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Franken
Sterbehilfe-Reform

Sterbehilfe: Das ist in Deutschland erlaubt

Mit der Aufhebung des §217 StGB, ist die Beihilfe zum Suizid durch Ärzte gesetzlich erlaubt. Doch wie sehen die rechtlichen Grundlagen im Detail aus? Wir klären Sie in diesem Artikel auf, welche Sterbehilfe erlaubt und welche verboten ist.
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Gerechtigkeit,Gesetz
Seit diesem Jahr sind einige Formen der Sterbehilfe rechtlich erlaubt. Foto: WilliamCho/pixabay.com.

Das Bundesverfassungsgericht erklärte das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe (§217 StGB) im Februar 2020 für verfassungswidrig. Somit ist es Ärzten erlaubt, schwer kranken, sterbewilligen Patienten, bei deren medikamentösem Suizid zu assistieren. Der Artikel 217 StGB stand seit seiner Verabschiedung 2015 in der Kritik, die Autonomie von schwer kranken Menschen einzuschränken, ihr Leben friedlich zu beenden. Zudem sahen sich Ärzte sowohl in ihrer Berufs-, als auch in ihrer Gewissensfreiheit stark eingeschränkt. Berufen hat sich das Bundesverfassungsgericht letztendlich auf das Persönlichkeitsrecht: jedem steht es frei, zu entscheiden, ob er sterben möchte und sich dabei Hilfe zu holen.

Es ist also sehr deutlich, dass das Thema nach wie vor aktuell ist, Zustimmung zur Sterbehilfe findet man in allen Schichten, quer durch die Republik. Doch wie sieht die Rechtsgrundlage aus? Welche Formen von Sterbehilfe gibt es? Und was ist erlaubt? Wir beantworten Ihnen in diesem Artikel alle rechtlichen Fragen rund um die Sterbehilfe.

Sterbehilfe: Die Rechtsgrundlage in Deutschland

In Deutschland unterscheidet man in vier Formen der Sterbehilfe: der passiven, der aktiven, der assistierten und der indirekten Sterbehilfe. Nachfolgend stellen wir Ihnen diese vier Formen vor und erklären, welche rechtlich erlaubt und welche verboten sind.

  • Passive Sterbehilfe: erlaubt

In einer Patientenverfügung wird festgelegt, ob lebenserhaltende Maßnahmen ergriffen werden sollen, wenn der Betroffene weder entscheidungs- noch einwilligungsfähig ist. In diesem Fall wird dann beispielsweise eine künstliche Beatmung unterlassen oder keine Magensonde gelegt, die die Ernährung sicherstellt. Die Ärzte sind verpflichtet, sich an die Patientenverfügung zu halten, wenngleich das den Tod des Patienten bedeutet. Dieses Vorgehen wird auch als "passive Sterbehilfe" bezeichnet - Tod durch unterlassen von Hilfsmaßnahmen.

Und selbst, wenn der Patient keine Patientenverfügung angefertigt hat: erklärt er deutlich, dass er keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht, müssen sich die Ärzte daran orientieren. Auch wenn sich der Patient nicht mehr äußern kann, aber sicher davon auszugehen ist, dass er keine weitere Behandlung wünscht, darf passive Sterbehilfe geleistet werden. Alle Informationen rund um dieses Thema finden Sie in unserem Artikel, was Sie unbedingt bei Ihrer Patientenverfügung beachten sollten.

  • Aktive Sterbehilfe: verboten

Im Gegensatz zur passiven Sterbehilfe steht die aktive Sterbehilfe, die nach wie vor verboten ist. Das sind all jene Maßnahmen, die ergriffen werden, um das Leben eines Menschen aktiv zu beenden. Um aktive Sterbehilfe handelt es sich beispielsweise, wenn ein Arzt einem Patienten eine tödlich wirkende Menge eines Medikaments oder eine Spritze mit Gift verabreicht. Bei diesem Vorgehen handelt es sich um ein Tötungsdelikt, und dem Arzt droht eine Haftstrafe, selbst wenn es auf Wunsch des Patienten geschehen ist.

  • Assistierte Sterbehilfe: erlaubt

Anders sieht es wiederum bei der Beihilfe zum Suizid aus. Diese Form der aktiven Sterbehilfe bleibt straffrei - allerdings nur, wenn ein Einzelfall vorliegt. In diesem Fall besorgt ein Arzt einem Patienten zum Beispiel eine tödliche Menge an Medikamenten - der Patient nimmt diese jedoch selbst zu sich, der Arzt ist nur für die Beschaffung zuständig. Das Argument: Da Suizid straffrei ist, ist es die Beihilfe dazu auch.

  • Indirekte Sterbehilfe: erlaubt

Des Weiteren gibt es die indirekte Sterbehilfe. Hierbei ist es einem Arzt erlaubt, sehr starke Schmerzmittel zu verabreichen, selbst wenn diese das Leben des Patienten merklich verkürzen. Auch das ist nur straffrei, wenn der Patient dies ausdrücklich wünscht.

Fazit

Durch das Kippen des §217 StGB ist mittlerweile erlaubt, was ehemals verboten war: die passive Sterbehilfe, die assistierte Sterbehilfe und die indirekte Sterbehilfe. Nach wie vor verboten ist die aktive Sterbehilfe, also das Verabreichen eines tödlichen Medikaments durch einen Arzt. Positiv für all jene, die schwer krank sind und keine Chance auf Heilung haben, jedoch würdevoll sterben möchten. Außerdem werden Ärzte für die Beihilfe zum Suizid nicht mehr strafrechtlich verfolgt.

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