War es nicht zuletzt genau das, was Aldi-Süd vermeiden wollte? Eine Assoziation des Marktes mit einem billigem und wenig wertigem Lebensmittelvertrieb? Nun, genau deswegen ging es in den letzten Jahre im Bereich Image eigentlich immer in eine Richtung: Weg von alten Neonröhren und vergilbten Bodenfliesen, wie man sie vom Inneren eines Aldi-Marktes aus den 1990er-Jahren gewohnt war. "Wertigkeit" stand im Vordergrund. Der Kunde sollte sich beim Einkaufen wohlfühlen und lediglich an den Discounter erinnert werden, wenn er am Ende den Einkaufszettel liest - doch das gehört nun der Vergangenheit an. Denn Aldi-Süd führt nun neue Einkaufwägen ein, die alles andere als Hochwertigkeit vermitteln. 

Die alten grauen Wagen sollen offenbar generell aus dem Blickfeld der Kunden verschwinden, wie unter anderem chip.de berichtet. Es wirkt fast wie eine Reise in die Vergangenheit, denn der erste Eindruck gibt genau das wieder, was man erwartet: Der neue Einkaufswagen wirkt schlicht, leicht und billig. Hohe Ansprüche sollte man daher schon zu Beginn ganz weit hinten vergraben. Während die alten Wagen keinen schlechten Eindruck machten und überaus hilfreich dabei waren, die tagtäglichen Einkäufe zu tätigen, hat man hier weniger das Gefühl, eine Einkaufshilfe zu manövrieren. 

Neuer Aldi-Einkaufswagen: eine Zeitreise in die falsche Richtung 

Das Griffstück des neuen Wagens ist erheblich dünner als das seines Vorgängers. Komfort-Griffe und Pfandbonablagen gibt es keine mehr. Ebenso ist der Taschenhaken verschwunden, wie die Tester von chip.de in einem Video zeigen. Stattdessen zieren nun mehrere Warnhinweise den Einkaufswagen. So zum Beispiel, dass der klappbare Kindersitz auch als Ablage für Gemüse und Früchte verwendet werden kann. Kinder über 15 Kilogramm dürfen darüber hinaus nicht in dem Sitz Platz nehmen. Farblich ist der Wagen in einem stählernen Grau gehalten. Der Sitz ist Grün, das Griffstück Weiß. Das blaue Logo des Discounters steht in der Mitte des Griffes. 

Der Grund, weswegen Aldi Süd von dem wesentlich hochwertigerem Wagen einen Schritt zurück macht, ist nicht bekannt, könnte aber eine Frage der Kosten sein. Denn die Preise eines Wagens können sich zwischen 150 und 200 Euro unterscheiden. Gerade aktuell schwemmen viele Hersteller aus dem asiatischen Raum den Markt. Diese seien weniger robust und wertig, allerdings deutlich billiger. 

Im deutschen Einkaufwagen-Markt ist vor allem ein Hersteller besonders dominant: Wanzl. Dieser fertigt schon seit Jahren für die meisten deutschen Lebensmittelvertrieben Einkaufswägen an. So findet sich das Firmenlogo auf fast jedem Wagen vor beliebigen Supermärkten und Discountern. Der Lebensmittelriese Aldi hatte bis vor Kurzem eng mit dem deutschen Hersteller zusammengearbeitet und dessen Wagen sogar in den Filialen in Spanien und Frankreich eingesetzt. Wie chip.de weiter schreibt, seien die genauen Gründe für den Einsparungsschritt des Discounters gegenüber Wanzl nicht klar. Der Einkaufswagenhersteller wollte sich auf eine Anfrage der "Lebensmittel-Zeitung" dazu nicht äußern.