Coburg
Reise

Eine Fränkin in Florida

Nicht nur weiße Strände verzaubern die Coburgerin Lara Regenspurger, sondern auch Meeres-Riesen namens Manatees. Zudem: "Nette Leute sind hier Programm!"
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Die Cheerleader nach einem Basketballspiel: Lara Regenspurger wird von ihren US-Kolleginnen in die Mitte genommen.  Foto: Regenspurger
Die Cheerleader nach einem Basketballspiel: Lara Regenspurger wird von ihren US-Kolleginnen in die Mitte genommen. Foto: Regenspurger
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Von Daniela Egert Wenn Lara Regenspurger in diesen Tagen die Koffer packt, um zurück nach Franken zu fliegen, liegen rund zehn Monate voller Sonne und neuer Eindrücke hinter ihr. Die 17-jährige Gymnasiastin aus Coburg vertritt im Rahmen eines Austauschprogramms die Region Oberfranken am Golf von Mexiko. Nicht nur sie ist von Florida begeistert.

In Dunedin, etwas nördlich der Stadt Clearwater, lebt Laras Gastfamilie. Deren jüngere Tochter sowie "zwei supersüße Hunde" haben die Jugendliche "ganz herzlich aufgenommen und mir ein tolles Zuhause geschaffen". Statt am Casimirianum in Coburg startet Lara um 7.20 Uhr an der örtlichen Highschool ihren Tag, zu dem fast immer Schulsport gehört. Lara hat einige exotische Varianten getestet, beispielsweise Flag-Football, eine Ballsportart.

"Im Schwimmteam habe ich gleich zu Beginn wunderbare Freundschaften geschlossen", schwärmt der Teenager.

Auch die Tierwelt an der Westküste Floridas hat es der Fränkin angetan. Etwa die kuschelig wirkenden Manatees, mit denen man im Örtchen Crystal River sogar schwimmen kann. Wer das Glück hat, unter Wasser auf ein Exemplar dieser Seekühe zu treffen, versteht ziemlich schnell, warum ausgerechnet Elefanten zu deren nächsten Verwandten zählen.

"Bitte fasst ihre Haut nicht an", ruft Shania von "Fun 2 Dive" drei Männern und der Frau zu, die für einige Stunden in ihrer Obhut stehen. Die noch recht bleichen Europäer werden vor Beginn des Bootstrips mit Taucheranzügen ausgestattet. Und mit der Ermahnung, den unter Naturschutz stehenden Dickhäutern nicht zu nahe zu treten.

Dann ist der große Moment da: Langsam gleitet einer nach dem anderen runter in die Meeresbucht, auf der Suche nach deren berühmtesten Bewohnern. Weil Manatees zwar verrückt nach Seegras sind, aber wenig Wert auf die Gesellschaft von Touristen in Neopren legen, dauert das einige Zeit. "Ich hab' eins gefunden!" Die junge Frau dirigiert ihre vier Schützlinge in eine Richtung. Und tatsächlich: Wie ein fast vier Meter langer Staubsauger grast ein kurzsichtiges Weibchen den Meeresgrund ab. Neben Seegras lieben Manatees auch kristallklares, warmes Wasser. Solche idealen Bedingungen finden die possierlichen Wesen etwa in und um die Quelle "Three sisters", die ebenfalls zum Gebiet von Crystal River gehört. Üppige, grüne Blätter umrahmen im "National Wildlife Refuge" ein natürliches Schwimmbecken.

Kanu-Paddler und Schwimmer können rund ums Jahr bis auf den Grund schauen. Manche Urlauber ergreifen auch die Chance, diese malerische Kulisse mit dem Kajak zu erkunden. Allzu trainiert muss man dazu nicht sein. Entlang der Westküste des US-Bundesstaats lockt an vielen Stellen Urwüchsigkeit, in die man mit wenigen Paddelschlägen eintauchen kann.

So auch in Sarasota, einer etwas südlicher gelegenen Stadt mit rund 57.000 Einwohnern. Gerade steigt Greg, der aus der Gegend stammt, mit einer Urlauberfamilie in einzelne Boote. "Gleich geht's in die Mangroven", ruft er den Eltern und ihrem etwa zehnjährigen Sohn zu. Wie eine Entenmutter ihrem Nachwuchs gleitet er dem neugierigen Trio aus Michigan voraus und geht sofort auf Delfin-Pirsch. "Wie fast alle meine Gäste", sagt er, "kann ich von denen nie genug kriegen."

Aus seinem Kajak heraus zeigt der Tier- und Pflanzenfreak auf Pelikane und Graureiher, die überall unter der großzügigen Wasserfläche auf Beutefische stoßen. Als krönenden Abschluss des Trips paddeln die Drei und Greg unter Mangroven hindurch, die eine Art natürlichen Tunnel zum Ufer hin bilden.

Nach so viel Natur im Westen des amerikanischen Bundesstaats darf ein kultureller "Farbklecks" nicht fehlen - im wahrsten Sinn des Wortes. Mitten durch St. Pete in Clearwater zieht sich die bunte Spur von Derek Donnelly. Mehr als 500 Kunstwerke haben der Streetartist und seine Kollegen in der Gegend auf Stein und Asphalt gebannt. "Inzwischen hat man auch in der Stadtverwaltung eingesehen, dass die Leute unsere Werke lieben", grinst Derek, der seine coole Sonnenbrille selten abzulegen scheint.

Die Sprayer von St. Pete erhalten mittlerweile jeden Monat neue Anfragen von Geschäften, deren Inhaber gut für das zum Beruf erhobene Hobby zahlen. Wie früher arbeitet der 34-Jährige dann mitten in der Nacht, "jedoch nicht mehr heimlich, sondern mit offiziellem Auftrag".

Die Stadt in Florida beherbergt daneben übrigens auch ausgesprochen elitäre Kunst. Im "The Dalí Museum" am gleichnamigen Boulevard weiß man um die Breitenwirkung des spanischen Surrealisten. Direktorin Pam Whiteaker verweist darauf, dass der Glasbau - oft bezeichnet als eines der zehn Gebäude der Welt, die man gesehen haben muss - Einzigartiges in sich birgt: "die größte Dalí-Sammlung außerhalb Europas". Über 2140 Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen lassen vor den Augen der Besucher die Welt des exzentrischen Genies wiederauferstehen.

Wem nach so viel Kunst der Magen knurrt, der ist im rein vegetarisch ausgerichteten "Cider Press Cafe" im Herzen von St. Petersburg bestens aufgehoben. Von Avocado-Toast bis Pancakes: Die Delikatessen, die der freundliche Inhaber Roland Strobel zusammen mit seinem Partner Johan kredenzt, sind klein, aber fein. Nichts, was den Magen belastet - und so kann es hinterher losgehen an den endlosen weißen Sandstrand. Ein Strand, wie geschaffen für einen herrlichen Urlaubstag im "Sunshine State" mit seinen fast 20 Millionen Einwohnern.

In den Ferien zieht es Superstars wie Rod Stewart mit seinem Familienclan hierhin. Manche Promis wohnen gleich ganz vor Ort: Matt Damon, Oprah Winfrey, Nicolas Cage. Oder man trifft eben normale Bürger wie Lara Regenspurger aus Coburg. Zu Recht gelte Florida als Gute-Laune-Garant: "Nette Leute sind hier Programm!", hat die 17-Jährige erfahren. Sie unterstreicht, dass sie "in den letzten Monaten super viel Spaß hatte" sowie ihren "Horizont in jeder Hinsicht erweitern konnte". Kein Zweifel, die lebhafte Oberfränkin wird wiederkommen.

INFO --- Florida

Reisezeit: optimal von Ende November bis Mitte Mai; ganzjährig sonnig und warm, im Sommer jedoch viel Niederschlag und heftige Sturmböen.

Tipps/ Sehenswürdigkeiten: In Crystal River: Kayak fahren in der Three Sisters Springs and Kings Bay; in Sarasota: Geführte Mangroven-Tunnel-Tour mit Kayaking SRQ; Marie Selby Botanical Gardens, Mote Marine Laboratory & Aquarium; in St. Petersburg/ Clearwater: Museum of Fine Arts, The Dalí Museum, Highlights: Besuch der The Conopy Rooftop Lounge oder Walking Mural Tour mit Derek Donnelly.

Info: www.visitflorida.com/de

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