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Der neueste Trend im Internet: "FaceApp" - So gefährlich ist die App tatsächlich für unsere Daten

In den sozialen Netzwerken sieht man es momentan überall: Gesichter, die anscheinend plötzlich um Jahrzehnte gealtert sind. Grund ist allerdings kein ungesunder Lebensstil, sondern eine russische App. Doch wie gefährlich ist "FaceApp" wirklich?
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"FaceApp" ist beliebter denn je. Doch stellt die App eine Gefahr für unsere Daten dar? Symbolfoto: Emmi Korhonen/Lehtikuva/dpa
"FaceApp" ist beliebter denn je. Doch stellt die App eine Gefahr für unsere Daten dar? Symbolfoto: Emmi Korhonen/Lehtikuva/dpa

"FaceApp" im Check: In den sozialen Netzwerken kann man gerade überall Bilder von älteren Gesichtern sehen. Schuld daran ist die russische App "FaceApp", die Selfies innerhalb weniger Sekunden um Jahrzehnte altern lässt. Laut des Online-Magazins "Meedia" kommt der "FaceApp"-Hype ursprünglich aus Japan. Von dort breitete sich der Trend bis zu uns nach Europa aus. Auch Promis haben die App schon für sich entdeckt: Der amerikanische Rapper Drake und der britische Sänger Sam Smith haben Bilder von sich hochgeladen, auf denen sie mit graue Haaren, Falten und Altersflecken zu sehen sind.

Wie macht die App das?

Laut Jaroslaw Gontscharow, dem Entwickler der App, beruht die Bildmanipulations-Software von "FaceApp" auf künstlicher Intelligenz. Wie das genau funktioniert, gibt er allerdings nicht bekannt. Man kann sich in der App auch jünger machen, einen Bart wachsen lassen oder testen, wie man als Mann beziehungsweise Frau aussähe. Diese Features sind alle in der kostenlosen Basisversion enthalten. Für weitere Optionen muss man bezahlen.

Alles neu?

Obwohl die App bereits seit 2017 im App-Store verfügbar ist, ist der Hype um sie erst jetzt ausgebrochen. Auch damals kursierten schon Bilder von gealterten Bildern im Internet. Allerdings hat sich die Technologie der App in den vergangenen zwei Jahren strak verbessert, was vielleicht der Grund dafür ist, dass der Trend erst 2019 losgerollt ist. Die Anwendung ist zurzeit sowohl im Apple App-Store als auch im Google Play Store auf Platz eins der Deutschen App-Charts.

Kritik an der App

Datenschützer bemängeln, dass die App die Bilder nicht etwa lokal auf dem Smartphone bearbeitet, sondern diese auf einem externen Server hochgeladen und dort manipuliert werden. Es handle sich laut des russischen Unternehmens auch nicht um einen russischen Server, sondern um US-kontrollierte Cloud-Server, die von Amazon und Google gestellt worden seien. "Forbes" sagte der Gründer außerdem, dass die meisten Bilder innerhalb von 48 Stunden wieder gelöscht werden würden. Man könne das auch manuell in den Einstellungen festlegen.

Auch mit Rassismus-Vorwürfen wurde die App schon konfrontiert, da ein sogenannter "Hot"-Filter die Haut der Nutzer sehr viel heller machte, was laut den Nutzern, ein falsches Schönheitsideal vermittle. Die Entwickler reagierte darauf und gaben dem Filter einen neuen Namen.

Sammelt die App Daten?

Ja, das tut sie! Die App speichert nicht nur das Bild, das man bearbeiten möchte, sie merkt sich auch die IP-Adresse und Informationen über das Nutzerverhalten, wie man in den Datenschutzbestimmungen nachlesen kann. Die Daten werden später für personalisierte Werbung verwendet. Der App-Anbieter verspricht zwar, dass die Informationen über die Nutzer nicht an Dritte weiterverkauft würden, behält sich im Fall eines Verkaufs der App aber eine Übergabe der Nutzerdaten an einen Käufer vor.

Öffentliche Stimmen

In Amerika äußern sich gerade viele kritische Stimmen zu der Applikation. Viele fürchten sich vor der russischer Einflussnahme. Der US-Senat hat das FBI sogar schon zu einer Untersuchung der App aufgefordert. Es wird befürchtet, dass die Anwendung ein Sicherheitsrisiko für die amerikanischen Bürger birgt.

Auf Twitter veröffentlichte der Demokrat Chuck Schumer:"Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyber-Angriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist."

Auch Ulrich Kelber, Bundesdatenschutzbeauftragter, warnt am Donnerstag (18. Juli 2019) bei "SWR Aktuell", dass "wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten könnten." Außerdem sollen sich die App-Entwickler an die grundlegendsten Regeln des Datenschutzes halten. Auch die Polizei Mittelfranken ruft zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der App auf auf Twitter auf:

Besteht Gefahr für meine Daten?

Die App wurde mittlerweile von mehreren Sicherheitsexperten untersucht und es konnten keine auffälligen Datenströme gefunden werden. Außerdem kann keine persönliche Zuordnung stattfinden, solange man die App nicht mit Facebook, Instagram und Co verknüpft. Die Daten landen auch nicht, wie viele befürchten in Russland, sondern auf amerikanischen Servern. Die Datenschutzbestimmungen sind in manchen Punkten zwar fragwürdig aber nicht ungewöhnlich.

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