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Geldanlage

So sichern Sie Ihre Rente: Welche private Geldanlage ist noch rentabel?

Viele halten private Altersvorsorge für ein Glücksspiel. Dabei ist es nur Mathematik. Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern erklärt, wie's geht.
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Tatjana Balzer, Fotolia
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Wer seinen Lebensstandard im Alter halten möchte, braucht private Altersvorsorge. Die gesetzliche Rente beträgt bestenfalls 48 Prozent des letzten Nettoeinkommens. "Der Staat hat sich von der Finanzindustrie leider dazu verleiten lassen, zu viele unterschiedliche Produkte zu fördern", sagt Merten Larisch, Projektleiter Altersvorsorge der Verbraucherzentrale Bayern.

Riester und Entgeltumwandlung

Der Verbraucherzentrale zufolge rechnen sich Riester-Rente und betriebliche Entgeltumwandlung nur, wenn mindestens die Hälfte des Sparbeitrages vom Staat oder Arbeitgeber kommen. Sonst fressen im Alter geringere gesetzliche Rente, nachgelagerte Besteuerung und Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherung die heutigen Einsparungen bei Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen wieder auf. Der Abschluss einer Rürup-Rente ist aufgrund der Nichtvererb- und Nichtkapitalisierbarkeit nicht zu empfehlen. "Alle Altersprodukte, die über eine provisionsvergütete Vermittlung laufen, schmälern die Rendite drastisch. Das betrifft Renten-, Kapitalversicherungen und gemanagte Fonds. Auch wenn sie über Riester oder betriebliche Entgeltumwandlung gefördert werden."

Eigenheim als Altersvorsorge bedingt sinnvoll

Das Eigenheim ist Larisch zufolge als Altersvorsorge nur sinnvoll, wenn der finanzielle Rahmen stimmt: Ausgaben für Reparaturen und Modernisierungen und laufende Kosten wie Grundsteuer und Gebäudeversicherung werden oft unterschätzt. Außerdem ersetzt die eingesparte Miete meist nicht in vollem Maß den nötigen Einkommensbedarf aus privater Altersvorsorge. Und der wird in einem Finanzplan ermittelt.

Schritt 1: Finanzplan erstellen

1. Kostenermittlung: Listen Sie Ihre aktuellen, monatlichen Ausgaben auf: Wohnen, Ernährung, Haushalt, Auto/Verkehr, Kleidung, Telefon, Freizeit, Kinderbetreuung. Ein Haushaltsbuch zu führen, ist hilfreich. Jährliche Beträge rechnen Sie auf die Monatsbelastung um. Planen Sie auch unregelmäßige Ausgaben ein: Urlaub, Reparaturen, wichtige Anschaffungen wie eine neue Waschmaschine, die Zuzahlung bei Gesundheitskosten.

Versichern Sie existenzielle Risiken! Kranken-, Haftpflicht- und Berufsunfähigkeit, bei Familien Risiko- und Kinderinvaliditätsversicherung schützen den Lebensstandard bis Rentenbeginn und Ihre Möglichkeit, für's Alter vorzusorgen. Koppeln Sie Berufsunfähigkeitsschutz nicht an Kapitallebens-, Renten- oder Rürupversicherungen! Versicherungsbeiträge in die Planung einrechnen.

Ergebnis ist der Betrag, den Ihr jetziger Lebensstandard netto kostet. 2.Kostensimulation: Ziehen Sie von den heutigen Kosten ab, was im Alter wegfällt: z.B. Beiträge für Berufsunfähigkeitsversicherung, Ausgaben für die Fahrt zur Arbeit, Zweitauto, Kreditraten für's Haus, das bis dahin bezahlt ist, Kosten für die Kinder, die dann auf eigenen Beinen stehen. Rechnen Sie wahrscheinliche Mehrausgaben hinzu: Krankheitsrestkosten, Dienstleistungen.

Schlagen Sie pauschal zehn Prozent Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und 20 Prozent Steuern auf die Rente drauf. Wer diese Zusatzbelastungen genauer wissen möchte, wendet sich an Krankenkasse und Steuerberater. Die Summe rechnen Sie mit zwei Prozent Inflation für jedes Jahr bis zum Renteneintritt hoch. Dabei helfen Online-Rechner wie www.zinsen-berechnen.de.

Das Ergebnis ist der Betrag, den Ihr jetziger Lebensstandard später etwa kosten wird. "Mit einigen lässlichen Ungenauigkeiten", betont Larisch. 3.Versorgungslücke berechnen: Aus der jährlichen Renteninformation entnehmen Sie Ihre spätere gesetzliche Rente. Informieren Sie sich bei (früheren) Arbeitgebern über die Höhe der Betriebsrenten und rechnen Sie Einnahmen aus bereits vorhandenen Altersvorsorge-Anlagen hinzu. Wenn Sie das Gesamteinkommen im Alter berechnet haben, sehen Sie im Vergleich zu den Kosten, wie viel Geld Ihnen monatlich fehlt. 4. Sparrate ermitteln: Berechnen Sie mit dem "Vorsorgerechner" auf www.zinsen-berechnen.de, wie viel Kapital Sie beim Rentenbeginn brauchen, um die Einkommenslücke bis beispielsweise zum 95. Lebensjahr decken zu können. Rechnen Sie eine jährliche Steigerung von zwei Prozent für die Inflation ein ("dynamische Entnahme"). So ermitteln Sie, wie hoch die Soll-Sparrate ist, wie viel Sie also monatlich zurücklegen müssen. Als Ansparzins setzen Sie eine Renditeerwartung ein, die Ihrem Anlegerprofil entspricht (zwei bis fünf Prozent nach Abzug von 0,3 Prozent jährlichen Kosten).

Kommt heraus, dass Sie das nicht finanzieren können, müssen Sie den Rotstift ansetzen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Sie streichen Kostenpunkte bei Ihrem aktuellen Lebensstandard, um eine höhere Sparrate zu ermöglichen. Und: Sie nehmen Abstriche beim künftigen Lebensstandard in Kauf. Grundsätzlich gilt: Keine Schulden machen, Kredittilgung geht vor Altersvorsorge!

Schritt 2: Geldanlagen wählen

Den errechneten monatlichen Sparbetrag teilen Sie in einen konservativen und einen Aktien-Anteil auf. In welchem Verhältnis, richtet sich nach Ihrer persönlichen Risikoneigung und der Zeit, die bis zum Renteneintritt bleibt. Larisch weist darauf hin, dass es im Interesse der Finanzdienstleister liegt, Anlage- und Vorsorgeprodukte zu verkomplizieren. "Tatsächlich werden mit einfachen und kostengünstigen Anlagemodellen langfristig höhere Renditen erzielt."

1.Konservative Geldanlage:

Die Verbraucherzentrale empfiehlt verzinste Banksparpläne mit festen Raten. Aufgrund ihrer Personalkosten können Filialbanken in der Regel nur niedrigere Zinsen bieten. Das Produkt sollte nach dem höchsten Zinssatz ausgewählt werden, dabei helfen Vergleichsportale wie www.biallo.de. Achten Sie auch auf starke Einlagensicherung und flexible Laufzeiten, die zur Lebensplanung passen.

Im jetzigen Zinstief sollte nicht in Anleihen, Renten- und Mischfonds investiert werden. Sie können bei einem Anstieg der Zinsen zu leicht negativen Renditen führen. 2. Aktien-ETF-Indexfonds: Als Reditekomponente eignet sich der Aktienmarkt. Seine Kursschwankungen spielen langfristig eine geringe Rolle und sollen durch die konservative Geldanlage aufgefangen werden. "Langfristig gesehen hat der Aktienmarkt Krisen und Kriege überstanden und ist die renditestärkste Geldanlage", sagt Larisch. Die Verbraucherzentrale empfiehlt EFT-Indexfonds (englisch exchange-traded fund). Das sind börsengehandelte Fonds, die den Aktienmarkt in der Form eines Index abbilden. Besser als der Deutsche Aktienindex DAX ist ein breit gestreuter weltweiter Index: beispielsweise MSCI World, FTSE All-World, MSCI ACWI. Wem der Anteil der USA in einem Weltaktienindex zu hoch erscheint oder wer das Währungsrisiko senken möchte, kann als Beimischung einen ETF auf MSCI Europe oder DJ Stoxx 600 hinzufügen. Einen Teil der Sparrate in einen ETF auf den MSCI Emerging Markets zu sparen, bedeutet, auf die zukünftig wachsende wirtschaftliche Rolle der Schwellenländer zu setzen.

Solche ETF-Indexfonds können als Sparplan geführt werden: Der Sparer vereinbart mit der Bank, wieviel er monatlich in ETF-Anteile stecken will. Die Beiträge können jederzeit geändert oder ausgesetzt werden. Kosten reichen je nach Bank von Null bis zwei Prozent pro Rate.

Im Gegensatz zu ETF hält Larisch nichts von gemanagten Investmentfonds. Manager können Fehler machen. Und hohe Verwaltungskosten schmälern die Rendite. Die größte Gefahr bei Aktien sieht Larisch in der psychologischen Komponente beim Anleger: "Kursausschläge machen die Menschen verrückt. Sie haben Angst, dass sie aufpassen müssen, wenn der Kurs fällt, um rechtzeitig zu verkaufen. Das ist ein Fehler. Wenn die Anlagestruktur steht, müssen Sie sich nicht mehr darum kümmern."

Erst, wenn das Renteneintrittsalter naht, muss man über den Verkauf der Fonds nachdenken. Im Bankportfolio wird angezeigt, wie viel eingezahlt wurde und wie viel man jetzt dafür bekäme. Passt die Rendite nicht, wird auf Geld aus dem Banksparplan zurückgegriffen. Ist der Wert der Aktienfonds hoch, wird ein Teil verkauft. Das macht man peu à peu alle fünf bis zehn Jahre: Das Geld soll 30 oder 35 Jahre reichen - und so lange auch Rendite abwerfen.

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