Karriere/Beruf

Ein Tag für mehr Offenheit bei der Berufswahl

Am 26. April können Jugendliche den Girls" und Boys" Day nutzen, um Berufe jenseits von Geschlechterklischees auszuprobieren.
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Eine angehende Straßenwärterin in Aktion. Wirtschaftsförderung des Landkreises
Eine angehende Straßenwärterin in Aktion. Wirtschaftsförderung des Landkreises
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Julia Wehr, Ausbildungsleiterin bei upjers, ist gerade mal 29 Jahre jung und hat vor vielen Jahren eine Ausbildung als Fachinformatikerin gemacht. Für sie war der Schritt zum technischen Beruf die richtige Entscheidung. "Aber ich hoffe natürlich viel mehr junge Frauen, die sich genauso trauen", sagt sie. Für upjers, dem bekannten Browsergame-Unternehmen in Bamberg, organisiert sie daher den Girls" Day. Ein Tag, der Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse ermöglicht, in Berufe hineinzuschnuppern, die für ihr Geschlecht bislang eher untypisch sind. "Ich freue mich schon auf mein Schulpraktikum, dann werde ich noch einmal in die Männer-Domäne eintauchen", sagt Lena.
Beim Girls"Day oder Boys"Day geht es darum, Talente jenseits der Rollenklischees zu entdecken und die Berufswahloptionen für alle gleichberechtigt zu erweitern. Auch Mädchen sollen technische Berufe erlernen und Jungs in sozialen Berufen glänzen können. Seit 2001 gibt es den Girls" Day, ins Leben gerufen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, den Deutschen Gewerkschaftsbund und die Initiative D21 - koordiniert wird er durch den Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. 2010 wurde dann auch der Boys" Day eingeführt, da die Berufswahl von Jungs genauso geschlechterspezifisch ist, wie die der Mädchen.
Am 26. April findet dieses Jahr der Boys" und Girls" Day statt. Die Jugendlichen können über den "Radar" auf www.girls-day.de und www.boys-day.de das für sie passende Angebot herausfinden und sich direkt anmelden. Für Mädchen ist von Bauingenieurin über IT-System-Kauffrau bis hin zur Zerspannungsmechanikerin alles dabei, was mit Technik oder Handwerk zu tun hat. Jungs können die verschiedensten sozialen Berufe wie Pflege- oder Lehrberufe, aber auch Apotheker, Psychologe oder Verwaltungsangestellter kennenlernen. Die beteiligten Unternehmen und Einrichtungen in Stadt und Landkreis Bamberg ermöglichen einen direkten Einblick in den Berufsalltag, MitarbeiterInnen und Auszubildende erzählen von ihren Aufgaben, was ihnen an ihrem Beruf gefällt und welche Kompetenzen man dafür braucht. Oft können die Schülerinnen und Schüler auch praktisch mitarbeiten, um eigene Erfahrungen mit den jeweiligen Berufen zu sammeln.
Die geschlechtersensible Berufswahl ist auch 2018 noch ein wichtiges Thema. Nach wie vor entscheiden sich mehr als die Hälfte der Mädchen, die eine Ausbildung machen, für einen von zehn Ausbildungsberufen, ganz mädchentypisch hauptsächlich in Bereichen Büro, Verkauf und Medizin. Bei den Jungs ist das Bild ganz ähnlich. 56 Prozent wählen zumindest aus 20 Berufen aus, aber auch hier sind "männliche" Berufsbilder wie Mechaniker, Mechatroniker und Techniker ganz vorn.
Der Aktionstag hat also nichts an Aktualität verloren. Zeigt doch die Statistik, dass die Teilnahme am Girls" und Boys" Day die Berufswahl signifikant verändert.
Besonders für Unternehmen ist der Tag eine Chance. "Wir möchten den jungen Frauen die Möglichkeit geben, einen Einblick in die Vielfalt eines technischen Berufes wie dem des Industriemechanikers zu geben. Darüber hinaus sollen sie die Gelegenheit erhalten, ihre handwerklichen und technischen Kompetenzen zu entdecken", sagt Frank Schmittbüttner, Mitarbeiter der Albert & Hummel GmbH. Julia Wehr von upjers fügt hinzu: "Was vielen gar nicht bewusst ist: Als Informatiker braucht man Eigenschaften, die man oft eher dem weiblichen Geschlecht zuschreiben würde. Dazu gehören unter anderem eine hohe Sorgfalt, ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten und vor allem auch Multitasking." Sie hoffen auf ein großes Feedback der jungen Teilnehmerinnen.
Tatsächlich bekommen inzwischen ein Drittel der Unternehmen Bewerbungen für Praktika und Ausbildungen von Girls"Day-Teilnehmerinnen. Und auch Berufe im sozialen Bereich profitieren vom Boys" Day. Denn gerade hier in fehlen die männlichen Mitarbeiter.
Einer, der aus den Rollenklischees ausgestiegen ist und seinen eigenen Weg gefunden hat, ist Thorsten: vom Kfz-Mechaniker zum Erzieher. "Ich habe gemerkt, dass mir der soziale Bereich viel mehr liegt als die Arbeit in der Kfz-Werkstatt, wo oft ein ziemlich rauer Ton und keine gute Arbeitsatmosphäre herrschten." Nach seiner Kfz-Ausbildung holte er sein Fachabitur nach und machte eine Ausbildung zum Erzieher. Die Reaktion in seinem Bekanntenkreis sehr gut, jeder hat ihn auf seinem Weg unterstützt. Seine Botschaft: "Jungs, schaut euch den sozialen Beruf an! Es macht Spaß."
Im Raum Bamberg wird der Aktionstag von den Wirtschaftsförderungen und Gleichstellungsstellen von Stadt und Landkreis Bamberg organisiert. Für Fragen steht Iris Schlaier vom bfz Bamberg, Telefon 0951/93224 41, E-Mail iris.schlaier@bfz.de gerne zur Verfügung.


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