Berlin
Mülltrennung

Müllproduktion auf Rekordhoch: Wofür trennen wir eigentlich unseren Müll?

Die meisten deutschen Haushalte legen viel Wert auf die Trennung in Bio-, Rest, Papier und Plastikmüll, sowie Altglas und Pfand. Mülltrennung gibt uns das Gefühl, einen Teil zum Klimaschutz beizutragen. Aber bringt der Aufwand tatsächlich was - oder kommt letztendlich doch alles zusammen? Ein Überblick.
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In Deutschland trennen die meisten Haushalte ihren Müll. Aber bringt der Aufwand überhaupt etwas? Oder könnte man auch einfach alles zusammen entsorgen? Symbolfoto: RitaE/pixabay
In Deutschland trennen die meisten Haushalte ihren Müll. Aber bringt der Aufwand überhaupt etwas? Oder könnte man auch einfach alles zusammen entsorgen? Symbolfoto: RitaE/pixabay

Im Jahr 2017 stieg das Verpackungsmüll-Aufkommen auf ein neues Rekordhoch, zeigen aktuelle Zahlen des Bundesumweltamts: 18,7 Millionen Tonnen deutschlandweit, das sind umgerechnet 226,5 Kilogramm pro Person. Im Vergleich zum Jahr 2016 sind die Werte um knapp drei Prozent gestiegen. Erschütternd, denkt man an die anhaltende Diskussion um Umweltschutz und verschmutzte Meere.

Viele Hersteller brüsten sich damit, einen großen Anteil der Verpackungen zu recyceln. Dafür werden die Verbraucher in Deutschland angehalten, sorgfältig zu trennen. Um das zu ermöglichen, sollte jeder Haushalt einen Bio-, Rest-, Papier- und Plastikmülleimer im Haushalt haben. Aber bringt das überhaupt was? Ist etwas an dem Mythos dran, dass der Müll sowieso wieder zusammenkommt? Und was passiert eigentlich mit dem Müll?

Was wird eigentlich recycelt?

Das Umweltbundesamt relativiert die veröffentlichen Zahlen damit, dass in Deutschland immer mehr recycelt wird: "Wurden im Jahr 2000 nur etwas 51% verwertet, waren es 2017 bereits 98%, davon 69% mit stofflicher Verwertung." Das heißt, dass knapp 70% unseres Verpackungsmüll wiederverwendet wird, der Großteil der restlichen 30% wird verbrannt. Letzteres ist dabei nicht unbedingt schlecht.

Gleichzeitig weist das Umweltbundesamt darauf hin, dass die Recyclingquote stark vom Material abhängt. "Sehr hoch liegt sie etwa bei Stahl mit 92,2 Prozent sowie Papier und Karton mit 87,6 Prozent und Glas mit 84,4 Prozent. Verpackungsmüll aus Kunststoff wird zu 49,7 Prozent wiederverwertet, aus Holz zu 25,8 Prozent", schreibt die dpa.

Dass man Stahl, Glas, Papier und Karton gut verwerten kann, liegt daran, dass man aus diesen Materialien ohne großen Qualitätsverlust ein neues Produkt herstellen kann. Bei Kunststoff ist das leider nicht leicht: Beim Recyclingvorgang verliert Plastik, durch Hitze oder auch Verunreinigungen, an Qualität und kann deshalb nur teilweise für die erneute Herstellung von Verpackungen verwendet werden.

Ein Teil des Plastiks, der nicht weiter für die Verpackungsherstellung genutzt werden kann, wird beispielsweise zur Herstellung von Textilien verwendet. Aber für manche Stoffe lässt sich keine weitere Verwendung finden, weshalb diese verbrannt werden.

Mangelnde Mülltrennung sorgt für schlechte Weiterverarbeitung

Für die Weiterverarbeitung von Müll ist es also immer wichtig, möglichst "reine" Stoffe zu erhalten - also nicht verschiedene Materialien zu mischen. Und hier kommt die Mülltrennung ins Spiel, die am besten schon in den Haushalten stattfindet.

Der getrennte Müll wird in den Müllsammelanlagen zwar immer noch auf falsch sortierte Materialien untersucht, jedoch ist die ordentliche Trennung im Haushalt immer noch am besten. Grund hierfür ist, dass die automatische Sortierung mittels Sieben, Scannern und Magneten nicht jede Verpackung und verschiedene Materialien eindeutig zuordnen kann.

Endstation Verbrennungsofen

Denn nur durch ordentliche Trennung kann Müll produktiv weiterverwertet und recycelt werden. Für den Müll, der nicht mehr recycelt oder nicht zugeordnet werden kann, geht es meist in Verbrennungsanlagen. Hier wird alles verbrannt und die so freigesetzte Energie in Fernwärme und Strom umgewandelt. Auf der Kehrseite wird allerdings auch eine große Menge CO2 ausgestoßen. Die Abfälle, die durch die Verbrennung entstehen, werden gesammelt, gesäubert und landen letztendlich auf einer Deponie.

Weshalb sich Mülltrennung lohnt

Eine sorgfältige Mülltrennung in den Haushalten bildet also die Grundlage für eine möglichst effektive und sorgfältige Weiterverarbeitung. Die Frage, ob sich die Mülltrennung lohnt, lässt sich also eindeutig mit Ja beantworten.

Müssen Plastikverpackungen wie Joghurtbecher extra ausgespült werden?

Manche nehmen die Mülltrennung besonders ernst und waschen beispielsweise ihre Joghurtbecher aus, bevor diese im gelben Sack landen. Aber braucht es das wirklich? Nein, lautet die eindeutige Antwort, denn bevor Plastik- und Metallmüll weiterverarbeitet wird, wird alles gründlich gewaschen. Es reicht also vollkommen, wenn man normal ausgekratzte Becher in den Müll wirft.

Blick zurück: Was war vor der Mülltrennung?

Seit 1991 trennen die meisten deutschen Haushalte ihren Müll. Aber was war davor? Was passiert, wenn man Müll nicht trennt? Lange Zeit war es so, dass Müll nicht getrennt wurde und völlig unbehandelt auf Deponien gekippt wurde. Grob erklärt, wurde der Müll - bestehend aus Speiseresten, Plastikverpackungen, Metallteilen, usw. - zusammengepresst und gelagert.

Die organischen Stoffe fingen während der Lagerung an zu gären und sich zu ersetzen, was zur Freisetzung von großen Mengen Methan führte. In der Kombination mit Feuchtigkeit führten die Gärungsprozesse zur Entstehung von organischer Säure, die es weiter ermöglichte, andere Stoffe aus verschiedenen Müllsorten freizusetzen. Diese Kombination aus Säure und Giftstoffen versickerte letztendlich und gelangte in die Natur, teilweise sogar ins Grundwasser. Um diesen Vorgang zu verhindern, wurde die Mülltrennung eingeführt.

Auch heute noch gibt es Mülldeponien. Allerdings dürfen seit 2005 keine unbehandelten Stoffe auf Deponien abgeladen werden. Das bedeutet letztendlich, dass heutzutage lediglich die Verbrennungsreste von Müll gelagert werden. Zudem sind die Deponien heute mit besonderen Böden ausgestattet, die das Versickern von Flüssigkeiten verhindern. Und Deponien werden nur noch an wasserundurchlässigen Böden angelegt.

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