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Coronavirus

Homeoffice-Pflicht endet im Juli: Wie geht es für Arbeitnehmer und Unternehmen weiter?

Ende Juni läuft die Bundesnotbremse und damit auch die Homeoffice-Pflicht aus. Doch was bedeutet das für andere Corona-Regeln im Arbeitsalltag? Und könnte die Homeoffice-Pflicht wieder kommen?
 
Homeoffice-Pflicht endet - was gilt dann?
Die Homeoffice-Pflicht endet ab Juli - doch wie geht in Betrieben weiter? Welche Corona-Regelungen gelten dann? Foto: Sebastian Gollnow / dpa
  • Homeoffice-Pflicht endet zusammen mit Bundesnotbremse im Juli
  • Welche Corona-Regeln gelten dann in Unternehmen?
  • Kabinett wird am Mittwoch (23.06.2021) neue Corona-Arbeitsschutzverordnung beschließen
  • Deutscher Gewerkschaftsbund kritisiert Ende der Homeoffice-Pflicht
  • Homeoffice-Pflicht wieder im Herbst?

Arbeitgeber sind ab Juli nicht mehr dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Kanzleramtschef Helge Braun hat ein Ende der Homeoffice-Pflicht angekündigt. Die Homeoffice-Pflicht ist an die Bundesnotbremse gekoppelt, welche Ende Juni ausläuft. Aktuell gäbe es nach Braun keinen Grund die Bundesnotbremse zu verlängern. Dennoch sollen einige Corona-Regeln weiterhin in den Betrieben gelten.

Homeoffice-Pflicht läuft Ende Juni aus - was gilt dann noch in Unternehmen?

Für Unternehmen in Deutschland sollen trotz sinkender Ansteckungszahlen auch über den Sommer einige Corona-Regeln weiter gelten: Die Betriebe müssten weiterhin mindestens zweimal in der Woche ihren Beschäftigten Corona-Tests anbieten und nach wie vor auch bestimmte Hygieneregeln einhalten, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) am Donnerstag (17.06.2021) der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Diese Information geht ebenfalls aus dem Entwurf der neuen Arbeitsschutzverordnung des Bundesarbeitministeriums hervor.

Eine entsprechende Neufassung der Ende Juni auslaufenden Corona-Arbeitsschutzverordnung, die Vorgaben für Flächen, Abstände und Masken am Arbeitsplatz macht, soll nach Heils Angaben am kommenden Mittwoch im Kabinett final beschlossen werden. Man könne die Arbeitsschutzregeln mit Blick auf Corona ein Stück lockern, weil die Inzidenzen dies hergäben. "Aber ich sage trotzdem: Vorsicht an der Bahnsteigkante." Die Regeln schützten Beschäftigte und würden helfen Betriebe offen zu halten. Durch Tests am Arbeitsplatz behalte man das Infektionsgeschehen im Blick und im Griff.

"Wir werden die angepasste Arbeitsschutzverordnung so verlängern, dass der Schutz der Beschäftigten auch bei sinkenden Inzidenzen im Vordergrund steht", so Heil. Der Politiker betonte außerdem, dass eine Mischung aus Präsenzkultur und Homeoffice "das neue Normal" werde. 

Deutscher Gewerkschaftsbund gegen Ende der Homeoffice-Pflicht

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte das Ende der Homeoffice-Pflicht. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel bezeichnete es in der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten  als "absolut unverständlich", "dass die Union einer Verlängerung der Homeoffice-Regelungen nicht zugestimmt hat".

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Das Risiko sich zu infizieren, sei in geschlossenen Räumen deutlich höher als draußen. Daher mache es Sinn, in den nächsten Monaten nach wie vor an der Pflicht zum Homeoffice festzuhalten, sagte Piel. Erst "wenn nahezu alle Beschäftigten ein Angebot für eine vollständige Impfung gegen Covid-19 erhalten haben, muss neu diskutiert werden".

Auch der Arbeitsrechtler Arndt Kempgens sieht das Ende der Homeoffice-Pflicht kritisch. Seiner Meinung nach ist ein De-facto-Recht auf Heimarbeit entstanden, wie er dem Redaktions­Netzwerk Deutschland mitteilt. Kempgen glaubt, dass die Frage nach dem Homeoffice künftig vor Gerichten verhandelt werden könnte. Er ist der Meinung, dass sich Betriebe flexibler zeigen müssen, was den Arbeitsort betrifft. Vom Bund erwartet der Arbeitsrecht-Experte eine Folgeregelung zur Homeoffice-Pflicht, die Unternehmen klare Vorgaben an die Hand gibt.

Kein Ende für das Homeoffice: SPD-Chefin fordert weiter Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten

Eine aktuelle Umfrage der Krankenkasse DAK Bayern zeigt bei einer großen Mehrheit der Arbeitnehmer den Wunsch, auch weiter zumindest teilweise von zu Hause aus zu arbeiten. 90 Prozent gaben demnach an, auch künftig mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit daheim ableisten zu wollen; 46 Prozent wollen höchstens zur Hälfte, 10 Prozent fast gar nicht mehr ins Büro zurück.

"Homeoffice ist eine neue Lebensrealität geworden, dem sollten wir als Politik Rechnung tragen", sagte die SPD-Vorsitzende. Sie könne nicht verstehen, warum die Union im Bund die Bemühungen der SPD für ein Recht auf Homeoffice nach wie vor torpediere. "Wir brauchen eine Regelung, die Arbeitnehmern ein verbindliches Recht auf mobiles Arbeiten zusichert", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in München.

Ein Recht auf mindestens 24 Tage Homeoffice pro Jahr fordert Endres, "im Idealfall sogar mehr". Mit Freiwilligkeit werde man nicht weit kommen, ist sie überzeugt. "Gerade die Hochphase der Corona-Krise mit ihren weiterhin gut gefüllten Büros hat gezeigt, dass beim Thema Homeoffice und mobiles Arbeiten viele Arbeitgeber noch große Vorbehalte haben."

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft steht einem Recht auf Homeoffice kritisch gegenüber. "Die Entscheidung "Homeoffice oder nicht" muss immer eine Entscheidung des Unternehmens sein, betonte der Verband jüngst. "Sie darf nicht staatlich angeordnet werden. Denn die Betriebe können selbst am besten beurteilen, welche Arbeiten im Homeoffice gemacht werden können und welche nicht." Die vbw befürchtet durch Homeoffice zudem Verluste bei Produktivität, Kreativität und Wettbewerbsfähigkeit.

Bundesnotbremse und Homeoffice-Pflicht wieder im Herbst?

Kanzleramtschef Braun hat sich ebenfalls zu einer erneuten Bundesnotbremse geäußert. Er meint, dass schnell gehandelt werden müsse, wenn die Zahlen wieder steigen würden. Im Herbst solle geschaut werden, wie die Impfquote, die Wirkung der Impfstoffe und die Ausbreitung der Virusmutationen vonstattengehen würden.

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