Werden glitzernde Schaufenster mit liebevollen saisonalen Dekorationen und fröhlich lockende Sonderangebotskisten demnächst der Vergangenheit angehören? Shoppt der Deutsche künftig lieber mit dem Tablet gemütlich von der Couch aus? Neue Studien suchen diesbezüglich nach Antworten und untersuchen unser Konsumverhalten in Bezug auf unterschiedliche Güter oder unser Kaufverhalten.

Alles hat seine Zeit: Konsumverhalten im Wandel

Laut der Studie der Teambank von 2017 bevorzugen fast 100 Prozent der Verbraucher unter 50 Jahren Online-Shopping. Bei Konsumenten zwischen 50 Jahren bis zum Renteneintrittsalter greifen sogar über 80 Prozent auf Online-Shops zurück. Aber woran liegt das? Haben wir schlichtweg keine Zeit mehr, um gedankenverloren durch die Innenstadt zu bummeln? Ist unser Leben so schnelllebig geworden, dass die One-Klick-Bestellung Mittel der Wahl ist, statt minutenlang an der Kasse zu stehen? Oder sind wir einfach bequem und lassen uns den sperrigen Amazon-Karton direkt vor die Haustür liefern, statt volle Einkaufstaschen selbst zu tragen? Haben wir unser Konsumverhalten dank Online-Banking überhaupt noch bewusst im Blick, wenn statt des grünen Scheins nur schwarze Zahlen unsere Liquidität auszeichnen?

Vor- und Nachteile des Online-Shoppings

Die Vorteile des Online-Handels liegen auf der Hand:

  • Gute Erreichbarkeit
  • Keine Fahrtkosten oder Parkplatzsuche
  • Große Warenauswahl
  • Direktlieferung vor die Tür (ggf. mit Versandkosten)
  • Detaillierte Produktinformationen
  • Vielfalt an Zahlungsmöglichkeiten

Im Ladengeschäft finden viele Verbraucher als nachteilig, lange an der Kasse oder der Warenausgabe warten zu müssen. Die Nase vorn hat hingegen der Einzelhandel eindeutig bei der Kundenberatung, Warenpräsentation sowie Übersichtlichkeit der Verkaufsräume.

Schlendern mit Kaufhauscharme oder personalisierte Werbung im Emailfach?

Der Wettbewerb mit dem modernen Online-Geschäft fordert vom stationären Einzelhandel neue Ideen und Strategien, um die Kunden an die Kasse zu bitten. Studien ergaben, dass 90% der Verbraucher lieber in ein Geschäft kommen, wenn es ansprechende Hintergrundmusik und eine inspirierende Duftkulisse gibt, mit welcher die potenziellen Kunden positive Gefühle assoziieren. Teilweise rüstet der Einzelhandel informationstechnisch nach und verwendet zunehmend sog. Digital Signages, welche ebenfalls bei 58% einen positiven Einfluss auf das Konsumverhalten auslösen. Es ist die richtige Mischung aus beruhigender, fröhlicher Kaufhausmusik, ansprechenden Visuals und harmonischen Düften, welche eine einladende Ladenatmosphäre ausmachen.

Vorteile des Offline-Shoppings: Der Kunde ist König

Viele Kaufrauschfreunde schätzen besonders den Servicegedanken: Das Geschäft vor Ort bietet seinen Kunden die Möglichkeit interaktiv zu werden und individuell beraten zu werden. Im Kaufhaus hat der Verbraucher die Möglichkeit die verschiedenen Produkte und Dienstleistungen aus der Nähe zu betrachten, sie auszuprobieren oder anzufassen. Dies ist wohl der größte Vorteil, den das Offline-Shopping mit sich bringt: Persönliche Beratung und die Chance über die Güte des Produkts live zu entscheiden. 

Der handel im Wandel: Windows-Browser statt Window-Shopping?

Wir fragen uns, wie beliebt sind stationärer sowie online Handel derzeit? Was könnten die Gründe für die jeweiligen Präferenzen sein? Nehmen wir im Folgenden das Beispiel eines Möbelhauses.

Ist es vom Produkt abhängig, wo wir shoppen?

Klare Antwort: Ja! Aus der Global Consumer Survey-Statistik geht hervor, dass Produkte wie Bücher, Filme, Musik und Spiele am häufigsten online bestellt werden. Dicht gefolgt von Unterhaltungselektronik wie z.B. Fernseher und Smartphones auf Platz 2. Auch Bekleidung hat ihre Nase vorn in Sachen Online-Shopping, wie die Ergebnisse der Statista-Studie zeigen.

Wissen ist Macht: Sich online über das Produkt informieren

Eine andere Studie des Unternehmens Comarch sowie weitere Recherchen haben neue Erkenntnisse zum produktspezifischen Konsumverhalten im On- und Offline-Bereich ergeben. Daraus geht hervor, dass viele Produkte immer noch im stationären Handel gekauft werden, jedoch die Konsumenten sich im Voraus über die Produkte online informieren. So zum Beispiel im Bereich Möbel und Wohnaccessoires. Möbel und Dekoartikel werden zu 75% im stationären Handel erworben, allerdings recherchiert die Hälfte der Verbraucher auch zuvor Online, bevor sie sich im Laden für ein Produkt entscheiden. Aus der Comarch-Studie geht ebenfalls hervor, dass die Deutschen Produkte wie Hausrats- und TV/Hi-Fi-Geräte gerne online shoppen. Im stationären Handel haben die Produktgruppen Möbel, Dekoration und Kosmetik die Nase vorn.

Aus der Global Consumer Survey-Statistik geht hervor, dass 71% der 2.097 Befragten besonders bei größeren Anschaffungen vorab im Internet recherchieren. Eine moderne Schrankwand, ein neues Bett oder ein breiteres Familiensofa gehen schon mal als größere Anschaffung durch. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass besonders Informationen zu solchen Möbeln vorab im Internet recherchiert werden, bevor sie dann im Einzelhandel erstanden werden.

Der Ansatz ist plausibel: Bevor man den Weg zum nächsten Möbelgeschäft seines Vertrauens antritt, um sich dort auf einen längeren Spaziergang durch die Reihen zu begeben, lohnt es sich durchaus, auf der Webseite des Möbelhauses nach Angeboten, Sortimentsbestand sowie speziellen Sonderaktionen zu schauen. Dies ist beispielsweise für verregnete Sonntage eine schöne Beschäftigung. Das Geschäft hat sowieso geschlossen und der nächste Bummel kann gründlich abgewägt werden.

Auch, wenn viele das Internet zur Recherche nutzen, so ist dennoch eine zunehmende Tendenz zum Online-Shopping dank der fortschreitenden Digitalisierung nicht von der Hand zu weisen. Das zeigt die Studie der Keylens über die Entwicklung des Möbelkaufes über verschiedene Generationen hinweg. Befragt wurden 750 Personen. Waren es in den 1980ern nur 26%, so waren es Ende der 90er bereits 44%, die ihre Möbel lieber im Online-Shop erstanden.

Wie die Würzburger gerne shoppen

Die Deutschen bummeln nicht nur Online leidenschaftlich gern, wie uns die Statistik gezeigt hat. Die Franken sind ja nun ein besonderes Völkchen und etwas eigen: Wir wollten deshalb wissen, wie es die Würzburger mit ihren Shoppingtouren halten und haben nachgeforscht!

Würzburg: Ein umsatzstarker Handelsort!

Neben einwohnerstarken Metropolen erweisen sich auch Mittelstädte als umsatzstarke Handelsorte. Dementsprechend belegen Großstädte wie Berlin, München oder Hamburg mit den höchsten Handelsumsatzsummen die vordersten Plätze des Rankings auf Kreisebene. Mittelstädte mit Versorgungsfunktion für ihr Umland erreichen das Doppelte des Landesdurchschnitts (5.110 Euro). Hier führen die Kreise Würzburg, Passau und Straubing das Kreisranking an. In Bezug auf die Einzelhandelszentralität lag der Stadtkreis Würzburg mit einer Zentralität von 199,5 auf Platz drei des Rankings (Quelle: GfK Einzelhandelszentralität Deutschland 2018). Daran erkennt man den Anziehungseffekt einer Stadt auf ihr Umland besonders gut: Die Bewohner des Landkreises Würzburg fahren zum Einkaufen meist in die nahegelegene Großstadt.

Die Mischung macht's!

Halten wir fest: Wo man shoppt, ist immer noch Geschmackssache. An einem stürmischen Herbsttag würden viele sicher das Online-Shopping vorziehen, besonders um sich über Angebote und Verfügbarkeit vorab zu informieren. Andere bevorzugen den Einkauf fern des E-Commerce, da sie die Produkte so aus nächster Nähe inspizieren können und den Charme, den das Kaufhausgefühl mit sich bringt, mögen. Nicht von der Hand zu weisen ist der Liefervorteil, den das Online-Shopping bringt: Besonders bei Möbeln, lohnt sich der Weg ins Kaufhaus zum Testen und Ausprobieren von Sofas und Matratzen. Aber diese sind per Online-Bestellung mit umfangreichem Lieferservice definitiv leichter in die eigenen vier Wände zu bringen, als sie selbst umständlich mit Laster oder vollgestopftem Kofferraum zu transportieren. Abschließend lässt sich nur sagen: Wie und was wir shoppen, ist immer eine Frage der persönlichen Vorliebe, des Wetters und des Aufwands.