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Veranstaltungen abgesagt: Wie bekomme ich jetzt mein Geld zurück?

Nun ist es offiziell: Bis Ende August wird es in Deutschland keine größeren Veranstaltungen geben. Bereits Anfang April hatte die Bundesregierung eine Gutschein-Lösung beschlossen. Doch was heißt das genau?
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Seit Mittwoch, 15.04.2020, ist es offiziell: Bis Ende August wird es in Deutschland keine Großveranstaltungen geben. Bis mindestens zum 31.08.2020 müssen die Menschen in Deutschland damit auf Konzerte und lokale Feste wie die Bergkirchweih oder das Annafest verzichten. Auch der gesamte Festivalsommer fällt damit mehr oder weniger ins Wasser. Und viele Menschen fragen sich: Bekomme ich jetzt mein Geld zurück?

Obwohl die allgemeine Gesetzeslage in Deutschland in vielen Fällen eine Erstattung vorsieht (siehe unten), hatte sich die Bundesregierung Anfang April für eine Gutschein-Lösung entschieden. Denn auch viele Unternehmen und Veranstalter kämpfen um ihre Existenz. Eine Erstattung der bereits gekauften Tickets könnte für viele das Aus bedeuten. Kein Wunder also, dass sich viele Veranstalter im Moment noch bedeckt halten. Am Donnerstag gaben beispielsweise die Veranstalter von "Rock im Park" in Nürnberg bekannt, dass das Jubiläumsfestival auf das Jahr 2021 verschoben werden soll.  Genauere Angaben zum Umgang mit den Tickets und der Abwicklung von Forderungen der Festivalbesucher machten die Veranstalter jedoch zunächst nicht.

Gutscheine statt Erstattung - was bedeutet das?

Die Bundesregierung hatte am 8. April 2020 eine Lösung für abgesagte Kultur- und Sportveranstaltungen formuliert: Statt den Kaufpreis zu erstatten, sollen Veranstalter den Käufern Gutscheine ausstellen, die dann für Nachholtermine oder vergleichbare Veranstaltungen bis Ende 2021 gelten sollen.  Gutscheine soll es demnach nicht nur geben, wenn man ein Ticket für ein Konzert oder ein Fußballspiel hatte, sondern auch für Sprach- und Sportkurse, bei Fitnessstudio-Verträgen und Opernabos. Gleiches gilt bei Saisonkarten für Schwimmbad, Freizeitpark oder Museen - und bei Dauerkarten etwa für die Fußball-Bundesliga oder Handballspiele. Einzige Voraussetzung: Man muss die Tickets vor dem 8. März gekauft haben.

Dies ist auch jetzt, nach der Verlängerung der Absagen bis Ende August, noch der Stand der Dinge. Ob der Gesetzgeber seine Regeln nochmals anpasst, um auf die Verlängerung der Beschränkungen zu reagieren, ist noch nicht absehbar.

Erst Anfang  2022 sollen Kunden, die ihre Gutscheine bis dahin nicht eingelöst haben, stattdessen ihr Geld zurückbekommen können. Diese Regelung soll die Veranstalter vor Rückforderungen schützen, die die Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten bringen könnten. Genau das wird aber auch kritisiert:  Ruhr24 zitiert die Verbraucherzentrale in Nordrheinwestfalen mit den Worten: Die Gutscheine "sind nichts anderes als zinslose Zwangskredite der Kunden an Unternehmen. Gleichzeitig tragen sie ein Risiko, bei einer eventuellen Insolvenz ihr Geld nicht zurückzubekommen."

Fragen und Antworten zum Thema Tickets und Gutscheine

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 Wie kann ich den Gutschein einlösen?

Das geht natürlich erst, wenn das öffentliche Leben wieder läuft, die Fitnessstudios und Schwimmbäder wieder öffnen und es wieder Fußballspiele und Konzerte mit Zuschauern gibt. Man muss dann aber nicht das erstbeste Angebot annehmen oder unbedingt die Nachholveranstaltung des eigentlichen Termins besuchen. Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 gelten und können so etwa auch für Fußballspiele gegen andere Teams oder Konzerte anderer Künstler beim gleichen Veranstalter eingelöst werden. Die Bundesregierung will die Veranstalter auch ermutigen, großzügig Rabatte zu geben, wenn jemand seinen Gutschein einsetzt.

Und wenn ich den Gutschein nicht einlösen möchte?

Dann kann man einfach abwarten - Anfang 2022 sollen die Veranstalter den vollen Wert nicht genutzter Gutscheine auszahlen müssen. «Den Verbraucherinnen und Verbrauchern geht somit nichts verloren», betonte Justizministerin Christine Lambrecht am Mittwoch.

Was ist mit Bürgern, die jetzt dringend Geld brauchen?

Dafür gibt es eine Härtefallregelung: Wenn ein Kunde glaubhaft versichern kann, dass er sonst etwa seine Miete oder dringende Einkäufe nicht mehr zahlen kann, soll er das Geld schon jetzt zurückgekommen.

Warum sind die Gutscheine wichtig?

Die Bundesregierung argumentiert, sie seien gut für Verbraucher und Veranstalter zugleich. Wegen der Corona-Pandemie sind gerade fast alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt, bei Konzertveranstaltern, Fußballvereinen und Freizeitparks kommt also kein Geld rein. Wenn sie jetzt auch noch die ganzen zuvor gekauften Tickets erstatten müssten, droht vielen die Pleite. «Hierdurch gerät eine ganze Branche mit vielen tausend Arbeitsplätzen in Existenznot und droht nicht wiedergutzumachenden Schaden zu nehmen», sagte Lambrecht. «Die Vielfalt der Kultur- und Freizeitangebote in unserem Land ist dadurch ernsthaft bedroht.» Zugleich stünden viele Verbraucher bei einer Pleitewelle ganz mit leeren Händen da. Durch die Lösung der Bundesregierung hätten sie immerhin einen Gutschein.

Stimmt das?

Verbraucherschützer meinen, so einfach sei die Lage nicht. Das Risiko werde trotzdem auf Verbraucher abgewälzt, denn die Gutscheine seien nicht abgesichert. «Sollte ein Anbieter Pleite gehen, bleiben Verbraucher vermutlich auf den Kosten sitzen», erklärte der Verbraucherzentrale Bundesverband. Zudem gebe es ein Preissteigerungsrisiko: Tickets für Nachholkonzerte könnten teurer werden, weil die Miete für den Veranstaltungsort höher ausfällt. Dass die Verbraucher den Unterschied selbst tragen müssten, sei nicht hinnehmbar. Gutscheine, betont der Verband, dürften nur freiwillig sein.

Wie geht es jetzt weiter?

Formal hat das Kabinett am Mittwoch den Koalitionsfraktionen von Union und SPD nur eine Formulierung für einen Gesetzentwurf vorgeschlagen. Die Fraktionen sollen das Gesetz selbst in den Bundestag einbringen, weil es dann schneller beschlossen werden kann. Die nächste Bundestagssitzung ist Ende April.

Und was ist mit Reisen, Kitas, Pay-TV?

Hier ist die Lage komplizierter - da beispielsweise bei Urlaubsreisen nicht nur deutsches Recht, sondern auch Gesetze und Regelungen in anderen Ländern zu beachten sind. Einen Überblick  über die bisherigen Regelungen zum Thema Urlaub haben wir hier gesammelt. Weitere Regelungen in anderen Bereichen - beispielsweise für Kitas oder beim Pay-TV, finden sie hier

Einen Überblick über die bisherigen gesetzlichen Regelungen - das rät die Verbraucherzentrale

Solange die neuen gesetzlichen Regelungen zur Gutschein-Lösung noch nicht rechtskräftig umgesetzt wurden, lohnt sich auch noch ein Blick auf die bestehenden gesetzlichen Regelungen in Deutschland. Am Beginn der Corona-Krise Anfang März hatte die Verbraucherzentrale Tipps für Menschen gesammelt, die von Absagen von Veranstaltungen betroffen sind:  Laut  Verbraucherzentrale  besteht grundsätzlich ein Anspruch darauf, den Ticketpreis erstattet zu bekommen. "Denn im Fall einer Absage kommt der Veranstalter seiner Leistungspflicht nicht nach - unabhängig davon, ob der Veranstalter den Ausfall zu verantworten hat oder nicht." So stellte sich die Lage Anfang März dar: 

Absage wegen Coronavirus: Was die Verbraucherzentrale rät

Verbraucher, die von einer Absage betroffen sind, sollten sich an den Veranstalter oder die Vorverkaufsstelle wenden, empfiehlt die Verbraucherzentrale. Auch die Besitzer von Dauerkarten könnten anteilig ihr Geld zurückfordern, etwa wenn Fußballspiele ohne Zuschauer stattfinden.

Verlegung wegen Coronavirus: Diese Regelung gilt bei Ersatzterminen

Wird die Veranstaltung nicht abgesagt, sondern auf einen anderen Termin verschoben, müssten Verbraucher diese grundsätzlich nicht hinnehmen. Wer am Ersatztermin keine Zeit hat, könne sein Ticket zurückgeben und Gelder zurückfordern, so die Verbraucherzentrale. Für die ursprüngliche Veranstaltung müsse allerdings ein konkretes Datum festgelegt gewesen sein.

"Etwaige Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), die eine Rückgabe des Tickets nur bei genereller Absage gestatten, sind unserer Ansicht nach unwirksam", heißt es weiter.

Rückerstattung: Pauschalreise oder getrennte Buchungen?

Hat man zusätzlich zum Ticket auch noch ein Hotelzimmer über den Anbieter gebucht (Pauschalreise), könnten Verbraucher von der kompletten Reise kostenlos zurücktreten, wenn die Veranstaltung abgesagt wird. Bei getrennten Buchungen ist die Rechtslage komplizierter, wie die Verbraucherzentrale weiter berichtet. So müsse der Veranstalter zum Beispiel die Hotelkosten übernehmen, wenn er Schuld an der Absage ist.

Führen jedoch äußere Umstände (höhere Gewalt) zum Ausfall der Veranstaltung, greift diese Regelung nicht mehr. "Ob eine Absage wegen des Coronavirus tatsächlich hierunter fällt, bleibt abzuwarten", heißt es.

Bahnreise: Fahrkarten werden bei Ausfällen erstattet

Ebenfalls erstattet werden Fahrkarten der Deutschen Bahn, wenn etwa die Reise zu einem Konzert oder Fußballspiel geplant war und dieses wegen des Coronavirus entfällt. Betroffene Kunden sollen sich laut Pressemitteilung der Bahn an die Verkaufsstellen oder den Kundenservice wenden.

Allein aus Angst davor, sich auf Veranstaltungen mit dem Coronavirus zu infizieren, können Tickets nicht kostenfrei zurückgegeben werden. Hier seien Verbraucher auf ein Entgegenkommen des Veranstalters angewiesen, erklärt die Verbraucherzentrale. /mit dpa