• Lidl ruft eine Reihe an Produkten mit Hanf zurück 
  • "Cannabis-Cookies", Tee, Öl und Riegel enthalten laut Discounter zu viel THC
  • Stimmungsschwankungen und Müdigkeit könnten die Folge bei Verzehr sein
  • Fachverband kritisiert Rückruf und Grenzwerte für THC - "unnötig niedrig"

Mehrere Hanfprodukte werden beim Discounter Lidl aus den Regalen genommen. Das Unternehmen teilte mit, dass insgesamt sechs Produkte von unterschiedlichen Herstellern zurückgerufen werden, von Haschkeksen über Hanftee bis zu Bio-Hanföl. Alle betroffenen Lebensmittel enthalten einen höheren Anteil einer Substanz als gedacht: Tetrahydrocannabinol (THC).

Lidl ruft mehrere Hanf-Produkte zurück: THC-Gehalt zu hoch 

Die folgenden Produkte sind betroffen:

  • Vom tschechischen Hersteller Euphoria Trade (alle Mindesthaltbarkeitsdaten betroffen):
    • Mary & Juana - Premium Cannabis Cookies (Chocolate, Classic, Cranberry, Hash)
    • Euphoria - Tea of mind Cannabis Tea
    • Euphoria - Raw Cannabis Protein Bar Apple

  • Vom slowenischen Hersteller Mogota
    • Mogota Hanftee, Mindesthaltbarkeitsdatum: 31.12.2022

  • Vom Hersteller Hermann PF Getränke GmbH:
    • Solevita Hanf Tee 0,75 Liter, Mindesthaltbarkeitsdatum: 12.07.2022 und 13.07.2022

  • Vom Hersteller P. Brändle GmbH:
    • Vita D’or Bio Hanföl kaltgepresst 250 ml

Vom Verzehr der Produkte wird abgeraten. Der erhöhte THC-Gehalt könne laut Herstellern unerwünschte gesundheitliche Folgen mit sich bringen, wie etwa Stimmungsschwankungen und Müdigkeit. Kunden sollten den Rückruf daher "unbedingt beachten" und die Lebensmittel nicht verzehren.

Kunden können die betroffenen Produkte in allen Lidl-Fillialen zurückgeben. Der Kaufpreis wird auch ohne Vorlage des Kassenbon zurückerstattet.

Der Europäische Fachverband der Hanfindustrie (EIHA) hat sich nun zu dem großen Rückruf geäußert. Zwar habe man großes Verständnis für konsequenten Verbraucherschutz, diese aktuelle Rückrufaktion könne der Verband aber nicht nachvollziehen.

Experten mit heftiger Kritik:  "High" werden sei gar nicht möglich 

"Der Rückruf betrifft unter anderem Hanfsamenöl, ein sicheres und bei Verbrauchern beliebtes Öl mit wertvollen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Die Überprüfung wird zeigen, dass auch dieses Hanfsamenöl nicht berauschend wirkt und verkehrsfähig ist", erklärt Daniel Kruse, Präsident der EIHA.

Der Fachverband kritisierte zudem die Richtwerte für THC sowohl in Deutschland als auch ganz Europa. Einen definierten Grenzwert für die Aufnahme von THC über Nahrung gibt es in Deutschland nicht, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt jedoch Richtwerte vor. Diese seien für verzehrfertige Produkte und "unnötig niedrig". Zudem gelten die Richtwerte für "Gesamt-THC", was die nicht berauschende THC-Säure wie auch das psychoaktive Delta-9-THC umfasst.

Ein weiterer Richtwert, auf den das BfR mittlerweile verweist, ist der empfohlene Einnahmewert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Laut EIHA sei dieser veraltet und beziehe sich ausschließlich auf das psychoaktive Delta-9-THC. "Selbst auf Basis dieser beiden veralteten Empfehlungswerte steht der Verkehrsfähigkeit und der Produktsicherheit von Hanfsamenöl nichts entgegen", heißt es vonseiten des Fachverbandes.

EIHA-Präsident Kruse verdeutlichte dies am Beispiel des Hanföls: "Um auch nur ansatzweise in den Bereich von unerwünschten milden Wirkungen zu gelangen, müssten sie mehr als eineinhalb Liter dieses Speiseöls konsumieren. Falls sie diese Menge Öl trinken, dürften ihre Stimmungsschwankungen eher daher rühren, dass sie den Gang zur Toilette antreten müssen." Der Verband sieht den Lidl-Rückruf nun umso mehr als Anlass, einen europaweit einheitlichen und wissenschaftlich fundierten THC-Grenzwert einzuführen. "Diese völlig unnötigen Verunsicherungen, wie wir sie aktuell sehen, müssen dringend aufhören", fordert Lorenza Romanese, Geschäftsführerin der EIHA.