auch wurde "die zulässige Überschreitungszahl von 25 Tagen beim Zielwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit an allen Messstationen deutlich eingehalten", schreibt das LfU in seinem Lufthygienischen Jahresbericht von 2021.

Auch interessant: Extreme Hitze: Was machen die hohen Temperaturen mit deinem Körper?

Artikel enthält Affiliate Links

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn du auf einen dieser Links klickst bzw. darüber einkaufst, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.