Laden...
Franken
Coronavirus

Manipulierte Statistik zu Corona-Toten? Der Faktencheck

In sozialen Netzwerken machen Falschinformationen schnell die Runde. Immer wieder wird behauptet, die Corona-Todesfallstatistik würde absichtlich gefälscht. Als Beweis werden immer wieder Screenshots von Chats verwendet. Was ist dran an den Behauptungen? Ein Faktencheck.
 
Fake News
Immer wieder verbreiten sich Fake News rund um die Corona-Pandemie. Foto: memyselfaneye/pixabay.com (Symbolbild)
+1 Bild

Seit Beginn der Pandemie tauchen im Netz immer wieder falsche Behauptungen auf: Mit der Einführung der FFP2-Maskenpflicht in Bayern machte zuletzt wieder das Gerücht die Runde, Markus Söders Ehefrau würde die Masken herstellen - und viel Geld damit verdienen. Was im Übrigen nicht stimmt.

Insbesondere über Social Media Plattformen verbreiten sich Fake News rasant. Zuletzt kursierten immer wieder Berichte darüber, die Corona-Todeszahl werde absichtlich gefälscht. Die Behauptung: Gegen eine gewisse Geldsumme werden sich neue Todesfälle hinzugekauft. Obwohl betroffene Personen überhaupt nicht an oder mit Covid-19 verstorben sind, soll trotzdem "Corona" als Sterbeursache auf dem Totenschein vermerkt worden sein. Was ist dran an diesen Behauptungen?

Angeblich gefälschter Todesschein als Fake News entlarvt

In einer meist geteilten Nachrichten in den sozialen Medien geht es um eine Mutter, die offenbar an Silvester verstarb. Laut dem Text, der immer wieder geteilt wurde, war die Frau bereits alt und litt unter Vorerkrankungen. Somit gelte sie als Corona-Risikopatient. Nachdem die Frau stirbt, gibt ein Arzt angeblich "Covid-19"als Todesursache an. Woran die Frau wirklich gestorben sein soll, verrät der Text nicht.

Stattdessen wird das Vorgehen des Arztes als "kriminell" bezeichnet, der anonyme Verfasser des Texts berichtet abschließend, sich einen Anwalt genommen zu haben und fordert letztlich dazu auf, die Nachricht zu verbreiten.

"Hallo zusammen. 
Ich bitte das ihr diese Geschichte teilt.
Meine Mutter ist am 31.12. im Pflegeheim verstorben. Sie war alt, hatte MS, war total gelähmt, konnte nicht mehr essen und trinken. Der Tod war vorhersehbar.
In der Nacht kam dann der Bereitschaftsarzt und schrieb den Totenschein aus.
Was steht drauf Covid 19. Es ist unfassbar, ja kriminell. Das sind die Zahlen weswegen wir eingesperrt sind.
Ich habe mir einen Anwalt genommen und lasse eine Obduktion vornehmen.
Das darf nicht so weitergehen….
Bitte teilt das"

FFP2-Masken bei Amazon anschauen

Immer wieder identische Posts

Seit einiger Zeit verbreitet sich genau diese Nachricht immer weiter in den sozialen Netzwerken. Wie mimikama.at berichtet, wird der Text immer wieder in identischer Form gepostet. Mit den gleichen Satzzeichen und Abständen. Das deutet darauf hin, dass es sich nur um einen Fake handeln kann.

Möglicherweise sei tatsächlich eine Mutter an Silvester unter den beschriebenen Umständen verstorben, jedoch sei es schwer vorstellbar, "dass zahlreiche Mütter am 31.12. unter genau denselben Umständen verstarben", so Mimikama weiter. 

Doch warum wird diese Nachricht immer wieder verbreitet? Menschen, die diesen Text kopieren und weiterverbreiten, glauben daran, dass die Statistik der Corona-Toten manipuliert werden soll, um die Corona-Maßnahmen im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Virus zu rechtfertigen. 

Geld für Covid-19 als Todesursache? Nein!

Eine weitere hartnäckige Behauptung meint, dass Ärzte für diese Manipulation Geld bekämen. Dass sie also Covid-19 als Todesursache angeben und auf diese Weise für künstlich erzeugte hohe Corona-Todesfälle sorgen sollen. Auch hier wandern angebliche Screenshots von anonymen Chats durch Facebook und andere soziale Medien.

In einem Text heißt es: "Von meiner Mama die Freundin da Papa ist gestorben, aber nicht an Corona. Da haben sie sie angerufen und gesagt wenn sie ihn in die Coronastatistik aufnehmen dürfen, wird das Begräbnis gezahlt!"  Eine weitere Nachricht, die scheinbar auf den Screenshot des Textes reagiert, bestätigt angeblich: "Ist tatsächlich so…einer Freundin von mir wurde das auch angeboten…"

Namen sind dabei nicht ersichtlich. Mimikama stellt zudem fest, dass es sich dabei immer um Erzählungen anderer Leute handelt, nie ist die schreibende Person selbst betroffen. Was ist also dran an den Vorwürfen?

DKG deckt Fehlinformationen auf

Offensichtlich nicht viel, wie aus einem Statement der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V. ersichtlich wird. Darin heißt es: "Vorsicht, Fakenews! Ärzte und Kliniken bekommen nicht mehr Geld, wenn sie Covid-19 als Todesursache angeben." In einem ausführlicheren Text wird erklärt, wie die Datenlage wirklich ist. 

Was jedoch stimmt, ist die Tatsache, dass Ärzte bei einer verstorbenen Person eine sogenannte "Leichenschau" machen, bei der sie sämtliche Daten bestimmen: Todesursache und Todeszeitpunkt, sowie die offizielle Bestätigung, dass die Person verstorben ist. Die festgestellten Todeszeichen sind wichtig für den Totenschein, der zur Beantragung einer Sterbeurkunde eingereicht wird. Wird ein Arzt hinzugerufen, um die Todesursache festzustellen, kann dieser eine Gebühr verlangen - die Höhe ist allerdings vom zeitlichen Aufwand und nicht von der Todesursache abhängig.

Krankenhäuser verwenden zur Einordnung von Todesursachen ICD-Codes - einen solchen hat seit Februar 2020 auch die Diagnose "Covid-19".  Jörg Wegner Sprecher der DKG, erklärt dem Bayrischen Rundfunk (BR), wie die Kosten entstehen. Entscheidend sei nicht die Todesursache, sondern vielmehr das jeweilige "Behandlungspaket". "Zu jeder DRG gibt es bestimmte Behandlungen und eine bestimmte Aufenthaltsdauer auf der Station. Dieses Paket wird dann pauschal vergütet. Muss der Patient länger im Krankenhaus bleiben, gibt es einen kleinen Zuschlag, wird er früher entlassen, wird die Vergütung etwas verringert", erklärt Wegner dem BR.

Wer übernimmt die Bestattungskosten?

Doch wie steht es um die Bestattungskosten, die angeblich übernommen werden? Auch diese Behauptung verpufft. Statt die Bestattung finanziert zu bekommen, könnten sogar höhere Kosten anfallen, meint Stephan Neuser, Jurist und Generalsekretär des Bundesverbandes. Grund dafür sind die coronabedingten scharfen Hygienemaßnahmen.

"Der Umgang mit infektiösen Verstorbenen und der damit einhergehende Arbeits- und Materialaufwand ist deutlich höher als bei Verstorbenen, die nicht infektiös sind. Diese aufwendigen Dienstleistungen und Materialkosten können und sollten in Rechnung gestellt werden." Die Kosten trägt in jedem Fall der Antragssteller. 

 

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.