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Die unendliche Weite der Mongolei erleben

Flackerndes Feuer, Hundegebell und endlose Weiten: Die Mongolei hat sich zu einem reizvollen Ziel für Touristen entwickelt.
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Malerisch gelegene Jurten im Buuveit Camp im Nationalpark Terelj.
Malerisch gelegene Jurten im Buuveit Camp im Nationalpark Terelj.
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4.25 Uhr. Die Dunkelheit der Nacht wird nur vom leichten Flackern des Feuers im Kamin der Jurte erhellt. Dafür ist die Geräuschkulisse umso beeindruckender. In der Ferne bellen zwei Hunde um die Wette. Ihr heiseres Kläffen vereint sich mit dem Knistern des Feuers und dem Rauschen des Windes zu einem archaischen Konzert. Das ist der Sound der Nacht in einem Jurten-Camp in der zentralasiatischen Mongolei. Von der nomadischen Viehwirtschaft entwickelt sich das dünn besiedelte Land zu einem reizvollen Ziel für Touristen. Für die meisten Urlauber aus Deutschland beginnt die Reise in die Mongolei mit einem Flug nach Moskau. Dort starten sowohl die Anschlussflüge der MIAT Mongolian Airlines als auch die Zarengold-Sonderzüge, die auf der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn in Richtung Peking einen Zwischenstopp in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar machen.

Rege Bautätigkeit und in den Himmel wachsende Hochhäuser zeugen von der Dynamik der Großstadt. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man die Schönheit der Stadt und die Zeugnisse der Geschichte.
Ein schöner Ort ist das Gandan-Kloster westlich vom Stadtzentrum. "Aktuell arbeiten rund 300 Mönche in dem bis 1944 aus politischen Gründen geschlossenen Kloster", erklärt die Reiseleiterin. Einige davon bieten Besuchern des Klosters Gebete gegen einen entsprechenden Obolus.
Besonders sehenswert ist die erst 1996 neu errichtete, 26,5 Meter hohe vergoldete Statue der Göttin Janraisig. Nicht nur hier, sondern auch an vielen anderen Orten in der Mongolei hat der tibetische Buddhismus in den letzten Jahren wieder an Popularität gewonnen. Weitere Ziele in der Stadt sind der Süchbaatar-Platz mit dem Parlamentsgebäude und einem Reiterdenkmal und das Nationalmuseum mit Exponaten von der Urzeit bis zur Neuzeit.

 


Von der Hauptstadt in die Provinz

Nach der Nacht im Hotel wird es für die meisten Gäste Zeit, der Hauptstadt den Rücken zu kehren. Je weiter Ulaanbaator zurückliegt, umso weiter und leerer wird das Land. Die spärliche Vegetation neben der Straße geht über in eine weite, teils hüglige Landschaft.
Oft sind keine Menschen zu sehen, dafür Herden aus Schafen, Ziegen, Rindern, Kamelen und Pferden. Rund 52 Millionen davon sollen derzeit in der Mongolei leben und bringen das Land an die Grenzen der Überweidung. Zugleich sind die Tiere wertvolle Nahrungsquelle für die Einheimischen, denn auf den kargen Böden ist nur wenig Landwirtschaft machbar. Der Buddhismus vermischt sich in der Mongolei oft mit Riten aus dem Tengrismus, eine Form des Schamanismus.
Das ist die ursprüngliche Glaubensform, bei der Kontakt zu Geistern und Vorfahren aufgenommen wird.

 

Wie populär dieser geblieben ist zeigen Oboo genannte Steinhaufen auf Anhöhen oder an Straßenkreuzungen.


Knisterndes Feuer und Sterne: Nacht im Jurtencamp

Eine Besonderheit in der Mongolei sind die Jurten genannten Zelte der Nomaden. Wie es sich in diesen lebt, kann man in einem der zahlreichen Jurtencamps ausprobieren. Eines davon liegt am Rand des Hogno Haan Gebirges.
Bis zu drei Gäste teilen sich hier eine Jurte. Diese besteht aus einem stabilen Holzboden, auf dem die Konstruktion aus Holz, Filz und Stoff verankert ist. Bequeme Betten und ein Ofen für kalte Nächte sorgen für Komfort. Das Camp liegt besonders malerisch an den Ausläufern des Gebirges. Wer mag, kann von hier eine Wanderung zum nahegelegenen Ovgon-Kloster machen. Nach einem fleischlastigen Abendessen weist die Taschenlampe mir den Weg in die gut geheizte Jurte. Das knisternde Feuer säuselt in den Schlaf.

Am nächsten Morgen geht die Fahrt bei bedecktem Himmel weiter. Mit dem Bus von Lernidee Erlebnisreisen geht es weiter in Richtung Charchorin. In der Nähe der in einer fruchtbaren Ebene gelegenen Stadt stand im Mittelalter die damalige Hauptstadt Karakorum.
Während von der heute nur noch Trümmer zu sehen sind, sind Teile des Klosters Erdene Dsuu, das seit 50 Jahren ein Museum ist, besser erhalten. Der Weg aus dem Kloster ins Jurten-Camp ist nicht weit. Am Ufer des Orchon-Flusses liegt zum Beispiel ein "Dreamland" genanntes Camp. Es hat die Öfen durch Elektroheizungen ersetzt, überzeugt durch gute Küche und Extras wie eine Sauna sowie moderne, heiße Duschen.

 


Przewalski-Wildpferde im Hustai-Nationalpark

Auf der 260 km langen Fahrt lohnt es sich immer wieder anzuhalten, denn dort entdeckt man nicht nur Raubvögel und Steinhaufen, sondern zum Beispiel auch Herden von Kamelen oder zotteligen Yaks. Über teils unbefestigte Straßen führt der Weg in den Hustai-Nationalpark. Hier leben die fast schon ausgestorbenen und wieder angesiedelten Przewalski-Wildpferde und viele andere Tierarten. Wer sich Zeit nimmt, sieht nicht nur einige der im Schutzgebiet lebenden Hirsche, sondern auch die Wildpferde, die am Abend zum Trinken ans Wasser kommen.
Wer gut zu Fuß ist, kann den Rückweg ganz oder zum Teil zu Fuß machen und auf dem Weg das ein oder andere Murmeltier entdecken. Der Sternenhimmel über dem Hustai-Nationalpark sucht seinesgleichen.

 

In der völligen Dunkelheit sind neben den wenigen bekannten Sternbildern unzählige weitere Sterne zu sehen.
Nicht verpassen sollte man auch die Mongolische Schweiz. Auf dem Weg in diese gebirgige Landschaft kommen wir durch die Hauptstadt und machen später Rast am monumentalen Reiterstandbild des Dschingis Khan. Besonders eindrucksvoll ist, dass man mit dem Aufzug und über Treppen auf eine Aussichtsplattform auf der Mähne des Pferdes gelangen kann. Christian Kolb

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