Venedig
Tourismus

Venedig wird zum Museum: Tagestouristen müssen schon ab Mai Eintritt für die Stadt zahlen

Schon ab diesen Mai will Venedig von Reisenden, die der Stadt einen Tagesbesuch abstatten, Eintritt verlangen. Wer dort übernachtet, muss nicht bezahlen. Kann die Lagunenstadt so den Besucheransturm eindämmen?
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Der Luxus-Liner "MSC Divina" fährt am Markusplatz in Venedig vorbei.  Foto: Andrea Merola, dpa
Der Luxus-Liner "MSC Divina" fährt am Markusplatz in Venedig vorbei. Foto: Andrea Merola, dpa

Seit Tagen der venezianischen Republik wird Venedig "La Serenissima" genannt, was so viel wie "Durchlauchteste" bedeutet. Man würde sich nicht wundern, wenn sich Touristen demnächst neue Spitznamen für die Lagunenstadt ausdächten. "La Carissima", zum Beispiel, die Teuerste. Denn ab Mai 2019 wird in Venedig ganz offiziell Eintrittsgeld verlangt. Eintritt für den Besuch einer Stadt? Ja, so ist es.

Eintrittskarte für Tagestouristen

Die Stadtregierung hat einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, der Ende Februar noch vom Stadtrat bestätigt werden muss. Die Pläne sind durchaus konkret: Von Mai 2019 an sollen Tagestouristen mit drei Euro zur Kasse gebeten werden. Zum 1. Januar 2020 soll ein flexibles System für das Eintrittsgeld eingeführt werden. Sechs Euro sollen Besucher dann an normalen Tagen bezahlen. Die Gebühr kann aber abgesenkt werden - auf drei Euro in besonders ruhigen Zeiten - oder steigen: Acht Euro sind an Tagen mit hohem Ansturm fällig, zehn Euro an Karneval oder im August, wenn die Stadt aus allen Nähten platzt.

28 Millionen Besucher sollen es zuletzt pro Jahr gewesen sein, obwohl eine Studie nahelegt, dass die Stadt mit ihren nur noch 55.000 Einwohnern gerade einmal 7,5 Millionen Besucher pro Jahr verträgt.

In Venedig wird seit Jahrzehnten über eine Begrenzung des ausufernden Tourismus diskutiert, nun kommt allem Anschein nach das Venedig-Ticket. Schon jetzt zahlen Besucher einen Touristen-Zuschlag in Höhe von drei Euro, der auf die Hotelrechnung aufgeschlagen wird. Hier steckt auch der Clou des neuen Tickets: Wer in der Stadt übernachtet, zahlt weiter den bisherigen Aufschlag. Die Eintrittskarte für die Stadt ist Tagestouristen vorbehalten.

Reservierung verpflichtend?

Sie, die mit Stippvisiten und nicht selten auch mit improvisierten Picknicks kaum etwas in die Kassen der Stadt und ihrer Bewohner spülen, sollen zur Kasse gebeten werden. Die Touristenabgabe soll bei der Benutzung von öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln als Aufschlag erhoben werden. 75 Minuten Venedig an einem kühlen Tag im August kosteten dann 20,50 Euro: 10,50 Euro für ein 75-Minuten-Ticket mit dem Vaporetto-Wasserbus und zehn für das Stadtticket.

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Bereits vergangenes Jahr ließ die Stadtverwaltung unter dem umstrittenen Bürgermeister Luigi Brugnaro Drehkreuze an neuralgischen Stellen der Stadt installieren, um den Besucheransturm besser zu bewältigen. Demselben Kalkül ist nun auch die neue Maßnahme geschuldet. "Das Ziel ist, mit der Zeit die Touristenströme der Stadt zu kontrollieren und die Ankünfte ab 2022 vorherzusehen", sagte Brugnaro, der die verschuldete Kommune finanziell sanieren will.

In zwei Jahren soll die Venedig-Reservierung für Tagesbesucher verpflichtend werden. Niemand würde der Zugang verwehrt, erklärte Brugnaro. Es würde nur komplizierter. Die Kosten rechtfertigt der Bürgermeister mit der Instandhaltung der Stadt.

Eine Stadt als Museum

Venedig verkauft sich weiter, muss man feststellen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass eine Eintrittsgebühr tatsächlich den Ansturm reduzieren kann und soll. Einige Bürgerinitiativen protestieren seit langem gegen die Einfahrt der riesigen Kreuzfahrtschiffe in den Hafen der Stadt, deren Passagiere sich dann tagsüber massenhaft in die Straßen der Stadt ergießen und abends wieder an Bord gehen.

Aber Venedig ist ein Geschäft, nicht zuletzt für die Venezianer selbst. Viele profitieren von den hohen Mieteinnahmen für Geschäfte und Restaurants oder vom Immobilien-Verkauf. Eintrittskarten gab es bislang nur im Museum. Schon bald könnte es dann offiziell werden: Venedig wechselt die Kategorie, aus einer Stadt wird ein Museum.

Von unserem Korrespondenten Julius Müller-Meiningen, mit Material von dpa

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