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Transfusionsmedizin

Blut – ein unersetzlicher Schatz

Jeder hat es, jeder braucht es. Blut steht in der Erlanger Transfusionsmedizin nicht nur bei Operationen im Mittelpunkt, sondern ebenfalls bei Gerinnungsstörungen und in der Medikamentenherstellung.
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Rund 175.000 Gerinnungsanalysen führen Prof. Dr. Robert Zimmermann und seine Kollegen jährlich durch.
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Während sich Herzklappen heute durch kleine mechanische Wunder austauschen lassen und verlorene Arme und Beine gegen hochmoderne Prothesen, bleibt Blut immer noch unersetzlich und ist nicht künstlich herstellbar. Tatsächlich steigt der Bedarf an Blutkonserven erheblich – und das seit Jahren. Grund ist zum einen die moderne Hochleistungsmedizin. Noch nie wurde so viel operiert wie heute, da nun auch Eingriffe unter schwierigsten Bedingungen möglich sind. Ebenfalls steigt die Zahl der Krebsbehandlungen, wegen derer die Patienten auf Spenderblut angewiesen sind. Zum anderen hängt der steigende Blutbedarf mit dem demografischen Wandel zusammen: Die Gruppe der älteren Patienten wächst und damit auch die Zahl derer, die medizinisch versorgt werden müssen. Gleichzeitig gibt es weniger Menschen, die als Spender infrage kommen.

 

Multitalent Blut

Diese Entwicklung haben besonders Krankenhäuser der Supramaximalversorgung im Blick – so wie das Universitätsklinikum Erlangen. Wer hier eine Bluttransfusion braucht, eine Blut- oder Gerinnungsanalyse, der ist bei den Mitarbeitern der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung in besten Händen. „Wir stellen sicher, dass immer genug Konserven vorrätig sind, organisieren die anspruchsvolle Lagerung und versorgen alle Patienten mit genau den Blutbestandteilen, die sie brauchen“, erklärt Prof. Dr. Holger Hackstein, Leiter der Erlanger Transfusionsmedizin. „Bei großen Operationen, etwa in der Herz- oder Tumorchirurgie sowie bei Chemo- oder Strahlenbehandlungen, werden große Mengen an Erythrozyten, also rote Blutkörperchen, benötigt. Thrombozyten brauchen vor allem Tumor- und Leukämiepatienten. Ihr Körper ist nicht mehr selbst in der Lage, diese Blutplättchen zu bilden. Blutplasma schließlich ist ein wichtiger Bestandteil in der Medikamentenherstellung.“ Rund 22.000 Erythrozytenkonzentrate benötigen die Patienten des Uni-Klinikums Erlangen pro Jahr und rund 5.500 Thrombozyteneinheiten. „Unentbehrlich bleibt daher unsere eigene Blutspendeeinrichtung“, betont Prof. Hackstein. „Alle Blutprodukte, die darüber hinaus gebraucht werden, kaufen wir von externen Spendediensten hinzu.“ Langfristig soll die Erlanger Transfusionsmedizin aber unabhängiger werden – geplant ist eine vollkommen eigenständige Versorgung.

 

Blutspenden ist gesund

Natürlich hilft jeder Blutspender anderen Menschen. Nicht zu vergessen sind jedoch die Vorteile für die eigene Gesundheit, wie Prof. Hackstein betont. „Studien zeigen, dass die regelmäßige Blutspende – ob Vollblut oder einzelne Bestandteile – den Blutdruck von Hypertoniepatienten senken kann. Gleichzeitig wird Cholesterin ausgeschwemmt und der Körper wird angeregt, neues Blut zu produzieren.“ Wer in Erlangen Blut spendet, profitiert außerdem von einem umfassenden und kostenlosen Gesundheitsscheck, spart durch die Terminvergabe kostbare Zeit und kann sich über eine Aufwandsentschädigung freuen.

 

Gerinnungsstörung? Wir helfen!

Ein ganz besonderes – weil seltenes – Angebot der Erlanger Transfusionsmedizin ist die Gerinnungsambulanz. Wer Hinweise auf eine mögliche Gerinnungsstörung zeigt, kann sich von seinem Hausarzt entweder an die Hochschulambulanz in Erlangen oder an die Außenstelle im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Eckental überweisen lassen. „Aus ganz Franken und sogar aus Südthüringen kommen die Patienten zu uns“, sagt der leitende Oberarzt Prof. Dr. Robert Zimmermann. „In rund zwei Drittel der Fälle suchen wir nach der Ursache einer vorhergegangenen Thrombose oder Lungenembolie. Vor allem, wenn der Betroffene jünger als 45 Jahre alt ist oder das Gerinnsel nicht in den Beinen auftrat, liegt der Verdacht nahe, dass ein Ungleichgewicht bestimmter Gerinnungsfaktoren vorliegt“, erklärt Robert Zimmermann. „Außerdem helfen wir Patienten, die bei einem Eingriff unerwartet stark geblutet haben. Gibt es eine Blutungsneigung, die bisher nicht bekannt war? Das finden wir heraus.“ Auch Frauen, die mehrfache Fehlgeburten erlitten haben, können in der Gerinnungsambulanz Antworten finden. Die Experten untersuchen nicht nur das Blut der Patienten, sie berücksichtigen auch erbliche Vorbelastungen. Bei etwa jedem Zweiten finden die Transfusionsmediziner tatsächlich Störungen im Blutgerinnungssystem. Die weitere Behandlung erfolgt dann in enger Zusammenarbeit mit dem Hausarzt. „Konnten wir die Gerinnung als Ursache der Beschwerden ausschließen, beraten wir zu den nächsten diagnostischen Schritten“, sagt Prof. Zimmermann.

 

Blutgerinnung

Rund 175.000 Gerinnungsanalysen führen Prof. Dr. Robert Zimmermann (Foto) und seine Kollegen jährlich durch. Bei Menschen mit einem gesunden Blutgerinnungssystem sind die Gerinnungsfaktoren im Gleichgewicht. Das heißt, das Blut gerinnt genau dann, wann es soll, etwa um Wunden zu verschließen. Gleichzeitig bleibt es flüssig genug, um Thrombosen zu vermeiden. Vor großen Operationen führen die Transfusionsmediziner immer eine Gerinnungsanalyse durch. Stellen sie fest, dass der Patient eine Blutungsneigung hat, müssen sie bestimmte Gerinnungsfaktoren als Konzentrat spritzen, um zu hohen Blutverlust zu verhindern.

 

3 Fragen an

Prof. Dr. Holger Hackstein,
Leiter der Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen

Wie viele Menschen benötigen eine Blutspende?

Rund 80 Prozent aller Menschen braucht mindestens einmal im Leben eine Blutspende – ob aufgrund eine Erkrankung oder eines Unfalls. Doch nur etwa zwei Prozent spenden selbst. 

 

Was macht die Gerinnungsambulanz so besonders?

Unseren Spezialisten sind umfangreichere Blutuntersuchungen möglich als einem Hausarzt. Außerdem gibt es neben unseren Sprechstunden am Uni-Klinikum Erlangen und im MVZ Eckental nur zwei weitere derartige Angebote in Nordbayern.

 

Wer kann die Gerinnungsambulanz aufsuchen?

Jeder, der einen Verdacht auf eine Gerinnungsstörung hat. Patienten brauche eine Überweisung ihres Haus- oder Facharztes und können sich über die Terminvergabe der Transfusionsmedizin anmelden. Nach der Diagnostik werden die Patienten in der Regel von ihrem Hausarzt.



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