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Mit diesen 7 Tricks manipulieren uns die Supermärkte

Düfte, knallige Farben und zu große Einkaufswagen: Mit diesen Tricks wollen die Supermärkte unser Kaufverhalten beeinflussen.
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Eigentlich wollten Sie nur schnell durch den Laden gehen und die Einkaufsliste abarbeiten. Doch an der Kasse stellen Sie fest: Der Einkaufswagen ist mit doppelt so vielen Produkten beladen wie geplant. Wie ist das passiert? Nicht zufällig. Wo die Fallen im Supermarkt lauern, weiß Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern. Die Fachberaterin für Lebensmittel erklärt die Marketing-Strategie und führt durch die Gänge:

1. Einkaufswagen
Der Eindruck täuscht nicht: Einkaufswagen werden immer größer. "Die Ware soll sich dort regelrecht verlieren", erklärt Schubert. Die Produkte wirken so viel kleiner, als sie sind. In der Folge packen wir mehr ein, als wir wollen. Um die "nächste Kundengeneration" zu gewinnen, gibt es zudem Kinder-Einkaufswagen. Früher, erklärt Schubert, habe sich die Treue für Marken von den Eltern auf die Kinder übertragen, heute bedienen sich Supermärkte dieses Tricks.
Tipp Für kleine Einkäufe reicht ein Einkaufskorb oder ein Stoffbeutel.

2. Backstation im Eingangsbereich
In den meisten Supermärkten befinden sich direkt hinter dem Eingangsbereich die Auslagen der Backwaren. "Frisch gebacken wird fast nirgends mehr. Viel eher wird noch aufgebacken", sagt Schubert. Ein sehr intensiver, einladender Geruch begrüßt die Einkäufer schon auf den ersten Metern. Aber Vorsicht, die Nase täuscht. "Es werden oft künstliche Düfte hinzugegeben, die den Geruch von Frischgebackenem verströmen", sagt Schubert.
Tipp Nicht immer der Nase trauen.

3. Farben, Musik, Temperatur
Warum die Obst- und Gemüseabteilung meist ziemlich am Anfang eines Ladens aufgebaut ist? Die bunt leuchtenden Lebensmittel haben eine ganz spezielle Wirkung auf uns. "Der Griff nach Frischem beruhigt vor allem gleich zu Beginn unser schlechtes Gewissen", so die Expertin. Unser Unterbewusstsein reagiert aber auf noch mehr beim Einkauf: So wird meist Musik gespielt, die uns entschleunigen soll. Mit dem Ziel, dass wir mehr Zeit im Supermarkt verbringen und den Umsatz nach oben treiben. Auch auf die Temperatur wird streng geachtet. "Fast immer hat es 19 Grad. Im Winter ist uns das nicht zu kalt, im Sommer nicht zu warm", so Schubert.
Tipp Vor allem in der Obst- und Gemüse-Abteilung auf vorgeschnittenes Obst verzichten. Zwar ist diese Variante praktisch, aber dafür auch verhältnismäßig teuer.

4. Streck- und Bückware
Wer träge ist, sich beim Einkaufen nur ungern streckt oder bückt, zahlt am Ende mehr. Das zeigt ein regelrechter Klassiker der Supermarkt-Fallen. Denn auf Augenhöhe liegt lediglich Markenware. Die Streck- und Bückware ist zwar preiswerter, aber nur schwer zu erreichen und befindet sich entweder ganz oben oder ganz unten im Regal. Für Schubert steckt dahinter Methode: "Es ist bekannt, dass sich gewisse Marken die guten Plätze kaufen."
Tipp Ausschau halten.

5. "Sonderangebote"
"Ein rotes Preisschild muss nicht heißen, dass es sich um ein Sonderangebot handelt", sagt die Expertin. Die Signalfarbe lockt unseren Blick fast automatisch auf die Auszeichnung. Auch Bezeichnungen wie "handverlesen", "nach spezieller Rezeptur" oder etwa bei Parmesan "zwei Monate extra gereift" können trügen: "Diese Premiumangebote vergleicht man am besten mit den Preisen, die solche Produkte normalerweise haben."
Tipp Hilfreich ist meist der Grundpreis eines Artikels, also die Angabe des Preises bezogen auf eine bestimmte Menge. Damit lassen sich Preise mehrerer Produkte mit unterschiedlicher Füllmenge vergleichen.

6. Regelmäßige Umgestaltungen
"Durch eine veredelte Innenausstattung wird eine exklusive Wohlfühlatmosphäre geschaffen", weiß die Expertin. Daher wird regelmäßig umgeräumt und am perfekten Supermarkt gearbeitet. Eingebürgert haben sich mittlerweile in vielen Märkten die sogenannten Kundenstopper: Körbe und kleine Ausstellungsinseln, die "mitten im Weg stehen". Wenn etwa Spargelsaison ist, liegen dort nicht nur zusammengeschnürte weiße und grüne Spargel griffbereit, sondern auch Packungen mit Sauce Hollandaise oder Schäler. "Wir sollen aus der Schnelllebigkeit gerissen werden, ausgebremst werden und lange im Supermarkt bleiben", erklärt Schubert. Ein ähnliches Prinzip steckt hinter der Impulsware, die meist in der Nähe der Kasse steht. Dort warten wir auf geringem Raum und entdecken in großen Kästen ein buntes Angebot an Aktionsware und Nützlichem wie Bücher, Schokoriegel oder Batterien.
Tipp Mit einer Einkaufsliste losziehen und diszipliniert dabei bleiben.

7. Irreführende Label
"Ohne Geschmacksverstärker", "Ohne künstliche Farbstoffe", "Ohne künstliche Aromen": Etiketten halten nicht immer das, was sie versprechen - zu dieser Erkenntnis kommt das Portal Lebensmittelklarheit. Das ernüchternde Ergebnis einer repräsentativen Studie zeigt, es wird trotzdem kräftig gefärbt und aromatisiert. Soll es etwa mehr Geschmack sein, verwenden die Hersteller zum Beispiel Hefeextrakt. Rote-Bete-Saft im Kirschjoghurt täuscht einen höheren Kirschgehalt vor. Andere färbende Lebensmittel sind Paprikapulver oder auch Spinatsaft. Weil sie gesetzlich nicht als Zusatzstoffe gelten, dürfen sie rechtlich betrachtet trotzdem in Lebensmitteln enthalten sein.
Tipp Ein Blick in diese Studie lohnt sich. Sven Koukal

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