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Corona-Krise: Urlaub stornieren oder nicht? Das sagt die Verbraucherzentrale

Der Urlaub ist schon lange gebucht, die Vorfreude groß - dann kam die Corona-Krise und die große Unsicherheit. Kann der Urlaub stattfinden oder sollte die Reise storniert werden? Ist eine kostenlose Stornierung möglich? Alles Wichtige erfahren Sie hier.
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Ostsee Urlaub Strandkörbe
Ob und wann dieses Jahr Reisen wieder möglich sind, ist noch ungewiss. Foto: Andreas Breitling/pixabay

In wenigen Monaten startet der Sommer und damit die Urlaubssaison. Doch aufgrund der Corona-Krise bleibt es ungewiss, wo und in welchem Umfang verreisen in diesem Jahr möglich ist.

Für Frühbucher ergibt sich eine besonders schwierige Situation: Sie stehen vor der Frage, ob eine Stornierung sinnvoll ist, oder nicht. Außerdem ist ungeklärt, ob kostenfrei storniert werden kann. Einige Veranstalter haben ihre angebotenen Reisen bereits abgesagt. Dazu hat sich die Verbraucherzentrale geäußert.

Verbraucherzentrale Bundesverband: kostenlose Stornierung laut Gutachten möglich

Um für etwas Klarheit zu sorgen hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein Gutachten vom Reiserechtler Professor Klaus Tonner in Auftrag gegeben. "Dem Gutachten nach könnten Verbraucher kostenlos Auslands-Pauschalreisen stornieren, die bis Ende August 2020 stattfinden sollen." heißt es auf der Seite der Verbraucherzentrale Bayern. 

Zudem könne sich - laut Einschätzung des von Klaus Tonner - mit der Restzahlung solcher Reisen zurückgehalten werden. Dabei ist zu beachten, dass es sich um eine nicht allgemeingültige Rechtsauffassung, nicht aber um eine gültige Regelung handelt. (Stand 04. Mai 2020)

Die Verbraucherzentrale erklärt außerdem, dass "die rechtliche Bewertung vom jeweiligen Zeitpunkt der Betrachtung abhängt" und sich daher verändern kann. Deshalb sei es "unerlässlich, dass Verbraucher im Einzelfall rechtlichen Rat in Anspruch nehmen."

"Unvermeidbare" und "außergewöhnliche" Umstände erlauben kostenfreie Stornierung 

Wer seine Reise stornieren möchte, sollte sich mit dem Reisebüro in Verbindung setzen und sich über Vor- und Nachteile informieren. Über eine kostenfreie Stornierung schreibt das Auswärtige Amt: "Gemäß den gesetzlichen Regelungen können Kunden eine Pauschalreise kostenfrei stornieren, wenn am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Zielort erheblich beeinträchtigen."

Unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände sind dabei nicht näher definiert. Die generelle Reisewarnung, die bis einschließlich 14. Juni 2020 gilt, sei ein Hinweis darauf. Die Reiseveranstalter pochen jedoch darauf, stattdessen Gutscheine ausgeben zu dürfen. Das Argument: Andernfalls drohen massenhaft Insolvenzen. Ursula von der Leyen stellte klar: Europaweit hätten die Menschen rein rechtlich die Wahl, ob sie das Geld oder einen Gutschein wollten.

Wichtig ist außerdem der Zeitpunkt der Stornierung. Wer zu lange wartet, riskiert erhöhte Stornoentgelte. Eine frühzeitige und übereilte Stornierung hingegen birgt das Risiko, nachträglich Stornoentgelte zurückzuverlangen - zudem ist nicht gewiss, ob der Urlaub tatsächlich storniert werden muss.

Eine Stornierung ist mit Risiken verbunden

Die Verbraucherzentrale schreibt dazu von der Gefahr, "dass sich die Stornoentgelte erhöhen, falls zum Reisezeitpunkt keine unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände mehr vorliegen, die zum kostenlosen Rücktritt vom Reisevertrag berechtigten." Gerade langes Hinauszögern einer Stornierung erhöht diese Gefahr.

Andererseits birgt eine frühzeitige Stornierung das Risiko, bereits gezahlte Stornoentgelte zurückzuverlangen. Das sei dann der Fall, "wenn sie zum Reisezeitpunkt zur kostenlosen Stornierung berechtigt wären." Genau das geschieht, wenn die Umstände am Urlaubsort auch zum Zeitpunkt der Antrittsreise "unvermeidbar" und "außergewöhnlich" sind.

Wer seinen Urlaub bereits gebucht hat, steht somit vor einem Dilemma: denn wie die Lage im Sommer genau am jeweiligen Urlaubsort aussehen wird, ist ungewiss. Verlässliche Aussagen für Juli und August gibt es nicht, daher sollte die aktuelle Entwicklung im Auge behalten und sich über die Lage am Urlaubsort informiert werden.

Reiseanbieter verweigern Rückzahlungen: Das können Sie tun

Einige haben ihren Sommerurlaub bereits storniert. Doch auch viele Reiseanbieter haben die Urlaube von sich aus abgesagt. Hier muss der Veranstalter die Kosten erstatten. Die gleiche Regelung gilt auch für Airlines und die gekauften Flugtickets. Doch momentan bleiben viele Kunden fürs erste auf ihren Kosten sitzen. "Mancher Reiseanbieter spielt wohl ein bisschen auf Zeit, weil die Gutschein-Lösung noch im Raum steht", sagt Thomas Bradler, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. 

"Zwangsgutscheine wären ein Dammbruch. Erstmals würde die Bundesregierung damit Risiken und Kosten der Coronakrise voll auf die Verbraucher abwälzen", kritisiert der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Bradler gibt zu bedenken: "Erst einmal sollte man sich überlegen, ob man das Geld direkt zurück haben möchte oder sich aus Solidarität dazu bereit erklärt, es beim Veranstalter zu belassen, damit keine Insolvenz droht." Diesen Gutschein könne man dann noch bis Ende 2021 einlösen. 

Doch nicht jeder Kunde kann oder möchte sich mit einem Gutschein abfinden.  Wenn keine Rückzahlung erfolgt, sollten Sie sich schriftlich an den Anbieter wenden und das Geld unter der Setzung einer Frist zurückverlangen. Die Friste sollte mindestens 7 Tage betragen. Falls auch dann keine Reaktion erfolgen sollte, kann man sich an einen Anwalt wenden. Bradler betont aber, dass eine Gutschein-Lösung trotzdem noch Gesetz werden könne - auch rückwirkend. Dann bleibe man auf seinen Kosten sitzen. Seine Empfehlung: "Ich würde dazu raten, abzuwarten, wenn man nicht extrem auf das Geld angewiesen ist."

Gutscheine ohne Zustimmung: Die Entscheidung steht noch aus

Die Bundesregierung pocht nun darauf, dass Gutscheine ohne Zustimmung des Kunden möglich werden - statt der Rückzahlung des Geldes. Die Entscheidung liegt bei der EU-Kommission in Brüssel und steht derzeit noch aus. Viele Reiseveranstalter verweigerten ihre Rückzahlung und wiesen auf die Möglichkeit eines Gutscheins hin, so als sei es schon Gesetz, sagt Bradler. "Das ist aber nicht der Fall", betont er.

Laut dem Rechtsanwalt ist der Rückzahlungsanspruch klar definiert: Wenn die Pauschalreisen abgesagt werden muss das innerhalb von 14 Tagen rückerstattet werden. Bei Flugreisen mit EU-Bezug beträgt die Frist sieben Tage nach Zahlungsaufforderung. "Allerdings gibt es auch viele Fälle, in denen das Geld tatsächlich ausgezahlt wird." Die Lufthansa beispielsweise stellt klar: Erstattungen blieben grundsätzlich möglich. Man bitte nur um Verständnis, dass dies derzeit nicht innerhalb der üblichen Fristen möglich sei.

Auch wer eine Ferienunterkunft für die Zeit der Beschränkungen gebucht hat, kann sie kostenfrei stornieren. Aber nur wenn zu der gebuchten Zeit die Gefährdungslage vom RKI noch als hoch eingeschätzt wird. Denn ohne besondere Gründe kann der Beherbergungsvertrag nicht einfach gekündigt werden.