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Was verdient man eigentlich im öffentlichen Dienst?

Sie schuften im Schichtsystem, Überstunden sind Alltag, doch was verdienen Menschen im öffentlichen Dienst? Ein Vergleich.
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Bereits am 31. Juli hat eine Familie aus Nürnberg einen fünfstelligen Geldbetrag in ihrem Haus gefunden und ihn ohne zu zögern bei der Polizei abgegeben. Foto: Christin Klose, dpa
Bereits am 31. Juli hat eine Familie aus Nürnberg einen fünfstelligen Geldbetrag in ihrem Haus gefunden und ihn ohne zu zögern bei der Polizei abgegeben. Foto: Christin Klose, dpa

Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) werden unter dem Begriff "öffentlicher Dienst" sämtliche "Bereiche in denen BeamtInnen, Angestellte und ArbeiterInnen für staatliche und kommunale Stellen arbeiten", aufsummiert.In diesen Bereichen sind 4,69 Millionen Menschen in Deutschland beschäftigt. (Stand: 2016)

Bis 2005 galten für den öffentlichen Dienst einheitliche Tarifverträge. Seitdem regelt der "Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD)" die Verdienste der Berufsgruppen. Die aktuellste Regelung über den öffentlichen Dienst gilt vom 01. Juni 2017 bis zum 28. Februar 2018.

Um die Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes repräsentativ zu vergleichen, macht es Sinn Berufsgruppe 7 bis 9 heranzuziehen, da sie die Masse an Angestellten darstellen.

Öffentlicher Nahverkehr

Angestellte des öffentlichen Nahverkehrs in Bayern verdienen in der Berufsgruppe 7 im Durchschnitt 2759,25 Euro brutto. Dieses Einstiegsgehalt bezieht sich auf das erste Berufsjahr. Es kann im Laufe der Jahre um bis zu 300 Euro steigen. Je nach Berufserfahrung können Bus- und Bahnfahrer mit einer Steigerung des Gehalts rechnen.

Sozial- und Erziehungsdienst

Laut Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind 1,2 Millionen Menschen in Deutschland im Sozial- und Erziehungsdienst beschäftigt (Stand: 2015). Auf diesen Berufsfeld sieht es bei Berufseinstieg anders aus: 2521, 33 Euro brutto verdient ein Angestellter im Sozialdienst, wie beispielsweise ein Erzieher/eine Erzieherin im Kindergarten. Dieser Betrag kann mit steigender Berufserfahrung ebenfalls steigen: Bis zu 400 Euro mehr kann das Bruttogehalt im dritten Jahr betragen.

Pflege

Eine Pflegerin mit dreijähriger Berufsausbildung fällt in der Pflege unter Berufsgruppe 7 beziehungsweise im Sonderfall in Berufsgruppe 7a. Das Gehalt in dieser Einkommensklasse beträgt 2575,02 Euro brutto.

Seit 01. Januar 2017 wird zwischen dem allgemeinen Mindestlohn und dem Mindestlohn im Pflegebereich unterschieden. In den neuen Bundesländern beträgt dieser 9,50 Euro / Stunde und in den alten Bundesländern 10,20 Euro / Stunde.

Zollbeamte

Ganz anders sieht es da bei Angestellten des Zolls aus. Im Vergleich: Ein Berufseinsteiger verdient rund 2500 Euro brutto im Monat. Bei einem 22- bis 25-Jährigen, bleibt nach Abzug aller Abgaben rund 2150 Euro netto übrig. Der Vorteil: Es fallen weniger Abgaben an, beispielsweise entfällt die Sozialversicherung.

Zusätzlich gilt der Beamten-Status, der als wohl größter Vorteil dieser Berufsgruppe gilt. Dieser Vergleich hinkt zugegeben ein wenig, da die Ausbildung beachtet werden muss: In diesem Fall hat der Berufseinsteiger ein Studium an einer Hochschule oder Universität absolviert und keine dreijährige Ausbildung, wie eine Pflegekraft genossen.

Laut einer Studie des "Deutschen Gewerkschaftsbundes" (DGB) fühlen sich 58 Prozent der im öffentlichen Dienst Beschäftigten bei ihrer Arbeit häufig gehetzt. Lediglich 50 Prozent aller Befragten gaben an, ihre Arbeit "wahrscheinlich bis zur Rente ausüben zu können". 39 Prozent gaben an, dies nicht zu können.


An allen Ecken und Enden: Rund 110.000 Beschäftigte fehlen

Im öffentlichen Dienst sind Wochenend-, Nacht und Schichtarbeit mehr Regel als Ausnahme, was die Belastung in den letzten Jahren stark erhöht hat. In Kombination mit fehlendem Personal stellt dies ein hohes Frustrationspotential der Angestellten dar. In mehreren Befragungen des DGB zwischen 2015 und 2016 gaben 22 Prozent an für Arbeit außerhalb der Dienstzeiten nicht bezahlt zu werden.

Im Kontrast dazu steht eine Erwartungshaltung die 27 Prozent aller Befragten teilen: Der Chef erwartet, dass sie auch außerhalb ihrer Dienstzeit erreichbar sind.


Befristete Verträge sind keine Seltenheit

Zu diesen Erwartungshaltungen und Arbeitszeiten gesellt sich eine zeitlich begrenzte Sicherheit des Arbeitsplatzes. Da es flexibler und kostengünstiger für den Arbeitgeber ist, werden viele Berufsanfänger mit befristeten Verträgen eingestellt. Diese laufen oftmals nur ein Jahr.

Elke Hannack ist stellvertretende Vorsitzende des DGB. Sie sieht seit Jahres eine verfehlte Personal- und Einstellungspolitik: "Es muss endlich Schluss sein mit der Personalpolitik der kurzen Sprünge und der vielen Befristungen. Eine zukunftsfähige Personalpolitik muss langfristig angelegt sein."

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