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Homeoffice nach der Corona-Pandemie: Bleibt alles, wie es ist?

Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Das ist jetzt schon mehr als eine Ahnung: Befragungen zeigen, die Betriebe planen bereits ihre neuen Arbeitsmodelle. Und auch die Beschäftigten wollen von der neuen Flexibilität nicht lassen.
Homeoffice wird auch nach der Pandemie von den Betrieben angeboten.
Homeoffice wird auch nach der Pandemie von den Betrieben angeboten. Foto: CC0 / Pixabay / StockSnap
  • Großer Vorteil: Familie und Beruf lassen sich besser vereinen
  • Wo Licht ist, da ist auch Schatten
  • Wie viel Homeoffice bleibt nach der Pandemie?
  • Homeoffice in der IT-Branche
  • Und was passiert im verarbeitende Gewerbe?
  • DGB plädiert für den richtigen Mix
  • Auch beim Homeoffice helfen Routinen

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) wollte es genau wissen, was Beschäftigte vom Homeoffice halten. Es bestellte beim unabhängigen privaten Markt- und Meinungsforschungsinstitute Forsa eine entsprechende repräsentative Umfrage. Das Ergebnis ist eindeutig. 

Großer Vorteil: Familie und Beruf lassen sich besser vereinen

Drei von fünf Arbeitnehmer*innen, die schon einmal im Homeoffice gearbeitet haben, stehen dieser Arbeitsform überwiegend positiv gegenüber. Nur ein Fünftel der Befragten bezeichneten die Erfahrungen mit Heimarbeit demnach als überwiegend negativ.

Positiv bewerten die Befragten: 70 Prozent aller gaben an, Familie und Beruf im Homeoffice besser vereinen zu können.

Ein Fünftel der Arbeitnehmenden sagte zudem, dass sich das Arbeiten daheim positiv auf ihren Gesundheitszustand auswirke – vor allem durch weniger Stress.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten

Bei ebenfalls einem Fünftel hat sich das Wohlbefinden allerdings verschlechtert. Bei den negativen Folgen stehen Rückenschmerzen und Muskelverspannungen klar an erster Stelle: Unter allen, die von negativen gesundheitlichen Effekten berichteten, kämpft ein Drittel im Homeoffice mit verstärkten oder erstmals aufgetretenen Beschwerden in dem Bereich.

"Ein möglicher Grund dafür sind die Arbeitsbedingungen im Homeoffice", sagt KKH-Wirtschaftspsychologin Antje Judick. Häufig fehlen dort ein geeigneter Schreibtisch und Bürostuhl. Die Folge: Das lange Sitzen in ungesunder Haltung vor dem Rechner führt zu mehr Nacken-, Schulter- und Rückenbeschwerden.

Das wirkt sich auf die Fehlzeiten der Arbeitnehmer aus, wie Versichertendaten der KKH aus dem Jahr 2021 zeigen. 24 Prozent aller Fehltage führt die Krankenkasse auf Erkrankungen des Bewegungsapparates zurück. In den Vorjahren waren es rund 22 bis 23 Prozent.

Wie viel Homeoffice bleibt nach der Pandemie?

Die Wünsche der Beschäftigten ist das eine. Aber wie sehen Betriebe die Zukunftschancen des Homeoffice? Und das ist die gute Botschaft: Viele Unternehmen in Deutschland planen auch nach der Pandemie flexiblere Arbeitsmodelle und wollen Beschäftigten damit eine Mischung aus Homeoffice und Präsenz ermöglichen.

Der Anteil der Menschen, die künftig mehrmals pro Woche von zu Hause arbeiten dürften, falle deutlich größer aus als vor der Corona-Pandemie, heißt es in der Studie des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW.

Die Firmen planten insbesondere mit Modellen mit ein bis drei Tagen Homeoffice pro Woche. Exemplarisch untersuchte das ZEW die Stimmung in zwei Branchen.

Homeoffice in der IT-Branche

Informationswirtschaft: Im Durchschnitt erwarten die großen Unternehmen (über 100 Beschäftigte) in der Informationswirtschaft, dass lediglich 30 Prozent ihrer Belegschaft vollständig in Präsenz arbeiten werden und nur ausnahmsweise ins Homeoffice ausweichen. Bei den kleinen Unternehmen fällt dieser Anteil derweil doppelt so hoch aus.

Im Durchschnitt geben große Unternehmen an, dass sich die eigene Belegschaft wie folgt auf die Hybrid-Modelle verteilen wird, nachdem die Pandemie vorüber ist: 15 Prozent der Belegschaft werden voraussichtlich 1 Tag pro Woche im Homeoffice arbeiten, 20 Prozent an 2 Tagen, 16 Prozent an 3 Tagen und jeweils etwa 9 Prozent an 4 oder 5 Tagen. 

Fazit: Zusammengerechnet wird in der Informationswirtschaft demnach durchschnittlich die Hälfte der Belegschaft großer Unternehmen an 1-3 Tagen pro Woche von zu Hause arbeiten. Bei den kleinen Unternehmen mit 5 bis 19 Beschäftigten gilt dies für etwa 30 Prozent der Belegschaft. In großen Unternehmen der Informationswirtschaft werden im Durchschnitt voraussichtlich 70 Prozent der Belegschaft Hybrid-Modelle nutzen, während der Anteil vormals noch bei lediglich 24 Prozent lag. 

Und was passiert im verarbeitenden Gewerbe?

Verarbeitendes Gewerbe: Im verarbeitenden Gewerbe ist der Anteil der Beschäftigten, deren Tätigkeiten sich für das Homeoffice eignen, deutlich geringer als in der Informationswirtschaft. Dennoch planen auch Unternehmen in diesem Wirtschaftszweig, die Möglichkeiten für Homeoffice in Zukunft verstärkt zu nutzen.

Vor der Pandemie haben im Durchschnitt 8 Prozent der Belegschaft großer Unternehmen (über 100 Beschäftigte) im verarbeitenden Gewerbe hybride Arbeitsmodelle genutzt. Nach der Pandemie wird dieser Anteil auf durchschnittlich 32 Prozent anwachsen. 

Wichtig ist auch hier die Betriebsgröße: Dies gilt insbesondere für große Unternehmen, in denen nach der Pandemie im Durchschnitt voraussichtlich rund ein Viertel der Belegschaft an 1-3 Tagen von zu Hause arbeiten wird. In den kleinen Unternehmen werden es schätzungsweise nur 7 Prozent der Belegschaft sein.

DGB plädiert für den richtigen Mix

Für die Zeit nach der Pandemie plant jedes dritte Unternehmen (vor der Pandemie drei Prozent) einem Teil der Belegschaft 1 Tag Homeoffice pro Woche zu ermöglichen. Es kommt also auf den richtig Mix an zwischen Homeoffice und Präsenzarbeit im Betrieb.

"Die letzten Monate haben gezeigt, dass beim Homeoffice sehr viel möglich ist, es aber auch seine Schattenseiten hat", sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. "Es würde den Bedürfnissen vieler Beschäftigter widersprechen, wenn die Arbeitgeber einfach wieder zum Status quo ante zurückzukehren und neue Freiheiten blockieren. Viele Arbeitnehmer*innen wünschen sich für die Zukunft einen gesunden Mix aus Präsenzarbeit und der Möglichkeit, mobil arbeiten zu können."

Da viele Beschäftigte auch nach Ende der Pandemie von zu Hause aus arbeiten werden, rät die KKH Unternehmen, einen stärkeren Fokus auf die Gesundheit im Homeoffice zu legen und ihr betriebliches Gesundheitsmanagement den neuen Herausforderungen anzupassen. Dazu gehören nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause ein ergonomischer Arbeitsplatz und bedarfsgerechte Präventionsmaßnahmen, etwa aktive Pausen und spezifische Rückenübungen. "Daneben gilt es, sich regelmäßig telefonisch oder digital auszutauschen, sowohl im Team als auch mit der Führungskraft", rät Antje Judick. "Bei Problemen sollten Berufstätige ruhig selbst die Initiative ergreifen und diese offen ansprechen." Wichtig seien im Homeoffice darüber hinaus klare Routinen, etwa regelmäßige Pausen, ein wirklicher Feierabend ohne weitere berufliche Mails und Telefonate sowie ausreichend Bewegung. Feste Essensrituale geben zudem nicht nur im Büro, sondern auch der Arbeit zu Hause eine geregelte Struktur.