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Kommentar

Zum Studium in billige Städte? Das ist unfair, Frau Karliczek - Kommentar

Bildungsministerin Anja Karliczek äußerte sich erst kürzlich zur 2019 geplanten Bafög-Reform. Teil davon ist die Erhöhung des Wohnzuschlages. Doch das löst die Probleme nicht. Ein Kommentar dazu.
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Franken hat an Studiengängen einiges zu bieten. Die Wohnsituation könnte dem Angebot einen Strich durch die Rechnung machen. Symbolbild: Nathan Dumlao/unsplash.com
Franken hat an Studiengängen einiges zu bieten. Die Wohnsituation könnte dem Angebot einen Strich durch die Rechnung machen. Symbolbild: Nathan Dumlao/unsplash.com

Woanders studieren, weil das Bafög nicht ausreicht? Nein, Frau Bildungsministerin Karliczek!

Von wegen gerecht - Chancengleichheit adé. Die neuesten Äußerungen Anja Karliczeks, Bundesministerin für Bildung und Forschung, erscheinen aus studentischer Perspektive als eine Farce. Das große Versprechen in Artikel 12 des Grundgesetzes, man könne als (junger) Mensch Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei wählen, erscheint in diesem Kontext nur als eine leere Hülse toller Perspektiven.

Was ist überhaupt das Problem?

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek gab zuletzt dem Spiegel ein Interview, worin die 47-Jährige sagte, Bafög solle es nur noch für diejenigen geben, die "wirklich Hilfe benötigen". Es gebe schließlich Hochschulen beziehungsweise Universitäten, "in Gegenden, in denen Wohnen nicht so teuer" sei.

Erhöhung: Im Herbst 2019 soll das Bafög in Deutschland erhöht werden. Der Wohnzuschlag für Studenten soll zusätzlich von 250 Euro auf 325 Euro steigen. Zum Wintersemester 2019/2020 soll dies bereits umgesetzt werden. Hintergrund der Erhöhung ist die absteigende Zahl geförderter Studenten, die das Statistische Bundesamt seit 2012 beobachtet.

Es ist nicht so, als wolle Karliczek jungen Menschen ihre Berufschancen verbauen - aber geht es um Probleme, wie stetig steigende Mieten in deutschen Städten, verfügt man über keine adäquaten Lösungen! Packt man derartige Probleme nicht an, sondern legt jungen Menschen mit wenig Geld ans Herz aufs Land zu ziehen, fördert man eine Zweiklassengesellschaft. Wohlhabende Gruppen, die von den Eltern am Monatsanfang Geld überwiesen bekommen, in den Städten und finanziell schlechter ausgestattete Gruppen in ländlichen Gebieten oder "billigen" Städten.

Zudem existieren vielschichtige Gründe, warum die Lebenshaltungskosten und Mieten auf dem Land günstiger sind. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehrs oder fehlende Praktikumsplätze in Industrie und Handel sind Beispiele hierfür. Somit ist Karliczeks Vorschlag keine Verbesserung des Wohnraum-Problems, sondern spitzt die Perspektivlosigkeit von finanziell schlechter gestellten Studenten nur noch weiter zu.

Die Situation in Franken

"Es gibt Leute, die uns schreiben, dass sie keine Wohnung gefunden haben", antwortet Maria Steger, Leiterin der Studierendenkanzlei an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg auf die Frage, ob die Situation angespannt bleibe. Nicht nur im oberfränkischen Bamberg, sondern auch in München, Hamburg oder Stuttgart wird die Wohnsituation für Studenten ein immer größeres Problem.

Im Dezember 2018 sorgte eine Petition des studentischen Konvents an der Uni Bamberg für Aufsehen. Darin forderten die Studierenden, die Umwandlung von Teilen des Ankerzentrums (AEO) in Studentenwohnheime.

Anders als bei der Suche nach günstigem Wohnraum, können sich Abiturienten bei der Auswahl an Studiengängen in Nordbayern nicht beschweren. Rund 125.000 Studenten waren zu Beginn des Wintersemesters 2018/2019 in Franken eingeschrieben. Mit der Auswahl an Universitäten und Hochschulen in der Region hat Nordbayern definitiv ein Argument im bundesweiten Vergleich.

Ein Beispiel: Daniel Janke aus Brandenburg studiert in Würzburg

Der 27-jährige Daniel Janke studiert seit sieben Jahren im unterfränkischen Würzburg. Der Grund: Sein Studiengang - Luft- und Raumfahrtinformatik. Dieses Angebot ist in Deutschland einzigartig. Er kommt aus Brandenburg. Sollte er nach seinem Master-Abschluss eine Arbeitsstelle in der Region bekommen, würde er gerne bleiben.

Sie wollen in Franken studieren?Das sind die Universitäten und Hochschulen in Nordbayern - diese Studiengänge gibt es in der Region.



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