München

Was tun bei einem Wildunfall? So verhalten sich Autofahrer richtig

Besonders bei schlechter Sicht in der Morgen- und Abenddämmerung kommt es zu vielen Wildunfällen. Eine Frage, die sich Autofahrer in dem Zusammenhang immer wieder stellen: Wann darf ich einem Tier überhaupt ausweichen und bin wer ist Schuld, wenn dadurch ein Folgeunfall entsteht?
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In Deutschland kommt es zu etlichen Wildunfällen -doch viele Autofahrer sind unsicher, wie sie sich bei einem Wildunfall  korrekt verhalten.   Symbolfoto: U. J. Alexander/Adobe Stock
In Deutschland kommt es zu etlichen Wildunfällen -doch viele Autofahrer sind unsicher, wie sie sich bei einem Wildunfall korrekt verhalten. Symbolfoto: U. J. Alexander/Adobe Stock

Zwei helle Punkte, die immer näher kommen: Wildtiere, die auf oder dicht neben der Straße stehen, sind in der Dunkelheit oft sehr schwer zu sehen. Häufig sieht man als Autofahrer nur ihre Augen leuchten und erkennt das Tier selbst sehr spät. Autofahrer haben in einem solchen Fall nur Sekunden, um zu entscheiden, was sie nun tun. Bremen, Ausweichen oder einfach Draufhalten? Dabei stellen sich auch weitere Fragen: Darf ich überhaupt bremsen und ausweichen - auch wenn ich so einen weiteren Unfall riskiere?

Wie verhalte ich mich bei einem Wildunfall: Bremsen, Ausweichen oder Draufhalten?

In Deutschland hat es in den Jahren 2016 und '17 laut einer Statistik des Deutschen Jagdverbands (DJV) 228.500 Wildunfälle gegeben. Die Hauptverursacher seien demnach Rehe, gefolgt von Wildschweinen. Diese Tiere sind groß genug, dass sie durch den Aufprall einen erheblichen Schaden an einem Auto anrichten könnten, schreibt der Versicher Signal Iduna in einer Ausgabe der Fachzeitschrift ikz-Praxis. Deshalb sei hier ein Ausweichen legitim und sogar angebracht, allerdings birgt auch das Unfallgefahren: Durch riskante Ausweichmanöver kann das Fahrzeug ins Schleudern geraten, im Graben oder vor einem Baum landen. Auch können durchs Ausweichen Folgeunfälle entstehen.

Generell gilt: Menschenleben gehen vor Tierleben

Menschenleben seien in der Abwägung zwischen Bremsen, Ausweichen oder Draufhalten generell entscheidender als ein Tierleben. "Infolgedessen ist ein Bremsmanöver für Hase oder Eichhörnchen nur dann angesagt, wenn man sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet", heißt es in dem Artikel.

Eine Kollision komme laut einer Infobroschüre des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) trotzdem statistisch gesehen alle zweieinhalb Sekunden vor. Bis zu einer Geschwindigkeit von 80 km/h und einer Entfernung von 60 Metern zum Tier könnte das Fahrzeug noch zum Stehen gebracht und somit ein Aufprall verhindert werden. Bei Tempo 100 läge die Aufprallgeschwindigkeit noch bei rund 60 km/h.

Besonders Straßen, die durch den Wald oder entlang von unübersichtlichen Wald- und Feldrändern führen, seien unfallträchtig. Die meisten schweren Unfälle ereigneten sich auf Bundes- und Landstraßen, auf denen mit hoher Geschwindigkeit gefahren wird.

Wild auf der Straße: So verhalten Sie sich richtig

Grundsätzlich rät der ADAC, die Fahrgeschwindigkeit anzupassen und bremsbereit zu sein. Auf neu gebauten Straßen sei ebenfalls besondere Vorsicht geboten, da das Wild die gewohnten Wege nutzt. Wenn Wild auf der Straße steht, sollten Autofahrer das Licht abblenden, kontrolliert abbremsen und hupen, damit sich die Tiere erschrecken und flüchten. Doch Vorsicht: Auch weitere Tiere könnten plötzlich aus dem Wald laufen, um zu ihrer Herde zurückzukehren.

Abwägung zwischen riskantem Ausweichmanöver oder Aufprall

Wenn all diese Tipps nicht mehr durchführbar sind und ein Aufprall nicht mehr vermieden werden kann, sollten Autofahrer so stark wie möglich bremsen und zumindest kontrolliert auf das Tier treffen, sodass die Spur gehalten werden kann und man nicht in den Gegenverkehr gerät.

Ist ein Wildunfall bereits passiert, gibt es ebenfalls Ratschläge, wie sich Autofahrer verhalten sollten. Laut ADAC gelten in solch einem Fall im Prinzip dieselben Regeln wie bei einem normalen Verkehrsunfall, allerdings sollte das verletzte Tier auf der Straße auch für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar gemacht werden, zum Beispiel mit einer Warnweste oder einem Warndreieck.

Meldepflicht bei Wildunfällen

Tote Tiere sollten mit Handschuhen von der Fahrbahn entfernt werden. In vielen Bundesländern besteht eine Meldepflicht für Wildunfälle, also gilt es, entweder die Polizei oder den Jäger zu benachrichtigen. Für die Versicherung ist eine Bestätigung des Wildunfalls ebenfalls wichtig. Hierbei helfen auch Fotos und ein Unfallprotokoll der Polizei.

Auch wenn das Tier geflüchtet ist und das Fahrzeug keinen sichtbaren Schaden davongetragen hat, müssen Autofahrer den Unfall melden und die Unfallstelle für den Jäger, der gegebenenfalls nach dem geflüchteten Tier sucht, kenntlich machen.

Wildwarner-App mit Unfall-Service

Hilfreiche Tipps bei einem Wildunfall und Warnungen vor Gefahren bietet etwa die Wildwarner-App wuidi, die Sie im App Store oder im Google Play Store kostenlos herunterladen können.

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