• Gesetzgebung im Mittelalter
  • Wann wurde man zum Tode verurteilt?
  • Gab es Unterschiede zwischen den Ständen?
  • Welche waren die schlimmsten Hinrichtungsmethoden?

Von einer Gesetzgebung, wie wir sie heute kennen, war man im Mittelalter weit entfernt. Bis ins 13. Jahrhundert basierte die Rechtsprechung auf Gewohnheitsrecht. So wie es früher gemacht wurde, so wurde es auch weiter gemacht. Erst nach und nach wurden Verfahren und Vorgehensweisen schriftlich fixiert und vereinheitlicht. Doch wie wurde in dieser Zeit Recht gesprochen und wie wurden die Strafen festgelegt? Welche Verbrechen wurden mit dem Tode bestraft und wie wurde die Hinrichtungsart bestimmt?

Rechtsprechung und Urteile

Wie wurde nun also "Recht" gesprochen? Staatsanwälte, Richter und Rechtsanwälte gab es nicht. Unterschieden wurde zwischen der hohen und der niederen Gerichtsbarkeit. Während bei der hohen Gerichtsbarkeit Grafen Recht sprachen, waren es bei der niederen die Grundherren. Die Unterschiede ergaben sich aus den Straftaten.

Bei der hohen Gerichtsbarkeit wurde über schwerwiegende Fälle entschieden, wie z.B. heimtückischer Mord, Herstellung von Falschgeld, Hochverrat, etc. Dazu wurde ein Blutrichter bestimmt, der über Folter, Leben und Tod entschied. Strafwürdig waren nach dem mittelalterlichen Weltbild auch Dinge wie Hexerei, Gotteslästerung und Ehebruch. Bei der niederen Gerichtsbarkeit wurde über Eigentumsdelikte, Erbstreitigkeiten, Körperverletzung, Beleidigungen usw. entschieden. Gerichtsverhandlungen beruhten meist auf Zeugenaussagen oder anderen "Beweisen", deren Herkunft oft nicht geprüft wurde.

Zeugen wurde oft gekauft, auch Beweise entsprechend gefälscht, sodass das Recht größtenteils auf der Seite der Reichen war. Oft wurde auch, um Recht zu sprechen oder eine wie auch immer geartete Wahrheit zu erfahren, ein Gottesurteil oder die Folter angewandt. Gerade bei Hexenprozessen war das Gottesurteil eine Methode, um festzustellen, ob Hexerei vorlag. Der oder die Angeklagte wurde gefesselt ins Wasser geworfen. Schwamm er oder sie oben, hatte der Teufel die Hand im Spiel, ergo wurde ein Schuldspruch gefällt. Ging der oder die Beklagte unter, so war von der Unschuld auszugehen. Allerdings konnte es dann passieren, dass der oder die Beklagte ertrank, bevor man ihn oder sie aus dem Wasser ziehen konnte.

Folter als Mittel für "Geständnisse"

Auch Folter war üblich, um ein Geständnis zu erhalten. Hier reichte die Bandbreite von Daumenschrauben über die Streckbank bis hin zu allerlei Möglichkeiten, um den Delinquenten oder die Delinquentin zum Reden zu bringen. Wie man sich unschwer vorstellen kann, wird irgendwann jeder alles gestehen, um der Qual ein Ende zu setzen. Es lag am Fragensteller, ob er einem glaubte. 

Die Strafen, die zu jener Zeit verhängt wurden, unterscheiden sich massiv von den heute zur Anwendung kommenden. Freiheitsstrafen, also Gefängnis, wurde zu jener Zeit selten angewendet. Meist bestand diese dann aus Verbannung aus dem Territorium oder der Verpflichtung, in ein Kloster zu gehen, auch Geldstrafen waren eher unüblich.

In der Hauptsache gab es Ehrenstrafen oder Körperstrafen. Ehrenstrafen waren beispielsweise der Pranger, der Schandpfahl oder die Halsgeige. Diese Strafen dienten in der Hauptsache der Demütigung. Die Körperstrafen hingegen dienten der Spiegelung der Taten und richteten sich nach der Schwere der Taten. Das reichte über Prügelstrafen, Brandmarken, das Abschneiden von Ohren oder Nase, Fingern oder Händen bis hin zur Blendung. Auch hierbei konnte es durch die mangelnde Wundversorgung durchaus am Ende zu Todesfällen kommen.

Die grausamsten Hinrichtungsmethoden

Die Hinrichtungsmethoden im Mittelalter spiegelten oft die Schwere der Tat wider und sollten auch der Abschreckung dienen. Es ist allerdings zu bedenken, dass das Rechtsempfinden anders als heute war. Während heimtückischer Mord zwangsläufig die Todesstrafe nach sich zog, konnte man auch für Hochverrat, Sodomie oder Hexerei zum Tode verurteilt werden. Hinrichtungen wurden in der Regel öffentlich vollzogen. Doch was waren die brutalsten und grausamsten Methoden?

  • Enthaupten: Hier gab es zwei Arten. Bei der einen kniete der Delinquent vor einem Richtblock, der Kopf auf ihn gelegt und der Henker schlug mit einer Axt den Kopf ab. War der Henker kein Meister seines Fachs, so konnte es geschehen, dass die ersten Schläge nicht den Hals trafen, sondern die Schulter und der Delinquent bei vollem Bewusstsein rasende Schmerzen ertragen musste. Auch bei der zweiten Art, bei der man kniete, der Oberkörper aufgerichtet, und der Henker mit einem Schwert den Kopf abschlug, konnte es geschehen, dass er nicht richtig traf. Hier dauerte der Todeskampf mehrere Minuten. 
  • Rädern: Hierbei gab es regionale Unterschiede. In den meisten Fällen wurden dem Delinquenten die Arm- und Beinknochen gebrochen, sodass man diese durch die Speichen des Rades fädeln konnte. Als Letztes zerschlug man mit einem zweiten Rad den Brustkorb, dass die Rippen brachen. Ein gnädiger Henker führte dabei den Schlag so aus, dass das Herz dabei durch die gebrochenen Rippen durchstochen wurde und der Verurteilte dadurch starb. Danach wurde das Rad auf einen Pfahl gesetzt und der Verurteilte der Natur überlassen. Das Wetter und hungrige Vögel erledigten dann den Rest. Der Todeskampf konnte durchaus mehrere Tage dauern.
  • Sieden: Unter Heinrich VIII wurde ein Gesetz erlassen, nach welchem Giftmörder auf diese Weise hingerichtet wurden. Der Verurteilte wurde in einen Kessel mit Wasser gesetzt, unter dem ein Feuer entzündet wurde, und dann zu Tode gekocht.
  • Gehenkt, geschleift und gevierteilt: Eine Methode, die in England wegen Hochverrats gegen die Krone bei Verurteilten angewandt wurde. Zuerst wurde der Verurteilte gehängt, aber kurz vor Todeseintritt wieder herabgelassen. Das konnte durchaus mehrmals geschehen. Dann wurden ihm bei lebendigem Leib die Därme herausgerissen, anschließend band man Arme und Beine an vier Pferde, die dann angetrieben wurden. Das Opfer starb unter entsetzlichen Qualen an Blutverlust und Schock.
  • Zersägen: Der Delinquent wurde kopfüber nackt zwischen zwei Pfähle mit gespreizten Beinen aufgehängt, dann wurde er mittels einer langen Säge, angefangen vom Schambein, durchgesägt. Durch die Position strömte das Blut länger in den Kopf und der Delinquent erlebte so länger die entsetzlichen Schmerzen.
  • Lebendig begraben/einmauern: Eine Strafe, die in der Hauptsache bei Ehebrecherinnen angewandt wurde. Bei vollem Bewusstsein wurde man begraben oder hinter Mauern eingemauert. Der Tod trat meist durch Verdursten und Verhungern ein.
  • Verbrennen: Diese Hinrichtungsmethode war vor allem während der Zeit der Inquisition sehr stark verbreitet und wurde hauptsächlich bei Hexen, vermeintlichen Zauberern oder Ketzern angewandt. Dabei wurde der Delinquent an einen Pfahl auf einem Scheiterhaufen gebunden, das Holz wurde in Brand gesetzt und der oder die Verurteilte wurde bei lebendigem Leib verbrannt. Dies sollte vor allem dazu dienen, die Seele zu läutern. Eine Abwandlung ist das Köhlern, das zumeist bei den Landsknechten angewandt wurde. Hier wurden feindliche Soldaten an einem Pfahl über glühende Kohlen angebunden. Dabei schmorten erst die Füße weg, sodass der Todeskandidat das eigene verschmorte Fleisch riechen konnte.

Wen traf es? Konnte man der Todesstrafe entkommen und wer vollstreckte sie?

Treffen konnte es beinahe jeden. Vor allem während der Inquisition war niemand sicher, es reichte aus, wenn man beschuldigt wurde, ein Ketzer zu sein. Unterschieden wurde im Grunde genommen nur nach Stand. Den Adligen war das Köpfen mit dem Schwert vorbehalten, das "gemeine Volk" hingegen wurde mit der Axt geköpft oder aufgehängt. Oft wurden die Urteile durch die Geschädigten durchgeführt, auch eine Art Gemeinschaftshinrichtung war der Fall, vor allem bei der Steinigung.

Erst später wurden Henker für die Hinrichtung bestellt und bezahlt, doch waren diese im minderen Stand. Das heißt, sie durften in der Kirche nur hinten stehen, auch im Wirtshaus war er nicht gern gesehen. Heiraten durfte er auch nur eine Frau aus niederem Stand, also die Tochter eines Abdeckers oder anderen Henkers. Misslang ihm eine Hinrichtung, wie beispielsweise das Köpfen, konnte es vorkommen, dass er sich selbst auf dem Richtblock wiederfand. 

Konnte man der Todesstrafe noch entkommen? Eine Möglichkeit war, wenn der Henker eine Frau, die zum Tode verurteilt war, als seine Ehefrau nahm. Allerdings heißt es, dass viele Frauen dann doch den Tod vorzogen. Eine andere Möglichkeit war, je nach Schwere des Verbrechens, dass durch die Fürsprache einer hochgestellten Persönlichkeit ein Gnadenerweis erwirkt wurde. Dann konnte die Todesstrafe in Blendung, Vermönchung oder Strafpilgerschaft umgewandelt werden. Für den Eintritt in ein Kloster bedurfte es allerdings auch der Fürsprache des Abtes, der gewillt war, den Delinquenten aufzunehmen. Es hat oft den Anschein, dass man bestrebt war, immer grausamere Hinrichtungsarten zu finden. Ob diese letztlich dazu führten, dass die Verbrechensquote sank, sei dahingestellt.