Bad Steben
Frankens Nachbarn

Die Schönheit des Schieferlands

Im Geopark Schieferland zwischen Frankenwald und Thüringer Wald dreht sich alles um das "blaue Gold" unter und über der Erde.
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Kleine Festung mit schönem Schieferdach: Die Burg Lauenstein thront über dem Frankenwald. Yannick Hupfer
Kleine Festung mit schönem Schieferdach: Die Burg Lauenstein thront über dem Frankenwald. Yannick Hupfer
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Ein wenig blass schaut er aus von hier oben. Immer wieder gibt es kahle Stellen, braun sind sie: abgestorben. Der Borkenkäfer hat zugeschlagen. Auf der Thüringer Warte in der Nähe von Ludwigsstadt fast 27 Meter über dem Boden lässt sich die Struktur des Waldes gut erkennen.

In der jüngsten Vergangenheit hat er gelitten. Unter der Hitze, unter dem Borkenkäfer. Generell wachsen die Bäume im Frankenwald aber gut, wie Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig erklärt: "Seit 1900 ist der Waldbestand um ein Drittel gestiegen."

Hier Landwirtschaft zu betreiben sei schwierig, deswegen werde immer wieder aufgeforstet. Früher wuchs hier vor allem die Buche. Die allerdings nutzte man als Heizmittel - und rottete sie so im Frankenwald fast aus, wie Dietrich Förster erklärt. "Man hat den Frankenwald verfeuert." Das Holz war wichtiger Energielieferant. Der Geschäftsführer des Naturparks Frankenwald sieht aber eine positive Entwicklung. Mittlerweile habe man einen immer artenreicheren Wald. "Es ist ein Schatz, was wir hier im Frankenwald haben", schwärmt er.

Die im Frankenwald mittlerweile weit verbreitete Fichte stirbt ob der Trockenheit ab - neue Alternativen werden angepflanzt.

Wenn die Bäume umknicken und absterben, ist seine Zeit gekommen: die Zeit des Zunderschwamms. Er siedelt sich an altem Totholz an. "Er hat jede Menge Heilkräfte für Menschen und Tiere", sagt Sabine Raithel vom Geopark Schieferland. Der Schwamm wirkt unter anderem antibakteriell, blutstillend und entzündungshemmend. Die heilsame Kraft des Pilzes macht sich ein Start-up aus der Region zu Nutzen, das ihn in Kosmetik und als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Bleibt der Schwamm in der Natur, nutzen ihn viele Insekten als Nahrungsgrundlage. So trägt er zu einer Insektenvielfalt bei. Übrigens: Das Sprichwort, wonach etwa "brennt wie Zunder", stammt von genau jenem Pilz, denn der Zunderschwamm glimmt besonders lange.

Es knackt und knirscht

Der ruhige Frankenwald lädt förmlich ein zu einer entspannten Wanderung über die kleinen Berge - und auf Schiefer. Wenn es während des Wanderns knackt und knirscht, gibt ein Blick auf den Boden Auskunft. Meist hat man Schiefer unter den Füßen. Und weil es hier so ruhig ist, hört und spürt man förmlich jeden seiner Schritte. "Hier dreht sich alles um das blaue Gold", beschreibt Oliver Bär, Landrat des Landkreises Hof, seine Region mit Blick auf den Schiefer.

Einsame Bänke laden auf den vielen Bergen und Anstiegen zum Verweilen ein. Auf insgesamt 4200 Kilometer langen Wanderwegen lässt sich die Natur erspüren. In Wanderheimen und an Aussichtspunkten kann man innehalten, den Ausblick über den Wald genießen. Nicht umsonst ist die Region ausgezeichnet als Qualitätsregion mit dem Prädikat "Wanderbares Deutschland".

Zuständig für die Instandhaltung dieser Wege ist der Frankenwaldverein. 11.000 Mitglieder hat er, 60 Ortsgruppen. "Es ist nicht leicht, so ein Zertifikat zu erhalten", meint Hauptvorsitzender Dieter Frank. Auf ehrenamtlicher Basis müssen Wege unterhalten, gepflegt und ausgezeichnet werden. Gerade für die Wanderheime sei es nicht einfach, die finanziellen Mittel zu bekommen: "Da sind sehr viele Euros nötig, um das zu unterhalten."

Mittlerweile schätzen nicht nur Touristen die Region, viele Menschen ziehen auch wieder hierher. "Wir haben mit Abwanderung gekämpft", erklärt Dietrich Förster. Früher waren die Menschen in der Region arm, durch den Bergbau konnten sie geradeso überleben. "Hier hat man früher gesagt: Das ist eine abgelegene Gegend", sagt Förster weiter. Viele Menschen zog es in florierende Regionen. Mittlerweile allerdings nehmen die Bevölkerungszahlen laut Förster wieder zu. Die Menschen schätzen die Ruhe. Doch auch einige große Firmen haben sich im Frankenwald angesiedelt, unter ihnen Automobilzulieferer. Im Landkreis Kronach befindet sich laut Sabine Raithel vom Geopark Schieferland sogar der größte Glasflacon-Hersteller Europas.

Weit über Probstzella glänzt die schlichte rote Fassade im Sonnenlicht. Während im Vordergrund Häuser mit dunklerem Schiefer verkleidet sind, sticht das Bauhaushotel aus den restlichen Gebäuden heraus - nicht nur aufgrund seiner Größe. In gelben Lettern prangt an der Fassade "Haus des Volkes". Es ist das größte Bauhausdenkmal Thüringens, das man in Probstzella bestaunen kann.

In den 1920er Jahren übergeben, sollte das Gebäude ein Haus der Begegnung sein. Die DDR hatte zwischenzeitlich ein "Genesungsheim" aus dem Gebäude gemacht, bevor es nach der Wende zusehends verfiel. Bis 2003 stand das "Haus des Volkes" leer, die Fenster waren eingeschlagen. Dann allerdings bewies Dieter Nagel Mut. Er kaufte das Anwesen und renovierte es in Eigenregie. "Wir müssen das alles privat stemmen", berichtet er. Er wollte dieses Bauhaus-Denkmal erhalten: "Die Begeisterung kommt mit der Zeit, wenn man sich intensiver damit befasst."

Mittlerweile kann man in dem Gebäude übernachten - die Zimmer muten originalgetreu an: schlicht, geradlinig, Bauhaus eben. Von hier aus hat man direkten Blick auf den Grenzbahnhof. Bis 1990 verlief dort der innerdeutsche Grenzverkehr zwischen BRD und DDR. Die Grenze zwischen West und Ost ist auch in Probstzella an vielen Stellen noch erkennbar.

Weit oben auf der Thüringer Warte hat man nicht nur einen weiten Ausblick, sondern kann auch das Grüne Band erkennen - die ehemalige innerdeutsche Grenze. Das verbindende Element: der Wald: Er verknüpft mit seiner Vielfalt und Schönheit verschiedene Bundesländer und Landkreise.

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