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Küchenrolle von Rewe & Co. getestet: Wo Öko-Test Mängel findet

Papier abreißen, wischen und schon ist die Sauerei beseitig: Küchentücher sind praktisch und fast jeder verwendet sie daheim in der Küche. Öko-Test rät im aktuellen Test allerdings von einem Produkt ab: Es enthält einen krebserregenden Schadstoff in hohen Mengen. Wir haben die Ergebnisse des Küchenrollen-Tests für Sie.
 
Küchenrolle bei Öko-Test
Öko-Test hat mehrere gängige Küchenrollen unter die Lupe genommen. In vielen Produkten stecken Schadstoffe. Foto: Crystal de Passillé-Chabot/unsplash.com
  • 20 Marken von Küchenrollen hat Öko-Test unter die Lupe genommen
  • In zahlreichen Produkten wurden Schadstoffe  gefunden
  • Nicht jedes Küchenpapier für Kontakt mit Lebensmitteln geeignet
  • Lediglich eine Küchenrolle ist "sehr gut"

Öko-Test* hat Küchenrollen von 20 Marken getestet und diese gründlich auf Schadstoffe und Herkunft untersucht. Neben einem mit "sehr gut" bewerteten Produkt von Rewe schneiden viele "gut" und "befriedigend" ab. Lediglich ein Produkt fällt durch: "Küchentücher Recycling" von Budni enthält kritische Werte des Schadstoffs Chlorpropanol 3-MCPD, der unter Verdacht steht, krebserregend zu sein. Wir haben die Ergebnisse des Küchenrollen-Tests für Sie und verraten Ihnen die Vorteile von Recycling-Küchenrollen.

Küchenrollen im Test: Schädliches Chlorpropanol in 12 Küchenrollen

In zwölf von 20 getesteten Küchenrollen konnten die Tester im Labor die halogenorganische Verbindung Chlorpropanol 3-MCPD nachweisen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung schätzt diesen Stoff als "möglicherweise krebserregend für den Menschen" ein - in Tierversuchen schädigt diese Verbindung nachweislich Nieren und Hoden. Das ist also nichts, was Sie unbedingt an Ihre Lebensmittel lassen sollten. Das 3-MCPD ist ein Produkt, dass bei der Spaltung von Kunstharzen entsteht und Papierprodukte stabilisieren soll, vor allem, wenn sie in Kontakt mit Wasser kommen, damit sie sich nicht umgehend auflösen.

In den zwölf Küchenrollen, in denen diese Verbindung entdeckt werden konnte, liegt die Chlorpropanol-Menge allerdings noch unter dem Grenzwert. Lediglich bei einer Rolle - dem Produkt "Küchentücher Recycling" von Budni - konnten Werte festgestellt werden, die als kritisch zu betrachten sind. 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass alle Produkte, die 3-MCPD oder 2-MCPD und deren Fettsäureester enthalten, unbedingt vermieden werden sollten, da auch das BfR von einer gesundheitsschädigenden Wirkung ausgeht. Besondere Vorsicht ist bei Säuglingen und kleinen Kindern geboten, da sich bei ihnen aufgrund des geringen Körpergewichts das Chlorpropanol schnell in bedenklichen Mengen im Körper anreichert.  

Schadstoffe: Darf ich jetzt keine Küchenrolle mehr verwenden?

In den Mengen, die Öko-Test in den Küchenrollen gefunden hat, ist das 3-MCPD wohl eher nicht schädlich, kann also verwendet werden. Die Tester weisen darauf hin, dass in der Vergangenheit schon häufiger Produkte aus dem Verkehr gezogen wurden, weil sie zu hohe Chlorpropanol-Werte enthielten. Dabei handelte es sich unter anderem um Muffinförmchen oder Strohhalme aus Papier.

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Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sollte ein Blatt Küchenpapier, das 24 Stunden in einem Liter kaltem Wasser liegt, maximal 12 Mikrogramm 3-MCPD an das Wasser abgeben. Bei einem 60 Kilogramm schweren Menschen wäre das ein Zehntel des täglichen Grenzwertes - so ist es möglich, 3-MCPD auch aus anderen Quellen aufzunehmen, ohne dass es für den Körper direkt schädlich wirkt.

Weiterhin ist allerdings nicht geklärt, inwiefern sich ein kürzerer Kontakt zu einem Lebensmittel auf die Abgabe von 3-MCPD auswirkt, weshalb Produkte, die 3-MCPD enthalten, besser vermieden werden sollten. Öko-Test weist des Weiteren darauf hin, dass auch andere halogenorganische Verbindungen in den Rollen stecken können. Beispielsweise können diese aus der verwendeten Chlorbleiche oder aus der Aufarbeitung des Altpapiers stammen. Auch das kann äußerst schädlich sein: Zum einen können diese halogenorganischen Verbindungen Allergien auslösen, zum anderen können sie sich in der Umwelt ansammeln.

Küchenrollen im Test: Das sind die Testsieger

Die schlechten Ergebnisse sind jedoch kein Grund zum Trübsal blasen, greifen Sie doch in Zukunft einfach zu einem der Testsieger des Küchenrollen-Tests. Bei der Bewertung legten die Tester auch Wert auf die Tauglichkeit der Rollen in der Praxis, beispielsweise wie reiß- und saugfest die Tücher sind - im trockenen, wie im nassen Zustand.

Testsieger ist das Produkt "Beste Wahl Eco Recycling Küchentücher" von Rewe, das den Test mit einem sehr guten Ergebnis abschließt, da es in allen Untersuchungspunkten überzeugt. Auch die "Saugstark & Sicher Küchentücher Recycling" von dm, die "K-Classic Küchentücher Recycling" von Kaufland und die "Soft Star Das Bewusste Recycling Küchentücher" von Müller Drogeriemarkt konnten mit einem guten Ergebnis überzeugen.

Öko-Test rät ganz klar zum Kauf von Recycling-Küchenpapier, da hierbei auch dem Umweltaspekt Bedeutung zukommt. Deshalb wurden die Produkte im Test, die aus frischem Holz hergestellt sind, auch von vornherein um zwei Noten schlechter bewertet. 

Küchenrollen und die Umwelt: Was gibt es zu beachten?

Die Tester merken kritisch an, dass gerade einmal jede zehnte Küchenrolle in Deutschland aus Recyclingpapier* hergestellt wird. Dabei soll es möglich sein, aus Altpapier bis zu 25 Mal neues Papier zu produzieren. Außerdem sind die Vorteile von Recyclingpapier für die Umwelt zahlreich.

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Unter anderem kann so verhindert werden, dass viele Bäume gefällt werden, denn laut WWF wird jeder zweite gefällte Baum einmal zu Papier. Durch das Abholzen der Wälder verlieren viele Tierarten nicht nur ihren Lebensraum, auch wir Menschen sind direkt gefährdet: Bäume sind bekanntermaßen Speicher von Milliarden Tonnen CO2 - mit der Abholzung der Wälder riskieren wir weitere Zuspitzungen der Klimakrise.

Was hinzu kommt, ist dass die Produktion von Recycling-Küchenrollen* nur halb so viel Energie benötigt, wie bei der Herstellung von Küchenpapier aus Frischholz. Außerdem nicht einmal ein Drittel der dafür benötigten Menge Wasser. Des Weiteren stammt das Altpapier auch meist aus der näheren Umgebung, womit Deutschland oder dessen Anrainerstaaten gemeint sind. Im Gegensatz dazu hat das Frischholz oft sehr weite Wege zurückgelegt: Im Test bezogen einige Hersteller ihr Holz aus Uruguay, Brasilien oder China.

Fazit: Schadstoffe in Küchenrollen - Recycling-Papier sollte bevorzugt werden

Öko-Test kann nicht alle Küchenrollen im Test empfehlen, von den "Küchentüchern Recycling" von Budni sollten Sie besser die Finger lassen. Die bei diesem Produkt festgestellten Chlorpropanol-Werte sehen die Tester als kritisch an und raten davon ab. Die restlichen Küchenrollen schneiden gut und befriedigend ab, nur ein Produkt erhält die Note "sehr gut".

  • Test-Sieger: "Beste Wahl Eco Recycling-Küchentücher" von Rewe
  • Schlusslicht: "Küchentücher Recycling" von Budni - enthält den Schadstoff Chlorpropanol 3-MCPD
  • fünf Produkte schneiden mit "befriedigend" ab
  • 13 Küchenrollen sind "gut"
  • der Umwelt zuliebe besser Recycling-Küchenrollen kaufen

Alle Umweltinteressierten sollten sich unseren Artikel zu Tipps für mehr Nachhaltigkeit in der Küche ansehen. Das komplette Testergebnis finden Sie auf der offiziellen Website von Öko-Test.

 

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