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Medizin

Erlangen: Nachsorgeprogramm ermöglicht lange Transplantatgesundheit

Das Modellprojekt NTX 360°, an dem auch das Universitätsklinikum Erlangen teilnimmt, unterstützt Patienten nach einer Nierentransplantation durch psychosomatische Betreuung und sportmedizinisches Training.
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Prof. Dr. Mario Schiffer im Gespräch mit Fallmanagerin Maike Aarnoutse, der persönlichen Ansprechpartnerin der NTX-360°-Patienten für das Uni-Klinikum Erlangen. Foto: Franziska Männel/Uni-Klinikum Erlangen

Acht bis zehn Jahre – so lange dauert derzeit das Warten auf eine Spenderniere. Wer das Glück hat, ein gespendetes Organ zu erhalten, kann wieder ein fast normales Leben führen.Trotzdem verlieren einige Patienten ihre neue Niere durch eine chronische Abstoßungsreaktion des Körpers. Das will das ganzheitliche Nachsorgeprogramm NTX 360° verhindern. „Durch die Koordination des gesamten Behandlungsprozesses über ein Fallmanagementsystem, gemeinsame Televisiten, eine psychosomatische Betreuung und ein individuelles sportmedizinisches Training können wir den Patienten optimal rundum (360°) versorgen und so eine möglichst lange Transplantatgesundheit erreichen“, erklärt Prof. Dr. Mario Schiffer, Direktor der Medizinischen Klinik 4Nephrologie und Hypertensiologie des Uni-Klinikums Erlangen. Er entwickelte das niedersächsische Modellprojekt NTX 360° zusammen mit Kollegen der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit Anfang 2019 können dank einer Kooperation mit dem Uni-Klinikum Erlangen auch die Patienten in der Metropolregion Nürnberg an dem Projekt teilnehmen.

Nachsorge bei Nierentransplantation mit persönlichem Fallmanager 

NTX 360° nutzt für die optimierte Abstimmung alle Möglichkeiten digitaler Kommunikation: Die elektronische Fallakte (EFA) bündelt alle relevanten medizinischen Daten und ist für den Patienten jederzeit einsehbar. Zudem können sich die niedergelassenen Ärzte vor Ort unkompliziert mit dem Transplantationszentrum austauschen oder ihren Patienten sogar wohnortnahe Televisiten anbieten, die ihnen die Anfahrt zum nächsten Zentrum ersparen. Der am Transplantationszentrum angestellte Fallmanager trägt seine Kommentare ebenfalls in die EFA ein und ist das zweite tragende Element der ganzheitlich konzipierten NTX-360°-Nachsorge. Am Uni-Klinikum Erlangen füllt die Fachpflegekraft Maike Aarnoutse als persönliche Ansprechpartnerin und Koordinatorin diese Funktion aus. Eine aktuelle Studie belegt, dass allein das Einbinden eines persönlichen Fallmanagers in der Kommunikation mit den Patienten die Nachsorge verbessert.

Optimale Betreuung von Körper und Psyche

Das dritte Element für eine erfolgreiche Nachsorge ist bei NTX 360° die sportmedizinische und die psychosomatische Betreuung der Patienten. Prof. Schiffer: „Gerade nierentransplantierte Menschen tragen ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in sich, da ihre Körper durch die jahrelange Dialyse oft langfristig geschädigt wurden.“ Auf dem Fahrradergometer wird deshalb bei NTX 360° regelmäßig die körperliche Leistungsfähigkeit überprüft. „Dies ist auch deshalb wichtig, weil der Aufbau von Muskelmasse eine Erhöhung des Kreatininwerts bewirkt. Das gilt jedoch auch als Warnsignal für eine Abstoßung des Transplantats. Das irritiert den Patienten, und diese innere Unsicherheit wollen wir auffangen“, erläutert Mario Schiffer. Daher gehört zu NTX 360° neben regelmäßiger Bewegung und sportlichen Aktivitäten unabdingbar die psychosomatische Beratung. Anhand von verschiedenen Tests wird überprüft, ob die Patienten bei der Medikamenteneinnahme Unterstützung benötigen und ob Wissensdefizite oder Anpassungsprobleme nach der Transplantation vorliegen, die es aufzufangen gilt.

Ein Modellprojekt mit Zukunft

2018 wurden im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg insgesamt 68 Nieren transplantiert. Das Uni-Klinikum Erlangen erfüllt mit seinem breiten medizinischen Spektrum alle Voraussetzungen für NTX 360°, an dem deshalb auch die Patienten der Metropolregion Nürnberg teilhaben können. Wenn eine externe Evaluation die positiven Ergebnisse des Projekts weiter bestätigt, stehen laut Prof. Schiffer die Chancen gut, dass dieses zukunftsweisende Modell in die Regelversorgung überführt wird. „Das ist unser großes Fernziel“, blickt der Nephrologe optimistisch in die Zukunft und fügt hinzu: „Wir wollen NTX 360° auch auf andere Organe übertragen und das Konzept bundesweit auf alle Transplantationszentren ausdehnen. Spenderorgane sind ein kostbares und knappes Gut, deshalb sollten wir alles dafür tun, die Gesundheit transplantierter Menschen langfristig stabil zu halten.“


Kontakt

Medizin 4 des Uni-Klinikums Erlangen
Ulmenweg 18
91054 Erlangen

Telefon 09131 8539002
E-Mail med4@uk-erlangen.de

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