Derzeit läuft ein großer Eiscreme-Rückruf in weiten Teilen Europas, wie bereits am Freitag (06. August 2021) über presseportal.de berichtet wurde. Der Rückruf macht besonders hellhörig, da europaweit reagiert wird, nur bislang nicht in Deutschland. Eine Recherche der Verbraucherorganisation "foodwatch" hat ergeben, dass der Hersteller Mars aufgrund eines nachgewiesenen krebserregenden Inhaltsstoffes gewisse Produktionschargen Speiseeis zurückruft - nur in Deutschland blieb das Eis in den Truhen liegen und wurde weiterhin verkauft. Nun reagiert die Mars GmbH allerdings, wie aus einer Pressemitteilung von Dienstag (10. August 2021) hervorgeht und ruft auch in Deutschland diverse Eis-Sorten zurück. Für Verbraucher würde laut Mars zwar kein Risiko bestehen, doch um nicht weiterhin für Verunsicherung zu sorgen, würden die entsprechenden Chargen nun auch in Deutschland aus den Regalen genommen, heißt es. 

Laut foodwatch können die Produkte, die beispielsweise in Österreich und Rumänien seit Längerem öffentlich zurückgerufen werden, mit dem krebserregendem Stoff Ethylenoxid verunreinigt sein. Bei den Produkten handelt es sich um Chargen des Snickers-Eis von Mars. Am Mittwoch (04. August 2021) entdeckte foodwatch bei mehreren deutschen Einzelhändlern noch genau die Chargen Snickers-Eis, die seit Mitte Juli 2021 auch in Schweden zurückgerufen wurden, weshalb die Organisation öffentlich an der Mars GmbH Kritik übte. 

Europaweiter Eis-Rückruf wegen krebserregender Inhaltsstoffe - jetzt auch in Deutschland

In Deutschland wurden nach Angaben der Organisation die betroffenen Chargen noch weiterhin vertrieben. "Der Konsumentenservice von Mars Austria bestätigte zudem telefonisch gegenüber foodwatch, dass die in Deutschland vertriebenen Eis-Produkte auch in Österreich zurückgerufen wurden", heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. foodwatch hatte zudem Mars Deutschland am Donnerstag (29. Juli 2021) um Aufklärung gebeten, jedoch bis dato keine Auskunft erhalten.

"Krebserregende Stoffe haben in unserem Essen nichts verloren. Es ist inakzeptabel, dass Mars die Menschen in anderen Ländern besser schützt als in Deutschland. Mars schuldet der Öffentlichkeit eine Erklärung, weshalb die Produkte in Deutschland nicht schon längst zurückgerufen wurden", sagte Oliver Huizinga, Kampagnendirektor bei foodwatch. Auf den wohl entstandenen öffentlichen Druck reagierte die Mars GmbH nun mit einem Eis-Rückruf auch in Deutschland. Nach Angaben einer Pressemitteilung der GmbH wird allerdings nicht nur das Snickers-Eis aufgrund von krebserregenden Stoffen zurückgerufen, sondern auch noch viele weitere. Hier betont des Herstellers jedoch: 

"Wir wurden von einem Lieferanten über Spuren von Ethylenoxid (ETO) in einer für unsere Eiscremefabrik in Frankreich gelieferten Produktzutat informiert. Der Verzehr der betroffenen Produkte ist nicht schädlich: Wir verwenden nur eine sehr geringe Menge der Zutat (Johannisbrotkernmehl) in unseren Eiscreme-Rezepturen. Daher ist der Gehalt an ETO in den fertigen Eiscreme-Produkten minimal. Johannisbrotkernmehl macht weniger als ein halbes Prozent der Eis-Rezepturen der betroffenen Eis-Produkte aus. Der mögliche Anteil von ETO im fertigen Eis-Produkt liegt damit bei wenigen Teilchen pro Milliarde. Diese geringe Konzentration stellt kein Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher dar. Nach einer umfassenden Untersuchung haben wir für Deutschland zunächst entschieden, die Produkte nicht aus dem Verkauf zu nehmen, da die betroffenen Eiscreme-Produkte sicher für den Verzehr sind. Als Unternehmen folgen wir in jedem EU-Mitgliedsland der Empfehlung der jeweils verantwortlichen Behörde. Für Deutschland liegt bisher keine einheitliche Bewertung der zuständigen Behörden der 16 Bundesländer vor, deren Einschätzung hier maßgeblich ist. Um der Verunsicherung von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu begegnen, haben wir entschieden, dass ein freiwilliger Rückruf der Produkte die beste Vorgehensweise ist."

Snickers, Twix, Bounty: Diese Eis-Sorten werden zurückgerufen

Zurückgerufen werden folgende Eis-Sorten der Mars GmbH: 

  • SNICKERS Ice cream bar, 6-Pack Box EAN/ GTIN: 5000159344081 Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.10.2022; 30.11.2022; 31.01.2023; 28.02.2023; 31.03.2023; 30.04.2023
  • SNICKERS Ice cream bar, Single EAN/ GTIN: 5000159460873 Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.10.2022; 30.11.2022; 31.12.2022; 31.01.2023; 31.03.2023; 30.04.2023
  • SNICKERS CRISP Ice cream bar, 6-Pack Box EAN/ GTIN: 5000159526074 Mindesthaltbarkeitsdaten: 30.11.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 30.04.2023
  • SNICKERS CRISP Ice cream bar, Single EAN/ GTIN: 5000159526128 Mindesthaltbarkeitsdaten: 30.11.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 30.04.2023
  • SNICKERS WHITE Ice cream bar, 6-Pack Box EAN/ GTIN: 5000159509626 Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.12.2022; 28.02.2023; 31.03.2023
  • SNICKERS WHITE Ice cream bar, Single EAN/ GTIN: 5000159509664 Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.12.2022; 28.02.2023
  • BOUNTY Ice cream bar, 6-Pack Box EAN/ GTIN: 5000159483056 Mindesthaltbarkeitsdaten: 28.02.2022; 31.03.2022; 30.04.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 31.03.2023; 30.04.2021
  • BOUNTY Ice cream bar, Single EAN/ GTIN: 5000159483032 Mindesthaltbarkeitsdaten: 28.02.2022; 30.04.2022; 31.10.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 30.04.2021
  • TWIX Ice cream bar, 6-Pack Box EAN/ GTIN: 5000159484688 Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.10.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 31.03.2023; 30.04.2023
  • TWIX Ice cream bar, Single EAN/ GTIN: 5000159484633 Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.03.2022; 30.04.2022; 31.12.2022; 28.02.2023; 30.04.2023
  • M&M's choco Ice cream stick Stieleis, Single EAN/ GTIN: 5000159509367 Mindesthaltbarkeitsdatum: 31.01.2023
  • M&M's peanut Ice cream Stieleis, Single EAN/ GTIN: 5000159509343 Mindesthaltbarkeitsdaten: 31.08.2021; 31.10.2021; 31.05.2022; 31.07.2022

Verbraucherinnen und Verbraucher, die ein betroffenes Produkt gekauft und noch vorrätig haben, können sich mit den Produktdaten und Fotos der Verpackung samt MHD an den Verbraucherservice wenden unterwww.mars.de/kontakt

Grund für den europaweiten Rückruf ist der in den Eiscremes eingesetzte Zusatzstoff Johannisbrotkernmehl (E410). Nachdem in den vergangenen Monaten hauptsächlich vor Produkten mit Sesam gewarnt wurde, wurde Anfang Juni 2021 bekannt, dass auch große Mengen des weit verbreiteten Zusatzstoffs E410 mit Ethylenoxid verunreinigt sind. Die Mitgliedsstaaten der EU hatten sich Mitte Juli darauf verständigt, dass alle Lebensmittel öffentlich zurückgerufen werden müssen, die mit Ethylenoxid belastetes E410 enthalten - auch wenn im Endprodukt die Nachweisgrenze nicht überschritten wird. Während europaweit bereits tausende Eiscremes mit E410 vom Markt genommen wurden, ist in Deutschland auf der amtlichen Webseite www.lebensmittelwarnung.de bisher keine einzige Warnung wegen belastetem E410 auffindbar, heißt es weiter seitens foodwatch.

Das Gas Ethylenoxid ist laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) krebserregend und erbgutschädigend. Rückstände in Lebensmitteln seien grundsätzlich "unerwünscht". Einen Richtwert ohne Gesundheitsrisiko gebe es nicht. Während Ethylenoxid in der Lebensmittelproduktion der EU verboten ist, wird es jedoch in etlichen Drittstaaten zur Bekämpfung von Pilzen und Bakterien eingesetzt.