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Arbeitszeit

Mehrarbeit: Alles was Sie zum Thema Überstunden wissen müssen

Für viele gehören sie zum beruflichen Alltag und immer wieder werden sie zum Streitthema mit dem Arbeitgeber: Überstunden. Wie viele Überstunden darf ich monatlich leisten und darf mein Chef Mehrarbeit von mir verlangen? Diese Fragen werden hier geklärt!
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Hier erfahren Sie worauf Sie beim Thema Überstunden achten sollten. Symbolbild: pexels.com/Negative Space
Hier erfahren Sie worauf Sie beim Thema Überstunden achten sollten. Symbolbild: pexels.com/Negative Space

Überstunden gibt es an so gut wie jedem Arbeitsplatz: Der eine macht sie freiwillig, der andere wird vom Chef dazu verdonnert.

Doch was ist erlaubt und was nicht? Obwohl die Regelungen eigentlich eindeutig sind, wissen viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht über die rechtlichen Gegebenheiten Bescheid und so werden Überstunden immer wieder zum Streitthema am Arbeitsplatz.

Damit Sie in Zukunft genaustens darüber Bescheid wissen, was erlaubt ist und was nicht, haben wir hier für Sie die typischsten Fragen und Regelungen zum Thema Überstunden zusammengefasst.

Wie viele Überstunden dürfen Sie machen?

Wer denkt, es gäbe kein Limit für Überstunden, der täuscht sich. Die Überstundenregelung im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) sieht vor, dass ein Arbeitnehmer an einem Werktag nicht mehr als zehn Stunden und in der Woche nicht mehr als 48 Stunden arbeiten darf. Dadurch ergibt sich bei einer üblichen 40-Stunden-Woche eine Überstunden-Obergrenze von maximal acht Stunden pro Woche. Als Gegenleistung steht dem Arbeitnehmer innerhalb der nächsten sechs Monate eine ausgleichende Freizeit zu (§ 3, ArbZG).

Außerdem muss jeder Arbeitnehmer eine Pause von mindestens elf Stunden zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn haben. In vereinzelten Berufsgruppen kann diese Pausenzeit auf zehn Stunden reduziert werden.

Darf Ihr Chef Ihnen Überstunden anordnen?

Grundsätzlich dürfen Vorgesetzte keine Überstunden anordnen. Es gibt allerdings einige Arbeitsverträge, welche eine Klausel zur Überstundenregelung enthalten. In solchen Fällen muss die juristische Rechtskräftigkeit überprüft werden. Oftmals sind solche Regelungen unwirksam, da sie zu verschleiert und unklar formuliert sind und somit gegen das Transparenzgebot verstoßen (§ 307 Abs. 1, BGB). Laut Arbeitsvertrag.org ist außerdem "eine Formulierung, die pauschal das Ableisten von Mehrarbeit verlangt, in der Regel nicht rechtens, da der Arbeitnehmer nicht in der Lage ist abzuschätzen, wie viele Überstunden ihm bevorstehen."

Aber: Es gibt einige wenige Sonderfälle und Ausnahmen, bei denen der Arbeitgeber dazu berechtigt ist, Überstunden anzuordnen. Das gängigste Beispiel wäre das Eintreten einer unvorhergesehenen Notsituation, durch die die Existenz des Betriebs gefährdet wird.

Müssen Ihre Überstunden bezahlt werden?

Es gibt keine endgültige Regelung, in welcher Höhe Überstunden bezahlt werden müssen. Meistens gibt es eine arbeitsvertragliche Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auch wenn keine konkrete Vereinbarung im Vertrag geregelt ist, kann doch ein Vergütungsanspruch bestehen (§ 612 Abs. 1, BGB).

Die pauschale Verwehrung einer Überstundenvergütung durch den Arbeitgeber ist gemeinhin verboten.

Können Überstunden verfallen?

Ja, können sie. Der Verfall ist durch die sogenannte Ausschlussfrist im Arbeitsvertrag geregelt. Diese kann von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich sein, da es dazu keine einheitliche arbeitsrechtliche Vorschrift gibt.

Es ist einzig und allein festgelegt, dass die Ausschlussfrist nicht weniger als drei Monate betragen darf, da ansonsten die vorgesehene Klausel unwirksam ist. Ist die Klausel zu kurz angesetzt, oder gar nicht im Arbeitsvertrag enthalten, so kommt es gemäß § 195, BGB nach drei Jahren zum Verfall der Überstunden.

Was passiert mit Ihren Überstunden bei einer Kündigung?

Im Falle einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses hängt es vor allem davon ab, ob Sie selbst kündigen oder ob Ihnen gekündigt werden. Kündigende Arbeitnehmer wollen oft so schnell wie möglich das Unternehmen verlassen und sich ihre geleisteten Überstunden auszahlen lassen.

In den meisten Fällen forcieren Arbeitgeber daraufhin die Unterzeichnung einer sogenannten Ausgleichsquittierung. Sollten Sie ein solches Abkommen unterzeichnen, wird das Arbeitsverhältnis sofort beendigt und jeglicher Anspruch auf geleistete Mehrarbeit verfällt.

Da es bei einer Kündigung häufig zu Streitigkeiten bezüglich der Überstundenregelung kommt, empfehlen wir Ihnen Kontakt zu einem Anwalt aufzunehmen.

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