•  "Ja", "Gut & Günstig" und Co. werden immer beliebter
  • Hohe Inflation treibt Preise nach oben
  • Analyse zeigt: Eigenmarken sind deutlich teurer

Die hohe Inflation führt dazu, dass immer mehr Menschen auf jeden Cent achten müssen. Das Gute: Egal ob Cola, Ketchup oder Marmelade - zu vielen Markenprodukten gibt es eine günstigere Alternative. Deshalb greifen Verbraucher*innen immer öfter zu den günstigeren Eigenmarken und lassen die Markenartikel in den Regalen liegen. Doch jetzt steigen auch hier die Preise deutlich.

Geld sparen: Eigenmarken statt Markenprodukte?

"Die Handelsmarken gewinnen spürbar Marktanteile", sagte der Handelsexperte Robert Kecskes vom Marktforschungsunternehmen GfK der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Insbesondere die günstigen Eigenmarken hätten in den vergangenen zwei Monaten deutlich zugelegt. Allerdings hat die Sache einen Haken: Auch die Eigenmarken der Handelsketten werden teurer - und die Preissteigerungen waren hier zuletzt sogar höher als bei den Markenprodukten.

 "Ja", "Gut & Günstig", "Milbona" oder "Gut Bio" -  Was einst mit einer Handvoll billiger No-Name-Produkte begann, hat sich mittlerweile zu einer ganzen Produktwelt entwickelt. Neben den preisgünstigen Einstiegsmarken wie "Ja" von Rewe oder "Gut & Günstig" von Edeka hat sich das Sortiment inzwischen deutlich erweitert. Mit dabei: Bio-Produkte, vegane und vegetarische Produkte und Premium-Angebote für Feinschmecker. Was alle gemeinsam haben: Sie sind in der Regel deutlich günstiger als die Angebote der bekannten Markenhersteller. Ein Grund, warum sie im Moment immer beliebter werden. 

"Der Trend geht aktuell zu den Preiseinstiegs-Eigenmarken. Das ist ein deutliches Anzeichen, wie groß die Verunsicherung in der Bevölkerung ist", meinte Kecskes. Laut dem "Konsummonitor Preise 2022" des Handelsverbandes Deutschland (HDE) und des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH) haben mittlerweile mehr als ein Viertel der Menschen in Deutschland große Angst, mit ihrem Geld nicht auszukommen. 

"Ja", "Gut & Günstig" und Co.: Deutliche Preissteigerung bei Eigenmarken 

Verbraucher*innen achten deshalb beim Einkaufen wieder stärker auf den Preis und greifen eher zu Eigenmarken. Erleichtert wird der Wechsel durch das hohe Ansehen, das sich viele Eigenmarken inzwischen erarbeitet haben. Laut dem "Handelsmarkenmonitor 2022" sehen knapp zwei Drittel (65 Prozent) der befragten Verbraucher*innen die Eigenmarken qualitativ auf Augenhöhe mit den Markenartikeln. Doch die Sparmöglichkeiten durch den Wechsel vom Markenprodukt zur Eigenmarke sind längst nicht mehr so groß wie noch vor einem Jahr. Die Preisabstände seien in diesem Jahr "tendenziell geringer geworden", beobachtete die GfK.

Wie die dpa mitteilt, berichtete das Fachblatt Lebensmittel Zeitung kürzlich, dass die Preise von Eigenmarken-Produkten deutlich gestiegen sind. Die Lebensmittel Zeitung stützt sich in ihrer Analyse auf den Datenpool der Preis-App Smhaggle. Dabei fanden sie heraus, dass Produkte von Eigenmarken wie "Gut & Günstig" oder "Ja"  nicht nur grundsätzlich teurer geworden sind, sondern, dass der Preisanstieg im Vergleich mit dem Anstieg bei Markenprodukten auch deutlich größer ist.

Der Discounter Aldi hätte die Preise seiner Eigenmarke laut Smhaggle um 18 Prozent angehoben, berichtet Business Insider. Die Preise der Eigenmarken legen die Händler selbst fest. Markenprodukte, deren Preis gemeinsam mit den Herstellern festgelegt wird, wurden dagegen nur 9,2 Prozent teurer. Bei "Ja" von Rewe und "Gut & Günstig" von Edeka sind die Preissprünge mit 24 Prozent seit Jahresbeginn noch höher. Bei den Markenartikeln liegt die Preissteigerung jedoch deutlich darunter: bei Rewe waren es 11,8 Prozent, Edeka erhöhte um 12,8 Prozent. 

Marktforschung sagt: Entwicklung ist nicht verwunderlich 

Die Entwicklung an sich sei eigentlich nicht unbedingt verwunderlich, meinte das Marktforschungsunternehmen GfK. "Bei den im Schnitt preisgünstigeren Handelsmarken schlagen höhere Kosten aus Herstellung und Transport prozentual stärker auf die Preise durch als bei den ohnehin höherpreisigen Marken."

Für preisbewusste Shopper ist das eine schlechte Nachricht: Die Eigenmarken verlieren im Kampf gegen die Inflation an Kraft.

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