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Schamgefühl durchs Fliegen: Passen Klimaschutz und Urlaub noch zusammen?

Urlaubsorte weit weg von Zuhause - das ist oft das Ziel, um den Alltag zu entfliehen. Ferne Orte sind aber leider häufig nur mit dem Flugzeug erreichbar. Das schadet extrem dem Klima. Was der einzelne Urlauber dagegen tun kann.
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"Flyskam" ist das schwedische Wort für Flugscham und erhält immer mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Foto: Sebastián León Prado/unsplash.com
"Flyskam" ist das schwedische Wort für Flugscham und erhält immer mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Foto: Sebastián León Prado/unsplash.com

Ein Phänomen in der heutigen Gesellschaft ist die sogenannte Flugscham - die Scham davor zu fliegen. Die Schweden haben das Wort in die Welt gesetzt ("Flyskam"), und seine Bedeutung ist gar nicht mal so unangebracht. Denn der Luftverkehr, der Urlauber an die faszinierendsten Orte der Welt bringt, schadet mit seinen Emissionen dem Klima auf der Erde. Ein Dilemma, dem sich die Reisemesse ITB widmete: Wie passen das Reisen und der Schutz des Planeten zusammen? Und was kann der einzelne Tourist tun, um nachhaltiger zu reisen?  

Auf das Fliegen verzichten?

Die globale Erwärmung soll in diesem Jahrhundert maximal 1,5 Grad betragen - nur dann seien die Folgen des Klimawandels noch halbwegs beherrschbar, warnt der Weltklimarat IPCC. Dafür sind jedoch massive Anstrengungen nötig, der CO2-Ausstoß pro Kopf müsste drastisch sinken. Flugreisen verursachen besonders viele Emissionen. Ein "Weiter wie bisher" führe in den Abgrund, stellt die Messe Berlin fest und fragt: Wie lange können wir noch so reisen wie bisher? 

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"Die Menschen sind umweltbewusst, trotzdem verzichtet kaum jemand auf das Fliegen", erklärt Michael Kopatz vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. "Wenn alle um mich herum in den Urlaub fliegen, will ich das auch." Das Klimaproblem bekomme man moralisch nicht in den Griff: "Niemand verändert sein Verhalten freiwillig - besonders, wenn man für 29 Euro nach Mallorca fliegen kann."

Kompletter Flug-Verzicht?

Kopatz plädiert dafür, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Der Forscher fordert zum Beispiel, dass Flughäfen nicht weiter ausgebaut und Starts und Landungen begrenzt werden. Seine Maxime: Verhältnisse ändern Verhalten. "Ich will den Leuten das Reisen nicht madig machen, aber wir müssen einen Rahmen setzen." Der Luftverkehr wird subventioniert, es gibt keine Kerosinsteuer in Deutschland. Mehr Klimaschutz könnte das Fliegen letztlich teurer machen. 

Den Flugverkehr zu beschränken oder das Fliegen zu verteuern, ist allerdings eine unbequeme Forderung. Wäre es nicht besser, wenn alle weniger fliegen? "Ein klares Jein", sagt der Leiter der ITB, David Ruetz. Denn das Reisen in ferne Länder hat ja auch viele positive Effekte. Für den Urlauber, der andere Kulturen kennenlernt und seinen Horizont erweitert. Und für die Menschen vor Ort, weil Tourismus Investitionen und Devisen ins Land bringt.

Möglichkeiten zur Reduzierung der Flugreisen

Trotzdem sind viele Klimaschützer der Meinung, dass der Planet ohne echten Verzicht nicht zu retten ist. "Flugreisen sind die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen", urteilt Laura Jäger von der Arbeitsstelle Tourism Watch bei Brot für die Welt. "Wenn das Taxi zum Flughafen mehr kostet als das Flugticket, ist das bedenklich."

Zwar fordert auch Jäger politische Maßnahmen wie die Besteuerung von Kerosin. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Für Menschen, die nachhaltiger reisen wollen, hat Jäger mehrere Empfehlungen. Erstens: Reiseziele mit kürzerer Anreise wählen - also eher Italien als Indonesien. Zweitens: ein klimaschonendes Verkehrsmittel wie die Bahn nutzen. Drittens: auf Flugreisen generell möglichst verzichten. Viertens: wenn man fliegt, dann seltener - und dafür länger vor Ort bleiben. Und fünftens: für die Emissionen eine Kompensation leisten.

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Kompensation der Emissionen

So funktioniert das Kompensieren eines Fluges: Urlauber zahlen Initiativen wie Atmosfair oder Klima-Kollekte einen Ausgleichsbetrag, der dann in Klimaschutzprojekte investiert wird. Dadurch sollen das CO2 und andere klimaschädliche Faktoren des Fliegens an anderen Orten wieder eingespart werden.

Entschleunigung durch weniger Flugreisen

Jäger ist überzeugt, dass der Verzicht auf das Flugzeug dem Einzelnen ein besseres Reiseerlebnis bescheren kann: "Es geht auch darum, wieder langsamer unterwegs zu sein, den Weg als Ziel zu erschließen, das Überwinden von Distanzen und die Strecke zum Erlebnis zu machen anstatt schneller, weiter und kürzer zu reisen. Wer Reiseziele im Eilverfahren abklappert, verpasst viel. Wer sich vor Ort Zeit nimmt, wird mit neuen Eindrücken und Erinnerungen belohnt."

Die Realität des Massentourismus sieht freilich meist anders aus. Dabei haben viele Urlauber gute Absichten: Laut einer aktuellen Umfrage des Portals Travelzoo wäre fast die Hälfte der Menschen in Deutschland (46 Prozent) dazu bereit, für den Umweltschutz auf das Fliegen zu verzichten. Und sogar 70 Prozent wären bereit, kurze Flugreisen für sich zu streichen. Doch was Menschen in Umfragen behaupten und was sie letztlich tun, sind zwei verschiedene Dinge. Nur ein Bruchteil aller Flugreisen wird überhaupt kompensiert.

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Fliegen ist heutzutage kulturell geprägt

Reisen ist auch ein Lifestyle-Faktor. "Wir sind permanent von Bildern umgeben, die Menschen teilen Fotos auf Social Media", erklärt Jäger. "Das steigert den Wunsch und den Druck, selbst viel unterwegs zu sein." Verzicht wirkt da schnell uncool - und passt auch nicht zu dem vorhergesagten starken weiteren Wachstum der Reisebranche.

Zum Start der ITB forderte kein wichtiger Vertreter der Tourismuswirtschaft, dass zugunsten des Klimaschutzes weniger geflogen werden müsse. "Man weicht dem Thema aus", so sieht es Klimaforscher Kopatz. Und viele kleine Maßnahmen zum Klimaschutz seien lediglich "Öko-Lametta". Zumindest die ITB ist also kein Ort für "Flygskam".

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