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Geheimfunktion bei WhatsApp: Diesen praktischen Trick kennen die Wenigsten

Das massenhafte Weiterleiten von WhatsApp-Nachrichten ist Geschichte: Anfang 2019 wurde die Funktion begrenz. Seither kann man Nachrichten nur noch an maximal fünf Kontakte weiterleiten. Es gibt allerdings einen Möglichkeit, diese Deckelung auszuhebeln.
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WhatsApp hat Anfang des Jahres 2019 die Funktion beschränkt, Nachrichten an Kontakte weiterleiten zu können. Symbolfoto: Tracy Le Blanc/pexels.com
WhatsApp hat Anfang des Jahres 2019 die Funktion beschränkt, Nachrichten an Kontakte weiterleiten zu können. Symbolfoto: Tracy Le Blanc/pexels.com

WhatsApp-Funktionen gibt es viele - doch diese kennt fast niemand: Seit Anfang 2019 hat der Messenger-Dienst WhatsApp das Weiterleiten von sämtlichen Nachrichten gedeckelt. An maximal fünf Kontakte kann eine Nachricht nun nur noch verschickt werden. WhatsApp begründete diese Neuerung mit dem Kampf gegen Fake News im Messenger-Dienst. Doch diese Deckelung lässt sich mit einer Funktion umgehen, die noch weitestgehend unbekannt ist. Zudem gibt es eine weitere Alternative.

So klappts: WhatsApp-Nachrichten an mehr als fünf Kontakte weiterleiten

Die sehr hilfreiche und noch relativ unbekannte Funktion heißt "WhatsApp-Broadcast-Liste". Mit diesem Feature lässt sich die Deckelung im Messenger-Dienst praktisch umgehen. Nachrichten lassen sich so an bis zu 256 WhatsApp-Kontakte verschicken. Und so gehts:

  • Wählen Sie "Chats" aus.
  • Falls Sie ein iPhone nutzen, wählen Sie zunächst links oben "Broadcast Listen" aus. Tippen Sie anschließend weiter unten auf "Neue Liste". Falls Sie ein Android-Smartphone nutzen, wählen Sie oben rechts die drei Punkte, das "Burger-Menu" aus und tippen danach auf "Neuer Broadcast".
  • Über das Plus-Symbol (+) können Sie Kontakte, die in ihrer Broadcast-Liste enthalten sein sollen, hinzufügen.
  • Haben Sie mindestens zwei Ihrer WhatsApp-Kontakte hinzugefügt, ist es möglich, rechts oben "Erstellen" auszuwählen.
    • Ist die neue "Broadcast-Liste" erstellt, können Sie die Nachricht, die Sie weiterleiten wollen, in die Liste einfügen - ganz einfach, indem Sie diese aus dem eigentlichen Chat herauskopieren. Wird die Nachricht abgesendet, erhalten alle ausgewählten und in der Broadcast-Liste enthaltenen Kontakte die weitergeleitete WhatsApp-Nachricht.

       

      Der Unterschied zwischen einer Broadcast-Liste und einem Gruppenchat ist, dass nicht alle ausgewählten Nutzer die Antwort auf die weitergeleitete Nachricht erhalten. Zudem können zur Liste hinzugefügte Nutzer nicht sehen, welche weiteren Nutzer auf darauf stehen. Gruppenchats sind eine Alternative zur Broadcast-Liste. Der Gruppenchat ist eine gängige Variante, via WhatsApp mit mehreren Nutzern gleichzeitig im Austausch zu stehen und zu interagieren.

      Weiterleiten: WhatsApp sagt Fake-News den Kampf an

      Die Weiterleitungsfunktion wurde durch WhatsApp massiv eingeschränkt: In der Vergangenheit war es möglich, Nachrichten an bis zu 20 Kontakte gleichzeitig weiterzuleiten. Mit der Deckelung reagierte Facebook, der Konzern, der hinter WhatsApp steckt, auf anhaltende Falschmeldungen, sogenannte "Fake News", die via WhatsApp kursierten. Als Paradebeispiel hierfür gilt der Wahlkampf in Brasilien im Herbst 2018. Damals wurde Wahlkampf mit gekauften WhatsApp-Nachrichten betrieben. Der heutige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro initiierte darin eine Onlinekampagne im großen Stil, mit der Stimmung gegen seinen Konkurrenten Fernando Haddad gemacht wurde. Die brasilianische Zeitung Folha de São Paulo erhob die schwerwiegenden Vorwürfe gegen Bolsonaro und deckte den Skandal auf. Die zahlreichen WhatsApp-Nachrichten sollen durch diverse Digitalagenturen verschickt worden sein.

      WhatsApp reagierte auf die Vorwürfe, indem es Profile, die mit Marketing- und Digitalagenturen verknüpft waren, sperrte. Diese wurden für den massenhaften Versand der WhatsApp-Nachrichten verantwortlich gemacht. Facebook mahnte die Dienstleister zudem ab. Darüber berichtete unter anderem Spiegel Online. Die oberste Wahlbehörde Brasilien machte indes auch WhatsApp Vorwürfe, Anteile an der Fake News-Verbreitung im Wahlkampf 2018 zu haben. Deshalb wurden Ermittlungen wegen möglicher Wahlmanipulation eingeleitet. Die brasilianische Bundespolizei ermittelt gegen die beteiligten Digitalagenturen.

      Doch nicht nur in Südamerika ereigneten sich Vorfälle, die WhatsApp zur Deckelung der Weiterleitungsfunktion bewogen. In Indien sorgte eine Welle von Lynchmorden, die im Zusammenhang mit falschen WhatsApp-Nachrichten standen, für Aufregung. Im Sommer 2018 wurden via WhatsApp Nachrichten verbreitet, die beinhalteten, dass Kindesentführer in Indien unterwegs seien. Aufgebrachte Menschengruppen griffen daraufhin wahllos Unschuldige an. Dabei kam es zu zahlreichen Todesfällen, wie die Tagesschau berichtet.

      Über WhatsApp verbreitete sich ein Aufklärungsvideo aus Pakistan, das über allgemeine Gefahren von Kindesentführungen berichtete. Problem daran: Über den Messenger-Dienst wurde nur ein Ausschnitt verschickt, der einen Motorradfahrer zeigt, wie er gewaltsam ein kleines Kind mitnimmt. Wie der Deutschlandfunkberichtet, nutzen in Indien circa 200 Millionen Menschen den Messenger-Dienst WhatsApp: Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer.

      Kommentar von Tobias Utz: Deshalb ist Medienerziehung so wichtig

      Die Vorfälle aus Indien und Brasilien zeigen, welch große Reichweite der Messenger-Dienst WhatsApp besitzt. Dieser Reichweite entspringen nicht nur Möglichkeiten und Wege zu kommunizieren, sich auszutauschen und auf dem neuesten Stand zu sein, sondern auch Risiken, die fatale Folgen haben können, wie die angesprochenen Beispiele zeigen.

      Heute besitzt bereits jeder dritte Acht- beziehungsweise Neunjährige in Deutschland ein Smartphone. In der Altersgruppe der 12- bis 13-Jährigen haben 95 Prozent eines. Dies geht aus Untersuchungen des Marktforschungsinstituts statista hervor. Auch die Kinder-Medien-Studie aus dem Jahr 2018, die unter anderem von Zeit Online in Auftrag gegeben wurde, zeigt, dass 93 Prozent aller 13-Jährigen ein Handy oder Smartphone besitzen.

       

      Die Zahlen verdeutlichen, welcher Stellenwert der Medienerziehung zu Teil wird: Die frühzeitige Sensibilisierung für den Umgang mit Smartphones ist somit unerlässlich. Meiner Meinung nach, sollte jedem Kind, das ein Smartphone bekommt, klar gemacht werden:

      • Das Internet ist kein rechtsfreier Raum! Was beispielsweise via WhatsApp verbreitet wird, kann im Zweifelsfall gegen jemanden verwendet werden.
      • Persönliche Daten sind sensibel! Wer in Messenger-Diensten zu viel von seiner Persönlichkeit Preis gibt, kann schnell in Fallen tappen. Ein intimes Foto kann sich zum Beispiel rasend schnell in WhatsApp-Gruppen oder über die Funktion der Broadcast-Liste verbreiten.

       

      Deshalb: Auch wenn die Weiterleitungsfunktion durch die Broadcast-Liste umgangen werden kann, ist diese mit Vorsicht zu genießen. WhatsApp hat die Deckelung der Kontakte nicht ohne Grund beschlossen. Allerdings bietet die bisher relativ unbekannte Funktion auch Vorteile. Sie erspart beispielsweise, zahlreiche Leute bei WhatsApp einzeln anzuschreiben.

      Lesen Sie zusätzlich auf inFranken.de: Whatsapp droht von Huawei-Smartphones zu verschwinden - Telekom zieht Konsequenz

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