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Datensammler Facebook: Neue Funktion zeigt, wie Nutzer im Internet verfolgt werden

Facebook verfolgt nahezu alle unsere Aktivitäten: Egal ob wir angemeldet sind oder nicht, viele Websiten leiten Daten an das Social-Network weiter. Selbst wenn wir möglichst viele Funktionen deaktivieren, sammelt Facebook fleißig weiter. Sind wir machtlos?
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Facebook gibt vor transparenter mit Nutzerdaten umzugehen - die neueste Funktion: "Aktivitäten außerhalb von Facebook" soll zeigen woher Facebook seine Daten bekommt. Nützlich oder nur Schein? Symbolfoto: Jens Büttner, dpa
Facebook gibt vor transparenter mit Nutzerdaten umzugehen - die neueste Funktion: "Aktivitäten außerhalb von Facebook" soll zeigen woher Facebook seine Daten bekommt. Nützlich oder nur Schein? Symbolfoto: Jens Büttner, dpa

Der Verkauf und das Sammeln von Daten und die Beeinflussung von Wahlen sind schwere Vorwürfe gegen Facebook. Das Unternehmen hat daher versprochen, den Nutzern mehr Einblick in die eigenen Daten zu geben. Eine Antwort auf die Intransparenz ist die Funktion: "Aktivitäten außerhalb von Facebook".

Dass das Soziale Netzwerk viele Daten sammelt, ist mittlerweile bekannt, nicht so wirklich aber, welche Infos das sind und woher diese kommen. Mit der neuen Funktion sollen Nutzer nun einen Einblick in den Datenpool erhalten und die Berechtigungen von Facebook einschränken können. Aber bringt das was?

Wie finden Sie die "Off Facebook Activity"-Funktion?

Facebook hat die neue Funktion allerdings tief im Einstellungs-Dschungel versteckt. Je nachdem auf welchem Gerät man Facebook nutzt, gibt es verschiedene Wege zur neuen Funktion:

  • Am Computer: Pfeil oben rechts > Einstellungen > in der linken Spalte "Deine Facebook Informationen" > "Aktivitäten außerhalb von Facebook"
  • Im Handy-Browser: Burgermenü/drei Striche oben rechts > Einstellungen > Im Unterpunkt "Deine Facebook Informationen" finden Sie "Aktivitäten außerhalb von Facebook"
  • In der Facebook-App: Burgermenü/drei Striche oben rechts > Einstellungne und Privatsphäre > Einstellungen > "Aktivitäten außerhalb von Facebook"
  • Oder einfach über den Link:https://www.facebook.com/off_facebook_activity/
  • Auf diesem Weg gelangt man zur Überblicksseite, auf der man einerseits erklärt bekommt was "Aktivitäten außerhalb von Facebook" überhaupt sind und wie der Ablauf grob funktioniert. Zu Beginn allerdings findet man das Interessanteste: Klickt man auf die kleinen Logos auf dem Seitenanfang sieht man - fast alle - Seiten, von denen Facebook Daten über unsere Nutzung bekommt.

    Und das sind eine ganze Menge: In der inFranken.de-Redaktion reichte die Spanne von 220 bis über 450 Seiten, von denen Facebook Daten erhält. Und das sogar, obwohl die Daten nur 180 Tage zurückreichen, erklärt Stiftung Warentest.

    Was sieht man in der neuen Funktion?

    Auf der "Aktivitäten außerhalb von Facebook"-Übersicht sieht man nun alle Apps und Websites, die Aktivitätsinformationen teilen. Das können beispielsweise Nachrichten-Seiten, Online-Shops oder Apps sein - klickt man auf eine der Seiten sieht man wie oft Interaktionen (beispielsweise die App öffnen, über Facebook anmelden, etwas kaufen) stattfanden, und welche Aktivitäten "mithilfe der Facebook Business-Tools geteilt" werden.

    Dabei verweist das Unternehmen im Speziellen darauf, dass die Daten lediglich für personalisierte Werbung verwendet werden, und personenbezogene Daten niemals an die beteiligten Seiten weitergeleitet oder verkauft würden.

    Weiter heißt es bei Facebook aber: "Wir erhalten mehr Details und Aktivitäten als hier angezeigt". Und da liegt das Problem. Man sieht zwar von welchen Seiten Daten geliefert werden, wie oft man diese aufgesucht und wann man die Berechtigung erteilt hat, aber welche Informationen Facebook genau bekommt erfährt man nicht.

    Kann man Facebook vom Datensammeln abhalten?

    Wenn man nicht möchte, dass Facebook Daten von meiner Nutzung sammelt, kommt man allerdings an die Grenzen: Zwar kann man deaktivieren, dass künftige Aktivitäten außerhalb von Facebook mit dem eigenen Konto verknüpft werden - diese werden dann entkoppelt - allerdings gleicht das einem zahnlosen Tiger.

    Denn versucht man die weitere Verknüpfung zu verhindern, kommen gleiche mehrere Warnhinweise - Facebook schreibt: "Wir erhalten weiterhin Informationen zu deinen Aktivitäten von Unternehmen und Organisationen, mit denen du interagierst." Letztendlich passiert also nichts, außer, dass weitere Interaktionen nicht mit dem spezifischen Facebook-Profil verknüpft werden.

    Zudem kann es sein, dass man bisherige Apps, die mit dem Konto verbunden waren nicht weiter nutzen kann, oder auch dass der Vorgang bis zu 48 Stunden dauern kann, warnt Facebook. Die Folge des ganzen ist zudem lediglich, dass der Nutzer nicht mehr so individualisierte Werbung angezeigt bekommt.

    Gute Erweiterung oder eher Täuschung?

    Wenn man sich mit der neuen "Aktivitäten außerhalb von Facebook"-Funktion beschäftigt, erscheint es durchaus interessant zu sehen, woher Facebook seine Daten bekommt. Letztendlich wird man allerdings doch nicht wirklich schlauer und man hat lediglich die Möglichkeit die Datensammlung einzuschränken - jedoch nicht zu verhindern.

    Die Funktion vermittelt also zwar, dass man die Kontrolle über seine Daten hat, allerdings wird nicht so ganz klar, wie weitreichend diese Maßnahmen sind. Kritik kann also durchaus geäußert werden, da der Nutzer Facebook nicht davon abhalten kann Daten zu sammeln.

    Daten im Tausch gegen Analysetools

    Eine weitere Frage lautet zudem: Wieso geben so viele Websites einfach Daten an Facebook weiter? Die Antwort ist jedoch relativ leicht: Facebook bietet den Website-Betreibern, seien es Blogs, Webshops oder ähnliches, kostenlose Werkzeuge "Business-Tools" an, mit denen die Arbeit erleichtert, das Nutzererlebnis verbessert und die Auswertung von Daten erleichtert wird. Die einzige Gegenleistung: Facebook bekommt dafür relevante Nutzerdaten im Tausch.

    Durch dieses Angebot hat es Facebook in den letzten Jahren geschafft, nahezu überall und auf jeder Seite eingebunden zu sein. "Aktivitäten außerhalb von Facebook umfassen Informationen, die Unternehmen und Organisationen über deine Interaktionen mit dem Unternehmen teilen", schreibt Facebook.

    Ein praktisches Beispiel, das vermutlich jeder kennt: Besucht ein Nutzer eine Website und sieht sich beispielsweise weiße Schuhe an, kann es sehr wahrscheinlich passieren, dass der gleiche Nutzer die selben Schuhe in den nächsten Tagen auf Facebook - oder auch bei Instagram - als Werbeanzeige ausgespielt bekommt. Dieser Vorgang ist erst durch den Datenaustausch möglich und wird mit "personalisierter Werbung" gerechtfertigt.

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