Kronach
Sagen und Legenden

Verzauberte Mädchen, todbringende Hände und der Teufel: Sagenumwobene Orte im Frankenwald

Im nördlichsten Teil Frankens liegt der Frankenwald. Seit jeher ranken sich Sagen und Legenden um Ortschaften und Berge inmitten der fränkischen Wälder. Wir haben ein paar der besten Geschichten für Sie zusammengestellt.
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Rund um den Frankenwald gibt es einige Sagen und Legenden. Wie zum Beispiel die vom Teufel im Höllental. Symbolbild: pixabay.com,/MakyFoto
Rund um den Frankenwald gibt es einige Sagen und Legenden. Wie zum Beispiel die vom Teufel im Höllental. Symbolbild: pixabay.com,/MakyFoto

Eine Sage, in Franken oder anderswo, ist eine kurze Erzählung von Ereignissen, die auf mündlicher Überlieferung basiert. Meist werden derartige Geschichten von Generation zu Generation weitergegeben, bis sie letztendlich aufgeschrieben werden. Da Sagen oft mit realen Personen oder Orten in Verbindung stehen, ist es meist schwer zu sagen, wie viel Wahres in ihnen steckt. Wir haben einige spannende Sagen für Sie zusammengestellt, die rund um den Frankenwald kursieren. Aber Vorsicht: Manche davon kommen mit Gänsehaut-Garantie.

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Döbra: Das verzauberte Ritterfräulein

Ein junger Knecht hütete im Spätherbst auf dem Döbra, dem höchsten Berg des Frankenwaldes, eine Schafherde. Da kam ein feines Fräulein in ganz alter Rittertracht auf ihn zu bat ihn, ihm zu folgen und alles zu tun, was es von ihm verlangte. Er sagte zu und folgte ihm durch das Dickicht in eine Höhle.

Da sprach das Ritterfräulein zu ihm: "Ich bin von einem bösen Zauber hier festgehalten. Es soll dein Schaden nicht sein, wenn du mich von ihm erlöst. Habe Mut! Wir kommen jetzt an ein Tor. Das kannst du öffnen, wenn du von dem davorstehenden Rosenstock eine Knospe brichst und in das Schlüsselloch steckst. Sie feit dich auch vor aller Gefahr. Doch lass sie nicht aus der Hand! Hinter dem Tore ist ein Gewölbe voller Gold und Edelsteine. Auch sitzen zwei Löwen darinnen. Halt ihnen die Rosenknospe entgegen, und sie vermögen dir nichts zu tun. Von den Kostbarkeiten musst du dir zwei Hände voll nehmen, ja nicht mehr! Dann musst du aus der Höhle gehen, den Rosenstock vor dem Tore ausreißen und in die Quelle am Hang setzen, dann hast du mich erlöst!"

Der Bursch tat zunächst, wie ihm geheißen. Doch als er mit der rechten Hand in den Schätzen wühlte, wurde er von ihnen betört und griff auch noch mit der linken Hand hinein. Dabei fiel ihm die Rosenknospe herunter und war verschwunden. Sogleich gingen die beiden Löwen, die bisher im Hintergrund der Höhle lauernd hin- und hergegangen waren, brüllend und zähnefletschend auf ihn los. Die Furcht übermannte ihn. Er stürzte aus der Höhle. Da rief ihm das Fräulein ängstlich nach: "Den Rosenstock! Den Rosenstock!" Er aber hörte nicht. Die Tore schlugen mit dem Donnergepolter zu, und das Ritterfräulein muss wieder hundert Jahre auf einen Erlöser warten.

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Selbitztal: Wie das Höllental zu seinem Namen kam

Ein Kohlenbrenner aus der Thiemitz brachte eine große Fuhre Holzkohlen nach dem Blechschmiedenhammer. Er hatte gutes Geld dafür eingenommen und machte sich einen schönen Tag. Erst als es duster wurde, dachte er an die Heimfahrt. Sein Wagen war mit allerlei Werkzeugstücken, mit Hacken, Beilen, Sägen und Radschuhen beladen, die er für sich und seine Nachbarn im Hammer besorgen musste. Der Weg führte durch das Selbitztal. Er war in schlechtem Zustand, und die Pferde konnten nur im Schritt gehen.

Auf einmal blieben sie stehen, fingen an zu bocken und wollten nicht mehr von der Stelle. Der Köhler stieg ab, klopfte den Pferden den Hals und nahm sie am Kopfgestell. "Hüh! Schimmel, hüh!", schrie er. "Hüh! Hüh!" Die Pferde aber standen wie die Stöcke. Keinen Schritt ging es vorwärts. "Was zum Teufel soll denn da los sein", dachte der Kohlenbrenner. Es war ihm selber nicht ganz geheuer zumute. Die linke Hand langte nach dem Geldgurt, die rechte nach einer Axt. Mit zagem Schritt stellte er sich vor seine Pferde und rief: "Hallo, wer ist da?" Gespannt horchte er in die Nacht. "... ist da?" kam das Echo zurück. Er rief ein zweites und ein drittes Mal. Wieder keine Antwort. Nur das Rauschen der Selbitz unterbrach die Stille.

Auf einmal schreckten die Pferde zurück. Es krachte im Geäste der riesenhaften Fichten und vom Felsen am Wege rief eine gräuliche Stimme: "Der Tag für Dich, die Nacht für mich!"

"Der Teufel", dachte der Köhler. Die Haare standen ihm zu Berge, und eiskalt lief es ihm über Nacken und Rücken. Er aber raffte sich zusammen und schrie zum Felsen hinauf: "Senn doch Maria und Josef und es Jesuskindla a bei der Nocht garast und kann hout ihna wos gato!" Dann schlug er drei Kreuzzeichen in die Luft. Das war selbst dem Teufel zu starker Tobak. Rasend vor Wut stampfte er den Felsen, dass die Brocken stieben, und mit Krachen und Gestank fuhr er durch die Talschlucht in die Hölle hinab. Als der Spuk vorüber war, fuhr der Köhler ungestört seines Weges.

Seit jener Zeit heißt das Selbitztal an dieser Stelle Höllental und Teufelsfelsen, Teufelstreppe beziehungsweise Teufelssteg erinnern an diese schaurige Geschichte.

Rathaus Mitwitz: Der wilde Mann

Das Mitwitzer Rathaus war früher ein beliebtes und weithin bekanntes Wirtshaus. Es hieß "Zum Wilden Mann" und gehörte Hans Veit von Würzburg, dem damaligen Herren von Mitwitz. Wie aber kam die herrschaftliche Schenkstatt zu ihrem Namen?

Hans Veit war ein fröhlicher, humorvoller, manchmal übermütiger und stets trinkfester junger Mann. Eines Tages besuchte er Coburg. Nachdem er seine Einkäufe erledigt hatte, begab er sich, um seinen großen Durst zu löschen, in eine gemütliche Wirtschaft. Er befand sich schon bald in lustiger Gesellschaft und zechte bis tief in die Nacht hinein. Nachdem er so manchen Humpen süffigen Bieres geleert hatte, war er arg betrunken. Mit schwankenden Beinen verließ er das Lokal und begann Händel mit Coburger Bürgern. Als er davon genug hatte, wollte er - etwas angeschlagen und dennoch frohen Mutes - nach Hause reiten. Aber er kam nur bis zum Stadttor.

Die Wachen hielten ihn auf und verweigerten ihm den Heimritt. Das ließ sich der Herr von Mitwitz nicht gefallen. Er zog seinen Degen, um sich mit Gewalt den Fortgang zu erzwingen. Dabei verwundete er einen Wachsoldaten. Hans Veit wurde bei der wilden Schlägerei an der Hand verletzt. Schließlich wurde der Raufbold überwältigt und hinter Gitter gebracht. Später wurde er dem Kanzler vorgeführt. Doch der Mitwitzer entschuldigte sich nicht. Das war nicht seine Art. Stattdessen schlug er die Wohnung des Coburgers kurz und klein, worauf der Kanzler krank wurde. Einem anderen verabreichte er noch eine feste Maulschelle.

Mit Hilfe der Coburger Bürgerschaft wurde Hans Veit aber dingfest gemacht und wieder ins Gefängnis geworfen. 600 Taler Geldstrafe sollte der Mitwitzer aufbringen, den angerichteten Schaden begleichen und sich beim Kanzler entschuldigen. Erst dann, so meinten die Coburger, wolle man ihm seinen üblen Streich verzeihen. Gesagt - getan! Hans Veit brachte die Angelegenheit in Ordnung. Nachdem er seine Freiheit wiedererlangt hatte, ritt er schnellen Schrittes nach Mitwitz zurück, kehrte in sein herrschaftliches Gasthaus ein und nannte es von nun an "Zum Wilden Mann".

Helmbrechts: Die schwarze Hand

Auf der Höhe unweit des Dorfes Lehsten hütete einst ein Mädchen Gänse. Es saß an einem Feldrand und blickte gedankenlos in die Ferne. Da war ihm plötzlich zumute als ob es am Rücken berührt würde Erschreckt drehte es sich um und sah eine schwarze Hand, die sich aus dem Boden streckte und nach ihm langte. Das Kind lief nach Hause und erzählte dieses Erlebnis seinen Eltern. Der Vater aber schalt es und schenkte den Worten keinen Glauben. Dennoch wollte er sich überzeugen und begab sich mit seiner Tochter an die von ihr erwähnte Stelle.

In der Nähe des Weideplatzes hielt das Mädchen plötzlich inne, zeigte in eine bestimmte Richtung und keuchte: "Vater, dort ist die schwarze Hand. Sie kommt aus dem Boden. Und jetzt ist´s gar ein schwarzer Mann. Er kommt auf mich zu! Der Vater aber sah nichts. Das Kind wurde immer ängstlicher zitterte am ganzen Körper und hielt beide Hände vor sich, als wolle es jemand abwehren. Dann sank es leblos zu Boden. Immer, wenn ein Unglück naht, treibt das Mädchen seine Gänse über die Felder. Gar viele wollen es schon gesehen haben.

Burg Lauenstein : Die Mantelburg

Im Volksmund wird Burg Lauenstein häufig als "Mantelburg" bezeichnet. Dieser Name beruht auf der Gründungslegende der Burg, die bereits um das Jahr 915 von König Konrad I. errichtet worden sein soll, um die Grenzen seines Reiches nach Norden hin abzusichern. Ursprünglich sollte das Bauwerk auf dem südöstlich von Lauenstein gelegenen Schwarzen Berg entstehen, was jedoch am Eingreifen dunkler Mächte scheiterte: Jede Nacht wurden die am Tag zuvor errichteten Mauern wieder zerstört. Der Bau gelang erst, als Konrad dem Rat eines weisen Einsiedlers folgte, den Bauplatz an den heutigen Standort der Burg verlegte und ihn zum Schutz vor den dunklen Mächten mit seinem in Streifen geschnittenen Königsmantel umgab.

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