Bamberg
Verkehr

Unfallflucht: Warum Sie niemals Fahrerflucht begehen sollten - diese Strafen drohen

Fahrerflucht ist in Deutschland weit verbreitet, die Zahl der Fälle steigt laut Polizei dramatisch. Wir sagen ihnen, wann das Entfernen vom Unfallort als Fahrerflucht zählt, welche Strafe bei Fahrerflucht droht und ob der Zettel an der Windschutzscheibe wirklich etwas bringt. Außerdem: Warum begehen Leute Unfallflucht?
Artikel drucken Artikel einbetten

In Deutschland ermittelt die Polizei jährlich in 500.000 Fällen von Fahrerflucht - Tendenz steigend. Damit begeht offiziell jeder fünfte Unfallverursacher Fahrerflucht. Laut Expertenangaben könnte die Dunkelziffer zehnmal so hoch sein. In Franken begehen jeden Tag Dutzende Autofahrer Unfallflucht, die täglichen Polizeimeldungen sind voll von kleineren und größeren Vorfällen.

Von 500.000 Autofahrern, gegen die die Polizei wegen Fahrerflucht ermittelt, werden nur rund 31.000 verurteilt. Da es sich bei Fahrerflucht um ein Vorsatzdelikt handelt, muss der Vorsatz erst einmal bewiesen werden. Viele Unfallverursacher reden sich heraus, behaupten, sie hätten den "Parkrempler" gar nicht mitbekommen, den Aufprall weder gespürt noch gehört. Ihnen das Gegenteil zu beweisen, ist schwierig. Die Strafe bei Fahrerflucht richtet sich in der Regel nach der Höhe des Schadens, aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle, beispielsweise, ob Menschen verletzt wurden. Wir erklären Ihnen in unserem Ratgeber die wichtigsten Fakten zum Thema Fahrerflucht.


Wann begeht man Fahrerflucht?


Der Begriff "Fahrerflucht" oder "Unfallflucht" hat sich als Synonym für das im Strafgesetzbuch verankerte "Unerlaubte Entfernen vom Unfallort" etabliert. Fahrerflucht begeht, wer einen Unfall verursacht und anschließend einfach weiterfährt, ohne anzuhalten und sich um den entstandenen Schaden zu kümmern. In § 142 StGB heißt es:

"Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder
2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."


Als "angemessene Zeit" gilt gemeinhin eine Wartezeit von 30 bis 60 Minuten. Dann ist die Polizei zu verständigen. Bei der Wartezeit spielt beispielsweise auch die Tageszeit eine Rolle. Dass ein Geschädigter mitten in der Nacht an seinem Auto auftaucht, ist eher unwahrscheinlich.

 

 


Strafe bei Fahrerflucht: Das droht Ihnen


Die Strafe bei Fahrerflucht richtet sich nach der Höhe des verursachten Schadens. Auch werden bei Unfallflucht deutlich strengere Maßstäbe angelegt, wenn eine Person zu Schaden kam oder gar ein Mensch ums Leben kam. In besonders schweren Fällen (mit Todesfolge) drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Zudem richtet sich die zu erwartende Strafe nach der Höhe des verursachten Schadens. Bei einem Schaden unter 600 Euro droht lediglich eine Geldstrafe.

Bei einem Schaden bis 1300 Euro drohen eine Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehalts, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.

Bei einem Schaden über 1300 Euro drohen eine noch höhere Geldstrafe, drei Punkte in Flensburg und mindestens sechs Monate Fahrverbot.

Bei Fahrerflucht mit Personenschaden werden noch strengere Maßstäbe angelegt. Zur Fahrerflucht gesellt sich der Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung - und der wird mit Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Gefängnis geahndet. Sollte der von Ihnen verursachte Unfall mit Personenschaden zudem durch eine von Ihnen begangene Pflichtverletzung geschehen sein, beispielsweise, weil Sie trotz Überholverbot überholt haben, so kann dies als fahrlässige Körperverletzung ausgelegt werden. Gemäß § 229 StGB steht darauf Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Die Strafen für die einzelnen Vergehen werden aufaddiert.

Sollte ein Todesopfer zu beklagen sein, drohen für Fahrerflucht bis zu fünf Jahre Gefängnis. Zu klären ist dann außerdem, ob es sich um fahrlässige Tötung handelte.

 

 

 


Kann man sich nach dem Unfall noch der Polizei stellen? Was bringt das?


Manchmal packt einen Autofahrer nach seiner Fahrerflucht die Reue und er möchte zu seinem Fehler stehen. Mildert eine Selbstanzeige bei der Polizei nach begangener Fahrerflucht die zu erwartende Strafe? Das kommt ganz darauf an: Bei einem geringen Schaden und wenn die Polizei noch keine Ermittlungen aufgenommen hat besteht eine Chance, dass keine Strafe verhängt wird (§ 142 StGB). Die Selbstanzeige muss innerhalb von 24 Stunden nach dem Unfall erfolgen.

 

 


Zettel an der Windschutzscheibe: Trotzdem Fahrerflucht?


Es reicht nicht aus, dem Geschädigten einen Zettel oder eine Visitenkarte unter den Scheibenwischer zu klemmen. Das zeigt zwar guten Willen zur Klärung des Unfalls, Sie machen sich mit der Entfernung vom Unfallort aber trotzdem strafbar. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Visitenkarte vom Winde verweht, vom Regen aufgeweicht oder von einem Spaßvogel entfernt werden kann. Verständigen Sie in jedem Falle die Polizei.

 

 

 


Warum begehen Leute Fahrerflucht?


Die Gründe für eine Unfallflucht sind unterschiedlich. Sicher sind viele Menschen momentan mit der Situation überfordert. Oft wird das Fehlverhalten als Panikreaktion abgetan, als menschlicher Fluchtinstinkt in Not- oder Stresssituationen. Die Polizei jedoch berichtet, dass ihrer Erfahrung nach die meisten Menschen, die Fahrerflucht begehen, in Sekundenschnelle knallhart kalkulieren und die drohenden Konsequenzen des Unfalls gegen das Risiko abwägen, erwischt zu werden.

Viele Unfallverursacher fürchten sich vor Konsequenzen wie der Unfallaufnahme durch die Polizei oder der schriftlichen Korrespondenz mit der Haftpflichtversicherung. Manche wollen eine Alkoholfahrt vertuschen. Die meisten haben es zu eilig, um eine Stunde auf den Geschädigten zu warten, wenn sie beispielsweise ein geparktes Auto angefahren haben, und hadern mit dem Zeitverlust.

Einer der Hauptgründe für Fahrerflucht dürfte jedoch die Angst vor finanziellen Konsequenzen sein. Auch wenn die Haftpflichtversicherung den entstandenen Schaden übernimmt, droht ein Hochstufen des Beitragssatzes durch den Versicherer. Viele Unfallverursacher, die Fahrerflucht begehen, haben tatsächlich Angst davor, durch verfälschte Gutachten und überteuerte Werkstattkosten von der Gegenseite "abgezockt" zu werden. Häufiges Argument: "Für einen winzigen Lackschaden an der Stoßstange zahle ich doch keine 2000 Euro!".

 



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren