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Die geplante Mini- und Midijob-Reform: Was bringt sie?

Sei 23 Jahren gilt bei Minijobs die Einkommensgrenze von 450 Euro. Der Bundestag berät, ob es zukünftig eine höhere Schwelle geben soll. Änderungen sind auch bei den Midijobs und dem Mindestlohn geplant.
Was soll sich bei Mini- und Midijobs ändern?
Was soll sich bei Mini- und Midijobs ändern? Foto: ongchinonn/pixabay.com
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  • Minijob: Bald sind 520 Euro abgabenfrei
  • Regelungen bei den Midijobs
  • Der Midijob-Rechner hilft
  • Gesetzentwurf ist umstritten

Der Bundestag berät derzeit über den Gesetzentwurf der Ampelkoalition zu den steigenden Verdienstgrenzen für Mini- und Midijobs sowie über einen höheren Mindestlohn. Was genau für den Herbst 2022 geplant ist, erfährst du hier.

Minijob: Bald sind 520 Euro abgabenfrei

Das gilt bislang für die rund 7,2 Millionen Minijobber: Bei einem Minijob, also einer "geringfügigen Beschäftigung" bis zu 450 Euro pro Monat, zahlst du als Arbeitnehmer*in weder in die Arbeitslosenversicherung noch in die gesetzliche Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung ein. Außerdem kannst du mehrere Minijobs haben, die in Summe aber nur ein monatliches Einkommen von 450 Euro ergeben dürfen. Arbeitnehmer*innen mit einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung können jedoch nur einen Minijob neben der Haupttätigkeit annehmen, wollen sie sich die Vorteile erhalten. 

Minijobs sind rentenversicherungspflichtig, du kannst dich aber davon befreien lassen. Ohne Befreiung zahlst du 3,6 Prozent des Lohns in die Ren­ten­ver­si­che­rung. Damit erwirbst du einen kleinen Rentenanspruch. Die Zeit wird als Pflichtbeitragszeit angerechnet. Auch Steuern musst du normalerweise nicht zahlen, weil deine Einnahmen pro Jahr den Freibetrag von 9.984 Euro nicht übersteigen.

Minijobber haben Anspruch auf Mindestlohn, welcher derzeit bei 9,82 Euro liegt. Die abgabefreie Verdienstgrenze bei Minijobs soll sich im Herbst 2022 - erstmals seit 23 Jahren - von 450 Euro auf 520 Euro monatlich erhöhen. 

Regelungen bei den Midijobs

Ein Midijob ist ein Arbeitsverhältnis, bei dem die Arbeitnehmer*innen bislang mehr als 450 Euro und weniger als 1.300 Euro monatlich verdienen. Oft wird der Midijob auch als Gleitzone oder Übergangsbereich bezeichnet. Rund 3,5 Millionen Arbeitnehmer*innen haben einen Midijob.

Im Gegensatz zu Beschäftigten in einem Minijob-Arbeitsverhältnis müssen Arbeiter*innen bei Midijobs aber Steuern zahlen. Brutto ist also nicht gleich netto. Auch bei den Sozialversicherungsbeiträgen ist einiges anders: Midijob-Arbeitsverhältnisse sind generell sozialversicherungspflichtig, wenn auch mit einem kleineren Betrag. Ergebnis: Die Midi-Verdienstgrenze von bis zu 1.300 Euro soll sich im Herbst 2022 auf bis zu 1.600 Euro monatlich erhöhen.

Übrigens: Die meisten Mini- und Midijob-Beschäftigten arbeiteten im Handel, im Gesundheitswesen, in Dienstleistungsberufen wie dem Wach- und Sicherheitsgewerbe und der Gastronomie.

Der Midijob-Rechner hilft

Bei Einführung der Midijobs im Jahr 2003 verfolgte die Regierung das Ziel, die Beschäftigungsverhältnisse, die über den Minijob hinausgehen, attraktiver zu machen. Ein Midijob bringt etwa den Vorteil reduzierter Sozialversicherungsbeiträge, was sich folgendermaßen auswirkt:

Eine Modellrechnung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) von Dr. Johannes Steffen an der Universität Duisburg-Essen zeigt: Bei einem geringeren Verdienst müssen Arbeitnehmer*innen in einem Midijob ab Oktober weniger Sozialbeiträge als bisher zahlen – bei 1.400 Euro Gehalt liegt der Betrag zum Beispiel bei etwa 260 Euro statt bisher knapp 280 Euro. Demnach müssen Beschäftigte mit knapp über 520 Euro Monatsverdienst künftig nahezu keine Sozialbeiträge mehr bezahlen. Bisher wurden in diesem Gehaltsbereich monatliche Beiträge von knapp 63 Euro fällig. Mit steigendem Einkommen steigt der Anteil der Arbeitnehmer*innen zur Sozialversicherung nach Steffens Berechnungen künftig schrittweise bis auf 319,60 Euro bei einem Monatsverdienst von 1.600 Euro an. Dieser Beitrag ist bei gleicher Gehaltshöhe auch derzeit fällig.

Unser Tipp: Berechne mit dem Midijob-Rechner, wie hoch deine Beiträge zur Sozialversicherung ausfallen, wenn du zwischen 450,01 und 1.300,00 Euro im Monat verdienst.

Gesetzentwurf ist umstritten

Um die bevorstehenden Veränderungen bei den Mini- und Midijobs gibt es viel Streit. "Die geplanten Reformen der Ampel-Koalition bei Mini- und Midijobs und der Einkommensteuer verschärfen die Teilzeitfalle, von der vor allem Frauen als Zweitverdienerinnen betroffen sind", stellt Maximilian Blömer vom Ifo-Institut fest. Durch die Mini- und Midijob-Reform würden Teilzeitjobs finanziell attraktiver und gut 80.000 Frauen mehr in Teilzeitjobs mit wenigen Stunden arbeiten. Gleichzeitig würden 40.000 Frauen ihre Vollzeittätigkeit aufgeben. Tatsächlich arbeiten laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit fast 90 Prozent der Midijob-Beschäftigten in Teilzeit. 14,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen haben nur einen Midijob, bei den Männern sind es dagegen nur 4,3 Prozent. Gemessen an der Gesamtheit der Midijob-Arbeitenden sind drei Viertel Frauen.

Wenn mehrheitlich ehemalige Minijob-Arbeiter*innen in Midijobs gehen, ist die Entwicklung erfreulich. Denn neben der Sozialversicherungspflicht hätten Midijobs gegenüber Minijobs auch den Vorteil, dass etwa Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht, was in der Corona-Krise ein großes Problem war.

Sollten die neuen Midijob-Beschäftigten aber hauptsächlich aus einer regulären Beschäftigung in den ausgeweiteten Übergangsbereich fallen, weil es für Arbeitgeber*innen jetzt attraktiver ist, einen Midijob zu schaffen statt eines regulären Arbeitsplatzes, wäre das natürlich eine fatale Entwicklung. Auszuschließen ist sie aber nicht.