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Schwangerschaft

Bluttest für Down-Syndrom: Soll die Krankenkasse den Test während der Schwangerschaft zahlen?

Der Gemeinsame Bundesausschuss wird bald darüber entscheiden, ob Bluttests auf Trisomie 21 künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Bislang mussten werdende Eltern für die Kosten der pränatalen Feststellung des Down-Syndroms selbst aufkommen.
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Der Gemeinsame Bundesausschuss wird bald darüber entscheiden, ob Bluttests auf Trisomie 21 künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Symbolbild: Uli Deck/dpa
Der Gemeinsame Bundesausschuss wird bald darüber entscheiden, ob Bluttests auf Trisomie 21 künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Symbolbild: Uli Deck/dpa

Dieses Thema bietet viel Zündstoff für Diskussionen - auf gesundheitlicher, aber auch auf ethischer Ebene. Die ehemalige Gesundheitsministerin und Lebenshilfe-Chefin Ulla Schmidt hat gefordert, eine gesellschaftliche Debatte über Bluttests bei Schwangeren zu starten. Genauer gesagt: Ob Krankenkassen für die Kosten solcher Tests aufkommen sollten. Mit den Bluttests können werdende Eltern erfahren, ob ihr Baby möglicherweise am Down-Syndrom leidet.

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"Es geht um die Frage: Wollen wir, dass bei allen schwangeren Frauen ein Bluttest auf Down-Syndrom des Kindes gemacht wird?", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Soll der Test als Reihenuntersuchung auf Kosten der Krankenkassen eingeführt werden?" Zehn Abgeordnete von Union, SPD, Grünen, FDP und der Linken hatten nun eine Diskussion über ethische Fragen bei Bluttests angestoßen. Am Freitag stellten die Parlamentarier in Berlin ein Positionspapier mit dem Titel "Vorgeburtliche Bluttests - wie weit wollen wir gehen?" vor.

Laufendes Verfahren zu Bluttests

Zudem läuft derzeit ein Verfahren des gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen. Das soll klären, in welchen Fällen solche Tests künftig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden könnten. Zu den Abgeordneten, die den Vorstoß unterstützen, gehören etwa Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, die Staatsministerinnen Monika Grütters und Annette Widmann-Mauz (alle CDU) und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

Doch Abgeordnete kritisieren, dass Menschen, die selbst am Down-Syndrom leiden, bislang nicht nach ihrer Meinung zu den Bluttests gefragt werden. Ziel der neu gestarteten Debatte sei es, ethische und gesetzgeberische Fragen zu diesen Diagnoseverfahren zu klären. Ulla Schmidt warnte, dass die Einführung der Bluttests als Reihenuntersuchung das Signal aussenden würde, das Down-Syndrom vermeiden zu müssen. Menschen mit Down-Syndrom würden sich dadurch abgewertet fühlen.

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"Eine standardmäßige Anwendung der Tests würde noch zu weiteren Problemen führen", sagte Schmidt. "Denn ein positives Testergebnis ist bei bis zu 18 Prozent der Frauen falsch. Es wird also in fast jedem fünften Fall Trisomie diagnostiziert, obwohl keine vorhanden ist." Bei einem Down-Syndrom haben die Menschen in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, daher auch die Bezeichnung Trisomie 21. Folgen sind körperliche Auffälligkeiten und eine verlangsamte motorische, geistige und sprachliche Entwicklung. Die Ausprägungen des Down-Syndroms können aber sehr unterschiedlich sein.

"Der Test sollte allenfalls in Risikofällen durchgeführt werden", sagte Schmidt. "Dazu bedarf es aber einer umfassenden Beratung und Aufklärung der Paare durch qualifizierte Ärztinnen und Ärzte, so wie es das Gendiagnostik-Gesetz bereits vorschreibt." Werdende Eltern müssten dann aber auch umfassend über das Leben mit einem Kind beraten werden, das am Down-Syndrom leidet. "Bei einer Indikation und nach Beratung soll der Test, wie bei anderen Verfahren auch, meiner Meinung nach dann auch von den Kassen übernommen werden", erläuterte Schmidt. Breite ethische Debatten im Parlament hätten auch in anderen Fällen, wie bei der Präimplantationsdiagnostik, zu bewussteren und verantwortungsvolleren Lösungen geführt - und zu besserer Beratung und Unterstützung für Betroffene.

Riskante Fruchtwasseruntersuchungen

Seit 2012 werden Schwangeren vorgeburtliche Bluttests angeboten, die unter anderem untersuchen, ob das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen würde. Lange hatte sich zuvor während der Schwangerschaft nur mit einer riskanteren Fruchtwasseruntersuchung abschätzen lassen, ob das Kind eines seiner Chromosomen drei- statt zweifach besitzt.



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