Franken
Rettungsdienste

Essensbestellung über die 110? Das passiert bei Missbrauch der Notruf-Nummern

Jedes Kind weiß: Im Notfall wählt man 110 oder 112. Doch wer Polizei und Feuerwehr ohne wichtigen Grund anruft, macht sich strafbar.
Artikel drucken Artikel einbetten

Soll das ein Scherz sein? Immer öfter gehen Essensbestellungen, Fragen nach der Uhrzeit oder dem Weg bei den Rettungsdiensten ein. Rund 11.000 Vorfälle zählte das Bundeskriminalamt (BKA) im Jahr 2016. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch deutlich höher, die Tendenz steigend.

Solche Spaßanrufe bleiben nicht folgenlos. Der Missbrauch von Notrufen kann laut Strafgesetzbuch (§ 145 StGB) mit einer Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Gefängnisstrafe geahndet werden. Denn wer Polizei oder Feuerwehr derart belästigt, blockiert gleichzeitig die Telefonleitung für echte Notfälle. Ein Notfall ist eine Situation, in der jemand dringend die Hilfe der Rettungskräfte benötigt. Wird eine Straftat oder etwas ähnlich Verdächtiges beobachtet, kann auch das über die Notfall-Nummern angezeigt werden. Meldungen zu Fundsachen oder verlorenen Tieren haben hier allerdings nichts zu suchen.

Falscher Notruf kann kosten

Besonders kritisch sind vor allem falsche Notrufmeldungen. Ausgedachte Bombendrohungen, Brände oder Überfälle können für den Anrufer teuer werden. In solchen Fällen rücken Polizei und Feuerwehr mit großer Mannschaft an. Wird der Verantwortliche gefasst, muss er die Personalkosten und den technischen Aufwand übernehmen. Gleiches gilt für andere Notrufeinrichtungen fernab des Telefons. Der Missbrauch von Feuermelden und Co ist ebenfalls strafbar. Auch mit Übertreibungen sollte man aufpassen. Wer Hilfe zu einem belanglosen "Notfall" ruft, kann zur Kasse gebeten werden.

Vorsatz zählt

Wann also darf man den Notruf wählen? Die Polizei rät: Im Zweifel lieber einmal zu oft. Wer ernsthaft glaubt, sich in einer Notlage zu befinden, braucht keine Hemmungen zu haben. Entscheidend für einen Notruf-Missbrauch ist stets die "böswillige Absicht" - wie es im Juristendeutsch heißt. Versehentlich (z.B. durch einen Tippfehler) die 110 oder 112 zu wählen, wird nicht belangt.

Baustellenschilder und Rettungsringe: Auch damit ist nicht zu spaßen

Der Paragraf 145 des Strafgesetzbuchs sieht im Übrigen auch Strafen bei "Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln" vor. Damit gemeint sind etwa Baustellenschilder, Rettungsringe oder Defibrillatoren: Dinge, die andere Menschen auf Gefahren hinweisen oder ihnen im Falle eines Falles helfen sollen. Sind sie beschädigt (also nicht einsatzbereit) kann eine Notsituation für Betroffene unter Umständen lebensgefährlich werden. Notruf hin oder her.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.