Tel Aviv
WhatsApp

WhatsApp verklagt Hacker-Netzwerk: Hat NSO Journalisten, Anwälte und Politiker ausgespäht?

Wurden Politiker, Journalisten und Anwälte über WhatsApp ausspioniert? Das Tochterunternehmen von Facebook verklagt einen Software-Hersteller aus Israel.
Artikel drucken Artikel einbetten

  • WhatsApp verklagt NSO, einen Hersteller von Spionage-Software
  • NSO soll eine WhatsApp-Sicherheitslücke ausgenutzt und Smartphones ausgespäht haben

WhatsApp verklagt Spionagesoftware-Hersteller NSO: Das Facebook-Tochterunternehmen "WhatsApp" wirft dem israelischen Hersteller von Überwachungssoftware vor, eine Sicherheitslücke im Messengerdienst missbraucht zu haben. Konkret geht es um eine WhatsApp-Sicherheitslücke, die NSO genutzt haben soll, um Chatverläufe von Politikern, Journalisten und Regierungsbeamten auszuspähen. Auch Menschenrechtsaktivisten, Diplomaten und Anwälte sollen betroffen sein: 1400 Smartphones, die sensible Daten beherbergen, rücken dabei in den Fokus. Laut Facebook sind Personen aus folgenden Staaten betroffen:

  • Mexiko
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • Bahrain

WhatsApp gehackt? Facebook-Tochter erhebt schwere Vorwürfe

NSO hat bereits auf die Vorwürfe reagiert. Das Unternehmen mit Sitz im Tel Aviv betonte, dass es seine Dienste ausschließlich Geheimdiensten und Ermittlungsbehörden anbiete. NSO ist berüchtigt dafür, sogenannte "Zero Day"-Lücken in Software anzukaufen und diese als Angriffswerkzeuge zu verwenden. Hacker suchen gezielt nach derartigen Software-Sicherheitslücken bei iOS, Android sowie Microsoft-Betriebssystemen, um diese dann Firmen wie NSO anzubieten.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung hatte NSO bereits im Mai 2019 erklärt, dass die Firma nicht am Betrieb der Sofware durch ihre Kunden beteiligt sei. Will Cathcart, CEO von WhatsApp, will genau dafür Beweise haben: In einem Gastbeitrag in der Washington Post behauptet er, dass NSO betrogen habe. Demnach soll das Unternehmen WhatsApp-Konten angelegt haben, auf denen später die NSO-Spionagesoftware "Pegasus" zum Einsatz kam. Zudem soll NSO auch am Betrieb des jeweiligen Kontrollservers beteiligt gewesen sein. Auch diese Vorwürfe wies das israelische Unternehmen zurück.

WhatsApp verklagt NSO: CEO will Beweise haben

In der Klage geht es konkret um eine Sicherheitslücke, die im Frühjahr diesen Jahres aufflog. In der Schrift heißt es, dass NSO-Mitarbeiter WhatsApp so manipulieren konnten, dass "Pegasus" über WhatsApp-Anrufe auf den Smartphones der Betroffenen verteilt wurde. Der WhatsApp-Anruf soll den Opfern nicht einmal angezeigt worden sein. Die Manipulation spielte sich den Vorwürfen zufolge komplett im Hintergrund ab - wäre also ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen von WhatsApp. Neben diesem Verstoß wirft WhatsApp NSO Computerbetrugs und Hausfriedensbruchs vor. Die Klage wurde bei einem kalifornischen Gericht eingereicht.

Christian Mihr, Chef von "Reporter ohne Grenzen", lobte zuletzt das Vorgehen des Facebook-Tochterunternehmens WhatsApp: "Jede Schwachstelle in solchen Produkten stellt nicht nur die Privatsphäre von Millionen oder gar Milliarden Menschen infrage, sondern setzt auch Journalistinnen und ihre Informanten unabsehbaren Gefahren aus." Mihr ermutigte andere Technologieunternehmen auf, WhatsApps Beispiel zu folgen und ein "entscheidendes Signal gegen Überwachungsexzesse" zu setzen.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren