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Mangel an Auszubildenden

Vor allem in der Gastronomie und im Einzelhandel bleiben viele Lehrstellen unbesetzt
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Foto: Fotolia/contrastwerkstatt
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Seit Jahren interessieren sich immer mehr Schüler für ein Studium nach dem Schulabgang, da sie sich durch die akademischen Kompetenzen bessere Berufschancen erhoffen. Als Konsequenz dieser Entwicklung stehen für bestimmte Ausbildungsbranchen nicht mehr ausreichend Bewerber zur Verfügung. Doch nicht jede Branche ist davon betroffen. Laut der Statistik des Bundesministerium für Bildung und Forschung beginnen rund 75 Prozent aller Frauen und zwei Drittel aller Männer ihre Ausbildung in den 25 beliebtesten Ausbildungsberufen. Die übrigen Branchen haben es jedoch alles andere als leicht, kompetente Bewerber zu finden.

Rückgang der Bewerberzahlen

Es sind vor allem kleinere und Kleinstbetriebe, die mit der Besetzung von ausgeschriebenen Ausbildungsstellen Probleme haben, wohingegen Großbetrieben eine breite Auswahl an Bewerbern zur Verfügung steht. Die Größe des Unternehmens vermittelt bei den jungen Absolventen Attraktivität, da Großbetriebe oft gute Weiterbildungsmöglichkeiten bieten. Die Betriebsgröße ist jedoch nicht der einzige Faktor. Bestimmte Berufsgruppen werden bei Bewerbern auch immer weniger nachgefragt. Insbesondere in Teilen des Hotel- und Gaststättengewerbes und im Einzelhandel meldeten sich kaum Bewerber. An erster Stelle der Berufe, welche von der Bewerbernotlage betroffen sind, steht der Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk. Von den insgesamt 10.014 Stellen blieben im Jahr 2017 ganze 3.667 Stellen unbesetzt (vgl. Berufsbildungsbericht 2018). Außerdem hatten folgende Berufe einen hohen Anteil an unbesetzten Stellen zu verzeichnen: Fleischer, Klempner, Fachmann für Systemgastronomie, Restaurantfachmann, Fachkraft im Gastgewerbe, Gebäudereiniger, Gerüstbauer sowie Beton- und Stahlbetonbauer.

Bei kaufmännischen Berufen gibt es dagegen weniger Probleme. Jedes Jahr finden sich Ausbildungsberufe mit kaufmännischem Hintergrund unter den Top 10 der beliebtesten Ausbildungsberufe. Sowohl der Kaufmann für Büromanagement als auch der Industriekaufmann liegen auf den vorderen Plätzen. Lediglich die Ausbildung im Finanzwesen hat einen leichten Rückgang zu verzeichnen.

Frauenquote sinkt

Laut dem Berufsbildungsbericht 2018 sank die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge von Frauen um ganze 3,2 Prozent, wohingegen die geschlossenen Ausbildungsverträge mit Männern sogar anstiegen. Somit fällt auf, dass Frauen nicht mehr so häufig zu einer Ausbildung tendieren wie in früheren Jahren. Der rückläufige Trend der Frauenquote lässt sich jedoch schon länger beobachten. Wenn man die Quote mit den Zahlen aus 2009 vergleicht, liegt der Rückgang sogar bei 18,3 Prozent. Mehrere Faktoren beeinflussen diese Tatsache. Zum einen sind Frauen in vollzeitschulischen Berufsausbildungen häufiger vertreten als Männer. Besonders der soziale Bereich ist beliebt. Außerdem sind weiterführende Schulen attraktiv für junge Schulabgängerinnen, was mit der gestie genen Studierneigung einhergeht.

Dem Mangel entgegenwirken

In den vergangenen Jahren waren immer die gleichen Branchen und Betriebsgrößen vom Nachfragerückgang betroffen. Deshalb muss in Zukunft gehandelt werden. Eine Umfrage fand heraus, dass ein Betrieb besonders interessant für Bewerber ist, wenn gute Übernahmechancen, ein gutes Betriebsklima und Jobsicherheit gewährleistet werden. Für minderjährige Jugendliche spielt außerdem die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel eine zentrale Rolle. Daher müssen kleinere und Kleinstunternehmen versuchen, ihre Konditionen so zu verbessern, dass diese Umstände gegeben sind. In den verschiedenen Berufsbranchen könnte durch finanzielle Erhöhungen der Ausbildungsvergütung das Problem minimiert werden. Die Allianz für Aus- und Weiterbildung, welche aus Bund, Ländern und der Bundesagentur für Arbeit besteht, möchte in Zukunft auch weiterhin die duale Berufsausbildung fördern. Zudem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um eine Gleichstellung von Studium und Ausbildung zu vermitteln. Einem Schulabgänger stehen in der Gesellschaft durch eine betriebliche Ausbildung genauso gute Karrierechancen zur Verfügung wie nach einem akademischen Studium. Luisa Staudigel

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