• Oxfam überprüft regelmäßig die Lieferketten deutscher Einzelhandelskonzerne
  • Vor allem die Menschenrechte stehen dabei im Fokus
  • Auch 2022 schneidet Edeka wieder am schlechtesten ab

Edeka ist nach eigener Aussage als Deutschlands beliebtester Supermarkt bekannt und kann mit einer hohen Kundenzufriedenheit überzeugen. Dennoch scheint sich der Discounter nicht in allen Bereichen gleichermaßen um hohe Qualität zu bemühen. Wie die Ergebnisse von Oxfam zeigen, schneidet Edeka vor allem in Sachen Menschenrechte schlecht ab. Doch woran liegt das?

Wer oder was ist Oxfam?

Oxfam ist eine der größten Nothilfe- und Entwicklungsorganisationen der Welt. Die Organisation bekämpft bereits seit 75 Jahren Armut sowie soziale Ungerechtigkeit in über 90 Ländern.

Dabei zählt die Organisation auf 4.100 Partner*innen und macht auch bei Wirtschaft und Politik Druck. Immer wieder werden öffentliche Aktionen, Fachgespräche und Kampagnen umgesetzt. So konnte durch den engagierten Einsatz der Band "Die Toten Hosen", der Schauspielerin Heike Makatsch, des Sängers Jan Delay und vieler weiterer prominenter Botschafter*innen eine enorme Reichweite erzielt werden. 

Oxfam veröffentlicht außerdem regelmäßig einen Supermarkt-Check und analysiert dabei unter anderem die Lieferketten großer deutscher Supermärkte hinsichtlich der Menschenrechte. Durch den Supermarkt-Check von Oxfam sind zum Beispiel auch die dramatischen und sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen beim Kaffeeanbau in Brasilien bekannt geworden. 

Supermärkte werden unter die Lupe genommen

Seit 2018 werden von Oxfam Einzelhandelskonzerne hinsichtlich des Umgangs mit Menschenrechten innerhalb der Lieferkette geprüft. Dabei geht es vor allem um Rechte von Arbeiter*innen, den Umgang mit Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, Geschlechtergerechtigkeit, Frauenrechte und Transparenz.

Oxfam hat auf Grundlager internationaler Standards wie den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und dem Leitfaden der OECD rund 100 Bewertungskriterien entwickelt. Als Bewertungsmaßstab dienen dabei öffentlich zugängliche Informationen aus Nachhaltigkeitsberichten oder von den Websites der Supermärkte.

Überprüft wurden zum Beispiel Aldi Süd und Nord, Sainsbury's, REWE, Morrisons, Jumbo, Ahold Delhaize, Plus, EDEKA, Lidl und weitere Einzelhandelskonzerne. Bereits mehrfach haben die Studien von Oxfam Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in den Lieferketten deutscher Supermärkte aufgedeckt. 

Wo lässt es sich gut einkaufen und wo weniger?

Seit der ersten Studie konnten sich vor allem Lidl und Rewe steigern. Während Lidl 2018 nur fünf Prozent der aufgestellten Kriterien im Check erreichte, sind es mittlerweile 59 Prozent. Rewe konnte sich im selben Zeitraum von einem auf 48 Prozent entwickelt. Edeka liegt dagegen auch dieses Jahr auf dem letzten Platz und erfüllt nur elf Prozent der Kriterien. 

Zusätzliche Prozentpunkte wurden vor allem durch neue Richtlinien der Unternehmen und eine erhöhte Transparenz der Lieferketten erreicht. Lidl gibt mittlerweile alle Lieferanten entlang der Lieferketten für Tee, Erdbeeren und Bananen an. Zudem gibt es bei Rewe, Aldi und Lidl neue Richtlinien für die Geschlechtergerechtigkeit. Die Menschenrechtspolitik lässt sich also aktiv verbessern. 

Doch auch Rewe, Lidl und Aldi erfüllen nur 50 bis 60 Prozent der Kriterien, welche für eine optimale Menschenrechtspolitik notwendig sind. So wird auch weiterhin Preisdruck auf die Lieferanten ausgeübt. Immer noch werden Profite auf Kosten von Menschenrechten gemacht, Produzierende erhalten zu wenig Geld für ihre Arbeit. 

Wer bildet das Schlusslicht in Sachen Menschenrechte?

Abgeschlagenes Schlusslicht in Sachen Menschenrechte ist Edeka. So erhalten die Beschäftigten eines Ananas-Zulieferers in Costa Rica gerade einmal 4,50 Euro pro Tag. Dieser Lohn liegt weiter unter dem Existenzminimum. 

Edeka weigert sich dahingehend aktiv zu werden, weshalb Oxfam nun fordert, dass auch die Bundesregierung reagiert. So wird ein neues deutsches Lieferkettengesetz gefordert und ein Entwurf für ein EU-Lieferkettengesetz soll Lücken im deutschen Rechtssystem schließen.

Ebenso sollen Betroffene einen Schadenersatz bei deutschen Gerichten einklagen dürfen. Edeka wehrt sich währenddessen laut Spiegel gegen die schlechte Bewertung durch Oxfam in einer Stellungnahme und weist darauf hin, dass das eigene Engagement nicht mit in die Bewertung einbezogen wurde, sondern lediglich die Wirkung von außen.