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Schutzmaßnahmen

Hilfsorganisationen in Deutschland: Der Unterschied zwischen Zivilschutz, Katastrophenschutz und Selbstschutz

In Deutschland gibt es Hilfsorganisationen, welche die Bevölkerung bei Katastrophen unterstützen und Hilfe leisten. Welche sind das und wo sind die Unterschiede?
Hochwasser gehört mit zu den Katastrophen, bei denen Hilfe dringend gebraucht wird.
Hochwasser gehört mit zu den Katastrophen, bei denen Hilfe dringend gebraucht wird. Foto: CC0 / Pixabay / Hermann
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  • Was ist der Unterschied zwischen Zivil- und Katastrophenschutz?
  • Wie unterscheidet sich Selbsthilfe und Selbstschutz?
  • Wer hilft wann?
  • Wie wird alarmiert?

Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 hat es gezeigt: Der Klimawandel fordert uns heraus. Doch nicht nur der, sondern auch andere Ereignisse wie Erdbeben, Unfälle und aktuell der Krieg in der Ukraine zeigen uns die Bedeutung der Hilfsorganisationen. Doch wer ist wofür zuständig? Wer regelt den Einsatz? Und wie werden die Kräfte alarmiert? 

Der Unterschied zwischen Zivil- und Katastrophenschutz

Für den Zivilschutz ist der Bund zuständig, während der Katastrophenschutz in die Verantwortlichkeit der Bundesländer fällt. Unter Zivilschutz wird der Schutz der Bevölkerung vor kriegsbedingten Gefahren verstanden, während der Katastrophenschutz bei größeren Unglücken oder Katastrophen in Friedenszeiten zuständig ist. Obwohl die Zuständigkeiten unterschiedlich sind, bilden sie ein sogenanntes integriertes Hilfssystem. Damit können die vom Bund im Rahmen des Zivilschutzes bereitgestellten Ressourcen von den Ländern im Katastrophenfall von den Ländern genutzt werden können. Dafür kann der Bund im Verteidigungsfall auf die Ressourcen im Katastrophenschutz zugreifen. Dadurch sind die beiden Systeme eng verzahnt und man kann schnellstmöglich die besten Maßnahmen ergreifen.

Die Aufgabe des Zivilschutzes ist es, durch nichtmilitärische Maßnahmen

  • die Bevölkerung, ihre Wohnungen und Arbeitsstätten,
  • lebens- oder verteidigungswichtige zivile Dienststellen,
  • Betriebe, Einrichtungen und Anlagen sowie
  • das Kulturgut

vor Kriegseinwirkungen zu schützen und die Folgen von Kriegseinwirkungen zu beseitigen oder zu mildern. Zu den wichtigsten Organisationen im Katastrophenfall gehören die Feuerwehren, das THW sowie die privaten Hilfsorganisationen.  Der Bund selber hat keine unmittelbaren Zuständigkeiten, jedoch können die Länder die Kräfte aus anderen Bundesländern anfordern. Sollte ein Fall mehrere Bundesländer betreffen, so hat der Bund zusätzliche Handlungsoptionen im Rahmen der Katastrophenhilfe.

Wie erfolgt die Alarmierung? Grundsätzlich kann jeder Bürger und jede Bürgerin im Notfall in der Gemeinde über die Rettungsleitstellen Hilfe anfordern. Dies gilt vor allem für Wohnhausbrände oder anderen Ereignissen wie Überschwemmungen oder auch Sturmschäden durch umstürzende Bäume. Tritt nun ein Ereignis ein, welches eine Alarmierung im großen Stil nötig macht, geschieht dies durch die Einsatzleitstellen über die digitalen Funknetzwerke. Sirenen sind nicht mehr flächendeckend vorhanden, was mittlerweile als Nachteil angesehen wird. Über die Sirenensignale wurde früher auch die Bevölkerung gewarnt, so zum Beispiel, dass man Radiogeräte einschalten solle, um Informationen zu erhalten. Heute geschieht dies über die Internet- und Telekommunikationsanbieter oder auch über die Warn-App "Nina" des Bundesamtes für Bevölkerungsschutzes und Katastrophenhilfe. Es wurde inzwischen ein Förderprogramm des Bundes aufgelegt, um wieder flächendeckend Sirenen aufzubauen. 

Selbsthilfe und Selbstschutz

Bei Katastrophen können die Einsatzkräfte schnell an die Kapazitätsgrenzen stoßen. So kann es unter Umständen dauern, bis Hilfe eintrifft. Daher ist man auch auf Selbsthilfe und Selbstschutz angewiesen. Es ist im Fall eines katastrophalen Ereignisses wichtig, dass man sich selber oder den betroffenen Nachbarn hilft, so gut man es vermag, um die Zeit bis zum Eintreffen der organisierten Hilfe zu überbrücken. Bei der Selbsthilfe sind folgende Fragen wichtig:

  • Bin ich als Bürger auf solche Ereignisse ausreichend vorbereitet?
  • Was kann ich tun, um mich und meine Familie, Freunde, Kollegen, Nachbarn oder andere Mitmenschen in extremen Gefahrensituationen zu schützen?
  • Was kann ich tun, um die Hilfs- und Rettungskräfte zu unterstützen?
  • Welche Schulungen, Hilfsmittel, Tipps und Ratschläge gibt es, die mir in diesen Situationen weiterhelfen können?

Über das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz werden diverse Lehrgänge in diesem Bereich angeboten. Weiterhin sind auch Erste-Hilfe-Kurse geeignet, um sich und anderen helfen zu können. Auch Kinder sollten möglichst früh mit dem richtigen Verhalten in Extremsituationen vertraut gemacht werden. Dies kann durchaus auch in spielerischer Weise gemacht werden.

Der Selbstschutz ist Aufgabe der Gemeinden. Dazu gehören der Schutz des engeren Wohn- und Arbeitsbereiches und die Vermeidung von Schäden an Leben und Gesundheit. Für den Schutz der Bevölkerung, Betrieben und Behörden erstellen die Gemeinden mit Unterstützung des Bundes entsprechende Vorsorgeplanungen und können die im Katastrophenschutz mitwirkenden Organisationen in Anspruch nehmen. Im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung kann die Gemeinde auch allgemeine Anordnungen für die Bevölkerung erlassen, wie zum Beispiel Nachtausgangsverbote etc. 

Fazit

Für den Fall einer Katastrophe oder Krise sind in Deutschland Strukturen aufgebaut worden, um diese zu bewältigen. Doch auch eine gewisse Selbsthilfe ist nötig, um im Extremfall möglichst vielen Menschen zu helfen. Wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen und sich nicht auf externe Hilfskräfte alleine zu verlassen.