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Richtig füttern

Keine Meisenknödel oder Körner auf dem Boden: Tipps zum Füttern von Vögeln im Winter

Der eine hängt Meisenknödel in die Zweige vor dem Fenster, der andere streut Körner ins Vogelhäuschen im Garten. Ob Vögel in freier Natur überhaupt gefüttert werden sollen, darüber streiten die Experten. Wenn man füttert, sollte man aber einiges beachten.
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Vögel im Winter richtig füttern: Meisenknödel im Netz können bei der Fütterung problematisch sein, weil sich die Vögel darin verfangen könnten. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Vögel im Winter richtig füttern: Meisenknödel im Netz können bei der Fütterung problematisch sein, weil sich die Vögel darin verfangen könnten. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Schnee liegt auf den kahlen Ästen der Bäume. Die Wiesen sind von der weißen Pracht bedeckt. Der Winter ist bei uns in Deutschland gerade so richtig angekommen. Während wir uns darüber freuen, sind Eis und Schnee für viele Vögel eine harte Zeit: Es schwirren weniger Insekten umher. Und in der Erde können die Vögel nicht scharren.

Viele Leute füttern die gefiederten Tiere deshalb im Winter. Hier ein paar Tipps, was es zu beachten gibt:

Vögel füttern im Winter: Den richtigen Zeitpunkt beachten

Beginnen sollte man mit der Fütterei erst, wenn es dauernd friert oder viel Schnee liegt. Wer damit angefangen hat, sollte bis zum Frühjahr weiterfüttern. Denn die Vögel gewöhnen sich an die Orte und flattern immer wieder herbei.

Der richtig Platz

Bevor es losgeht, sollte man sich einen guten Platz zum Füttern überlegen. Dabei kommt es darauf an, dass die Tiere ungestört sind. Zudem sollen sie sehen können, wenn sich eine Katze heimlich anschleicht. Das Futter sollte auch nicht zu nah an einem Fenster liegen. Sonst fliegen die Vögel gegen die Scheibe und verletzen sich.

Vorsicht bei Vogelhäuschen

Das Futter darf nicht feucht werden. Dann schimmelt es manchmal und macht die Vögel krank. Vogelhäuschen, in denen die Tiere herumhüpfen, sind auch nicht gut: Da können sie ihr Futter mit Kot verschmutzen. Das ist schlecht, weil im Kot oft Erreger von Krankheiten sind. Deshalb sollte man die Futterstelle auch regelmäßig mit warmem Wasser putzen.

Das richtige Futter

Körnerfutter erfreut Meisen und andere klassische Körnerfresser. Rotkehlchen hingegen fressen vor allem Insekten, deshalb sollte ihr Futter idealerweise Bestandteile wie Mehlwürmer enthalten. Amseln wiederum mögen Obst, Sonnenblumenkerne kommen bei vielen Vögeln gut an. Das Futter sollte außerdem nicht schimmeln und nicht muffig riechen. Nicht alles, was Vögel fressen, ist aber auch gut für sie, manches schadet ihnen sogar, zum Beispiel gewürzte und salzige Speisen. Auch andere Essensreste, Backwaren oder Süßigkeiten sind tabu.

Meisenknödel besser selber machen

Meisenknödel im Netz können problematisch sein, weil sich die Tiere darin verfangen können. Deshalb sollten Vogelfreunde Meisenknödel ohne Netz kaufen, das Netz entfernen oder die Knödel selbst herstellen. Dazu bringt man 300 Gramm festes Pflanzenfett oder hochwertiges tierisches Fett zum Schmelzen, gibt etwas Pflanzenöl hinzu und verrührt darin 500 Gramm Haferflocken, 100 Gramm Weizenkleie und 500 Gramm Sonnenblumenkerne.

An Flüssigkeit denken

Wenn es draußen friert, haben die Tiere es oft schwer, eine Wasserquelle zu finden. Sinnvoll ist es deshalb, den Vögeln frisches Wasser anzubieten. Das gilt vor allem, wenn kein Schnee liegt und der Boden gefroren ist. Wasserstellen werden allerdings besonders schnell durch den Kot der Tiere verunreinigt. Deshalb sollte man das Wasser täglich austauschen und Näpfe oder Vogeltränken regelmäßig reinigen.

Auf Sauberkeit achten

Sauberkeit am Futterplatz ist wichtig, da sich sonst Krankheiten verbreiten. Die Futterstelle am besten täglich reinigen. Futter nie auf den Boden werfen. Es vermischt sich sonst mit dem Kot der Vögel und kann besonders bei mildem Wetter zu tödlichen Vogelkrankheiten führen. Wir empfehlen ein Futtersilo. Liegt ein toter Vogel an der Futterstelle, könnte das ein Zeichen für eine Infektionskrankheit unter den Vögeln sein. Dann gilt: Futterstelle abbauen, gründlich reinigen und erst nach zehn Tagen wieder füttern.

Der Bund Naturschutz hält im Übrigen wenig vom Füttern von Vögeln im Winter: Über 90 Prozent der heimischen Brutvogelarten, vor allem die seltenen und bedrohten Arten, kommen gar nicht ans Futterhäuschen, heißt es auf dem Internetseite des BUND. Während häufige Arten wie Meisen und Amseln am Futterhäuschen wie im Paradies leben, haben Vogelarten, denen es besonders schlecht geht, kaum etwas davon. Im Gegenteil: Die Winterfütterung verschafft häufigen und an den Menschen angepassten Arten einen weiteren Konkurrenzvorteil.

Der starke Rückgang vieler Vogelarten sei nicht auf den winterlichen Nahrungsengpass zurückzuführen. Daran sind sie seit Urzeiten angepasst. Entscheidend ist, ob die Vögel einen geeigneten Lebensraum für sich finden. Der Rückgang vieler heimischer Vogelarten geht auf den Verlust oder die Verschlechterung ihrer Lebensräume zurück. Ernsthaft bedrohte Vogelarten kann eine Winterfütterung nicht retten.

Vielmehr entsteht im nächsten Frühjahr ein noch härterer Konkurrenzkampf um Nahrung und Brutplätze, da auch schwache und kranke Vögel den Winter durch die Fütterung überlebt haben. Vögel, die Winterfutter nicht annehmen oder nicht hier überwintern, geraten weiter ins Hintertreffen, so der Bund Naturschutz.

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