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Arbeitsmarkt

Wegen Corona: Kommt jetzt die Vier-Tage-Woche?

Um der von Corona gebeutelten Wirtschaft unter die Arme zu greifen, wird über die Einführung einer verringerten Arbeitszeit ohne vollen Lohnausgleich diskutiert. Die IG Metall kann sich ebenso wie Bundesarbeitsminister Heil (SPD) mit einer Vier-Tage-Woche anfreunden. Laut einer Umfrage stößt die Idee auch in der Bevölkerung auf Zustimmung.
 
Kommt die Vier-Tage-Woche? Bundesarbeitsminister Heil hält reduzierte Arbeitszeit für eine geeignetes MIttel, um die von Corona gebeutelte Wirtschaft zu stützen.
Kommt die Vier-Tage-Woche? Bundesarbeitsminister Heil hält reduzierte Arbeitszeit für eine geeignetes MIttel, um die von Corona gebeutelte Wirtschaft zu stützen. Foto: Anrita1705/pixabay.com

In der Diskussion um die Einführung eine Vier-Tage-Woche hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eine verringerte Arbeitszeit als möglicherweise geeignetes Mittel bezeichnet, um den Arbeitsmarkt zu stützen. «Reduzierte Arbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich kann eine geeignete Maßnahme sein, wenn sich die Sozialpartner darauf verständigen», sagte Heil den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Mittwoch, 19. August 2020. «Gute und pragmatische Ideen sind gefragt, um gemeinsam durch die Krise zu kommen», so Heil.

Die IG Metall hat zur Rettung von Jobs in der Metall- und Elektroindustrie eine Vier-Tage-Woche ins Gespräch gebracht. «Die Vier-Tage-Woche wäre die Antwort auf den Strukturwandel in Branchen wie der Autoindustrie. Damit lassen sich Industriejobs halten, statt sie abzuschreiben», hatte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, gesagt. Er sprach von «einem gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten, damit es sich die Mitarbeiter leisten können».

Hilfe für von Corona gebeutelten Arbeitsmarkt: Vier-Tage-Woche ist umstritten 

Der Vorschlag ist umstritten. So hatte etwa der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, gesagt, er halte die Einführung einer Vier-Tage-Woche für machbar - allerdings nur bei Verzicht auf vollen Lohnausgleich. Der CDU-Wirtschaftsrat lehnte eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit mit begrenztem Lohnausgleich für Branchen im Strukturwandel ab. «Eine Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich treibt die Lohnkosten weiter», hatte Wolfgang Steiger, der Generalsekretär des Rates, der «Passauer Neuen Presse» gesagt.

Auch die FDP warnt vor der Einführung einer Vier-Tage-Woche in Deutschland. «Das Konzept "weniger Arbeiten und den Wohlstand dennoch halten" hat noch nie funktioniert», sagte der Vizevorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Dürr, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Die Zeche dafür, nämlich sinkende Löhne und eine stark steigende Verschuldung, wird die Mitte der Gesellschaft zahlen. Die zusätzlichen Schulden sind dann die Steuern von morgen.»

Anders sieht es die Bevölkerung. Laut einer aktuellen Umfrage ist eine Mehrheit für eine Vier-Tage-Woche zum Schutz von Arbeitsplätzen in der Corona-Krise.

Umfrage: 61 Prozent offen für verringerte Arbeitszeit

Demnach stehen drei von fünf Deutschen (61 Prozent) der Idee offen gegenüber. 21 Prozent der Befragten stimmen dem von der Gewerkschaft IG Metall vorgeschlagenen Modell voll und ganz zu, weitere 40 Prozent unterstützen es eher, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergeben hat. Demnach liegt die Zustimmung bei Frauen (65 Prozent) etwas höher als bei Männern (58 Prozent).

Bei Anhängern der Grünen ist die Unterstützung demnach mit 71 Prozent am höchsten. Ähnlich fällt sie bei Wählern der SPD (68 Prozent) aus. Von den Wählern der Linken unterstützen 63 Prozent die Vier-Tage-Woche, bei der FDP und der Union sind es jeweils 62 Prozent. Am geringsten ist die Zustimmung bei den AfD-Anhängern (53 Prozent).

Für die Umfrage hat Yougov am 17. August 1640 Personen befragt. Die genaue Fragestellung lautete: "Um in der Corona-Krise so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern, schlägt die Gewerkschaft IG Metall eine Vier-Tage-Woche als Option für betroffene Betriebe vor. Dabei soll es bei der Lohnanpassung einen gewissen Lohnausgleich für die Beschäftigten geben, damit die finanziellen Einbußen für die Beschäftigten reduziert werden. Befürworten Sie einen solchen Vorschlag oder lehnen Sie ihn ab?"