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Wegen Tiktok-Videos: Jugendliche "kopieren" psychische Störungen - Experten sehen Probleme

Auf TikTok kursieren aktuell viele Videos, in denen Jugendliche psychische Störungen kopieren. Fachleute stellt das vor eine große Herausforderung.
Ein Junge hält sein Handy unter der Schulbank und tippt eine Nachricht.
Immer mehr Jugendliche "kopieren" psychische Störungen - das sorgt für Probleme. Foto: Monkey Business Images/Colourbox.de
  • Es gibt immer mehr TikTok-Videos rund um psychische Erkrankungen
  • Viele Jugendliche kopieren die Störungen
  • Aufmerksamkeit und mangelnde Aufklärung sind die Ursache

Der Begriff Mental Health hat sich in den letzten Jahren auch hierzulande durchgesetzt und viele Menschen zunächst für die psychische Gesundheit sensibilisiert. Das ist eigentlich eine positive Entwicklung, doch auf TikTok werden immer mehr Videos veröffentlicht, in denen Jugendliche eigene psychische Störungen festhalten. Diese werden wiederum von vielen weiteren jungen Menschen konsumiert, was einen negativen Effekt haben kann.

Darum geht es

Wie der Tagesanzeiger berichtet, scheinen Videos oder Clips, die sich psychische Leiden zum Thema gemacht haben, einen negativen Effekt auf jugendliche Konsument*innen zu haben. Erforscht wurde dieses Verhalten nun vom Unispital Lausanne. Durch die Konfrontation entstehen laut Fachleuten vermehrt psychische Auffälligkeiten bei den Nutzer*innen, die solche Inhalte schauen.

Wie die Zeit berichtet, werden die Leiden kopiert, was für Psycholog*innen nur schwer zu unterscheiden ist, im Vergleich zu einer tatsächlichen Erkrankung. Der Begriff Mental Health steht eigentlich für die individuelle psychische Gesundheit. Dabei wird der Zustand des Wohlbefindens beschrieben. Doch immer häufiger wird der Begriff negativ assoziiert.

Statt Mental Health mit psychischer Gesundheit zu assoziieren, verstehen es viele Jugendliche als psychische Erkrankungen. Immer häufiger berichten unterschiedliche Psycholog*innen, dass Patient*innen angeben, sie würden an Mental Health leiden. Grund dafür sind unter anderem die sozialen Medien.

Das passiert auf TikTok

Gerade auf TikTok gibt es mittlerweile viele User*innen, die ihre psychischen Probleme beschreiben und dokumentieren. Diese Videos gehen häufig viral, vor allem bei Themen rund um ADHS. Doch auch Autismus und weitere Arten von psychischen Störungen sind beliebt.

Im Frühjahr 2022 wurden Videos rund um diese Themen über 50 Milliarden mal geschaut. Psycholog*innen werden aktuell immer häufiger von jungen Menschen kontaktiert, die psychische Auffälligkeiten haben, die, so die These, aus dem Konsum der Videos resultieren beziehungsweise kopiert werden.

Beispielsweise wurde am Unispital Lausanne eine Zunahme an Tourette-Syndrom ähnlichen Tics bei jungen Frauen zwischen 14 und 17 Jahren festgestellt. Doch diese Erkrankung manifestiert sich bereits im Alter zwischen drei und acht Jahren und das vor allem bei Jungen. Die Mädchen passen nicht in diese Altersklasse und haben im Vorfeld noch nie Anzeichen für eine Tourette-Erkrankung gezeigt.

Das Problem hinter diesem Trend

Das British Medical Journal vermute dahinter die sogenannte "soziale Ansteckung", die aus dem Konsum sozialer Medien resultiert. Wer immer wieder mit Symptomen psychischer Erkrankungen konfrontiert wird, entdeckt diese plötzlich auch an sich selbst.

Werden diese Leiden kopiert und selbst in den sozialen Medien veröffentlicht, dann sind die Reaktionen darauf in der Regel positiv: Nutzer*innen erhalten Aufmerksamkeit und bekommen Zuspruch. Diese Videos dienen dann als weiterer Multiplikator.

Absprechen, dass beispielsweise die Gruppe von Mädchen tatsächlich unter einer psychischen Störung leiden, möchten die Fachleute nicht: Hinter imitierten Krankheiten steckt häufig eine Angststörung. Das ist jedoch selbst für erfahrene Psycholog*innen nur schwer herauszufinden.

Fazit

Dass solche Videos in den sozialen Medien geteilt werden, lässt sich nicht verhindern. Durch Bildung und frühzeitige Aufklärung können die Themen von jungen Menschen jedoch anders eingeordnet werden. Dann kann der Trend rund um Mental Health tatsächlich Positives bezwecken: Nämlich dann, wenn fundiert über Erkrankungen berichtet wird, in einem wissenschaftlichen Kontext.